Hundehaltung: „Liegt alles am Besitzer“. Eine gewisse „Sachkunde“ finden Vertreter aus Hundeschulen und Tierschutzverein sinnvoll. Generell sollten sich Besitzer schon vor dem Kauf auf ihren Hund vorbereiten.

Von Karin Katona, Anna Faltner und Peter Führer. Erstellt am 29. Juli 2020 (08:35)
Verantwortungsvolle Hundebesitzerinnen: Claudia Zettel mit Hund Nala, Julia Hinterleitner mit Xenia, Hundetrainerin Birgit Homola von der Hundeschule Ötscherland, Andrea Hinterleitner mit Koko und Nicole Rehwald mit ihrem Rüden Nanouk (von links) auf der Übungswiese.
Karin Katona

Wer sich zum ersten Mal einen Hund anschafft, hat meistens noch viel zu lernen. Vieles davon lernt man natürlich in der Hundeschule, noch viel mehr zählt aber die Eigenverantwortung, wie viele Experten aus der Region bestätigen. Was Hundebesitzer, Tierschützer und Hundetrainer von der Reform der Hundehaltung (siehe Seite 2) halten, erzählten sie der NÖN.

„Jeder hat den Hund, den er sich verdient“, sagt Birgit Homola von der Hundeschule Ötscherland in Feichsen provokant. Sprich: Auf dem Übungsplatz in Feichsen lernen nicht nur Hunde, sondern auch Menschen – miteinander und voneinander. „Viele Menschen, die sich einen Hund anschaffen, wissen nicht, was auf sie zukommt, dass man sich mit dem neuen Familienmitglied auch intensiv beschäftigen muss“, sagt die ausgebildete Hundetrainerin. „Wer noch dazu meint, er erziehe seinen Hund am besten allein, kann bald an seine Grenzen stoßen. Dabei wäre es gerade in diesem Bereich so wichtig, sich mit anderen, erfahrenen Hundebesitzern auszutauschen.“ Homola rät daher, schon mit Welpen in die Hundeschule zu kommen: „Je früher, desto besser. Aber auch wenn bei der Hundeerziehung bereits Fehler gemacht worden sind, können wir den Besitzern noch helfen und Alternativen aufzeigen.“

Wenn ich meinen Hund nicht im Griff habe, muss ich die Leine fester halten. Das liegt am Besitzer.“Karin Matschegg, Obfrau von der Hundeschule Gresten

Ein verpflichtender Hundeführerschein, findet Birgit Homola, solle die Basis für die Zusammenarbeit zwischen Hund und Mensch sein. In der Hundeschule Ötscherland plant man aber auch als neues Angebot, Seminare für Menschen, die sich einen Hund anschaffen wollen.

Mit den neuen Vorschlägen zur Hundereform hat sich Karin Matschegg, Obfrau von der Hundeschule Gresten, zwar noch nicht wirklich befasst, dass ein gewisses Grundwissen beim Hundehalter unabdingbar ist, steht für sie aber außer Frage. „Auf jeden Fall sollte man sich im Vorhinein auch darüber informieren, welche Hunderasse überhaupt zu einem selbst, zur Familie, zum Alltag und zum Lebensstil passt“, meint sie. Wenn wer einen Husky kauft, weil er „schön“ ist, man selbst aber absolut unsportlich ist, mache das wenig Sinn. Matschegg selbst ist Besitzerin von einem Weimaraner, mit dem sie die Ausbildung zum Rettungshund macht, und einen Dobermann, der zum Sport-Schutzhund (IPO) erzogen werden soll.

In der Grestner Hundeschule werden Kurse für Welpen ab acht Wochen angeboten. „Früh zu beginnen, finde ich schon sehr sinnvoll, vor allem weil der Hund dann gleich eine Bindung aufbauen kann und wesentliche Dinge wie ‚Sitz‘ und ‚Platz‘ lernt“, sagt die Trainerin und Obfrau. In den Kursen werden die wichtigen Inhalte, wie man mit seinem Hund umgeht gelehrt, ob die Tierbesitzer das auch so fortführen und umsetzen, liegt in ihrer Verantwortung.

Verantwortung liegt bei Besitzer und Züchter

„Für mich macht es auch keinen Unterschied, ob ich einen Listen- oder Nicht-Listenhund an der Leine führe. Wenn ich meinen Hund nicht im Griff habe, muss ich die Leine fester halten. Das liegt am Besitzer“, sagt Matschegg. Daher spielt auch für sie die Eigenverantwortung der Besitzer sowie auch der Züchter, welche die Tiere verkaufen, eine große Rolle.

Für Christine Hausleitner vom Tierschutzverein Region Amstetten ist klar, dass – wenn es Probleme gibt – die Schuld dafür nicht beim Hund, sondern beim Hundebesitzer zu suchen ist. Sie erklärt, dass einige „Schwarze Schafe“ ihre Listenhunde, die unter anderem wegen der höheren Hundesteuer oder der höheren Anforderungen öfters als Nichtlistenhunde ausgesetzt werden, als Prestigobjekt sehen würden. „Dabei kann ich mit der Einteilung in Listenhunde und Nichtlistenhunde nichts anfangen. Auch ein Pitbull ist eigentlich ein Familienhund, auf der anderen Seite kann auch ein kleiner Hund bei schlechter Erziehung zubeißen“, sagt Hausleitner. Zu 90 Prozent liege die Schuld beim Menschen.

Von immer mehr neuen Verboten, Gesetzen und Erlässen hält sie dennoch wenig. Vielmehr appelliert die Tierfreundin an die Eigenverantwortung der Menschen im Umgang mit den Tieren: „Es wäre außerdem höchst an der Zeit, dass der Gesetzgeber die Tiere nicht mehr als Sache, sondern als Lebewesen sieht. Darüber sollte man sich endlich einmal Gedanken machen“, sagt sie.

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