Impfstrategie: „Wir hätten noch genug Kapazitäten frei“. Kritik von niedergelassenen Ärzten an den geplanten Impfzentren des Landes. Landesrätin weist das zurück: „Müssen sieben Tage die Woche impfen.

Von Claudia Christ. Erstellt am 07. April 2021 (04:51)
Symbolbild
dpa

ril 20 Impfstraßen installieren, eine davon ist in Wieselburg geplant.
Ein Weg, den der Wieselburger Arzt Andreas Fritsch nicht nachvollziehen kann. Die Impfkampagne laufe in den drei Ordinationen des Ärztesprengels bestens. Rund 84 Personen impft der Allgemeinmediziner wöchentlich in seiner Praxis, sein Kollege Florian Hoffer in Petzenkirchen sogar drei mal so viel. Und auch in der Praxis von Carmen Brandstätter läuft es gut. „In meiner Praxis ist immer mittwochnachmittags Impftag, das könnte ich aber auf jeden Fall noch ausweiten. Auch meine Kollegen haben meines Wissens alle noch Kapazitäten frei“, betont Fritsch.

„Wir haben keinen Mangel an impfenden Ärzten, sondern an Impfstoff.“Doktor Andreas Fritsch, Wieselburg

Denn Impfwillige gibt es genug. „Die Menschen nehmen großteils eine weite Anreise auf sich, um sich immunisieren zu lassen.“ Bislang wurden in der Fritsch-Praxis Menschen über 80 Jahre und Risikopatienten geimpft. Ab Mittwoch sind die über 72-Jährigen an der Reihe. Einen Impftermin abgesagt haben bislang zur einzelne. Und die Liste der Ersatzpatienten, das sind Patienten mit einer Krebs- oder Herzerkrankung, ist bei Fritz besonders lang.

Woran es fehlt, ist einzig der vorhandene Impfstoff. „Wir haben einen Impfstoffmangel, keinen Mangel an impfenden Ärzten“, hält Fritsch fest. Denn viele seiner Kollegen im Bezirk hätten überhaupt noch keinen Impfstoff erhalten. „Es sind immer noch nicht alle Ordinationen mit Impfstoff ausgestattet. Eine Impfstraße hat meines Erachtens erst dann Sinn, wenn wir nicht mehr nachkommen würden.“

Derzeit wird in den drei Ordinationen Fritsch, Hoffer und Brandstätter ausschließlich das Pfizer/Biontech-Vakzin verabreicht. „Das könnte sich aber mit den Impfstraßen ändern. Dann müssen wir bei den Patienten vermutlich auch noch Überzeugungsarbeit für Astra Zeneca leisten“, befürchtet der Mediziner.

Währendessen ist die Anmeldungsphase für das Wieselburger Impfzentrum bereits angelaufen. „Meines Wissens soll das jedoch parallel zu den Arztpraxen stattfinden. Diese haben im vergangenen Jahr Besonderes geleistet“, betont Wieselburgs Bürgermeister Josef Leitner. Die Organisation der Impfstraße, die ursprünglich von der In-Region initiiert worden wäre, hat nun der Bund und das Land NÖ in die Hand genommen. „Wir sind da auch nur Informationsempfänger“, betont der Bürgermeister. Als Impfstoff sollen in der Wieselburger Impfstraße ab Ende April laut Leitner vor allem die Impfstoffe Astra Zeneca und Johnson & Johnson zum Einsatz kommen.

Noch keine Information, wer in Zentren impft

Auch der Scheibbser Bezirksärztevertreter Karl Brandstetter aus Purgstall hat noch keine näheren Informationen zu den geplanten Impfzentren. „Wir wissen noch nicht, wer dort impfen soll. Das koordiniert alles 144 Notruf NÖ“, sagt Brandstetter, der selbst Astra Zeneca in seiner Ordination verimpft und Termine bis Ende Juli vergeben hat: „Ich gehe davon aus, dass diese auch halten werden.“

Wie Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) erklärt, entschloss man sich für diese Impfzentren, um so rasch als möglich viele Menschen impfen zu können. „Wir werden, wenn die erwarteten Lieferungen in den nächsten Wochen eintreffen, sieben Tage pro Woche impfen. Eine so große Anzahl an Impfungen in möglichst kurzer Zeit kann man am besten in großen Zentren durchführen. Die Schwierigkeit, die jetzt besteht, ist, dass in kleineren Impfzentren immer viele Termine, etwa für die zweite Dosis, freigehalten werden müssen. Mit den großen Zentren können wir flexibler agieren“, erklärt sie.

Man könne außerdem garantieren, dass es dank der „Radldienste“ auch bei Ausfällen von Ärzten, etwa wegen Urlaubs, zu keinen Terminausfällen kommt. Gleichzeitig verweist Königsberger-Ludwig darauf, dass Hausärzte mit den Impfstoffen Astra Zeneca und Johnson & Johnson weiterhin und zusätzlich zu den Impfzentren impfen können. „Wir werden jeden brauchen, wenn die erwarteten Impfdosen in den kommenden Wochen eintreffen“, sagt Königsberger-Ludwig. Näheres dazu auch im Landesteil auf Seite 34.