Jugendliche: „Im Lockdown hab ich Zeit für mich“. Die NÖN sprach mit drei jungen Menschen aus dem Bezirk Scheibbs über ihren Alltag im Lockdown. Ihr Rezept: Neues ausprobieren und Freunde online treffen.

Von Karin Katona. Erstellt am 17. Januar 2021 (05:22)

Die 18-jährige Katrin Bendinger lebt mit ihrer Familie auf einem Bauernhof in St. Georgen an der Leys. Sie möchte Kindergartenpädagogin werden und besucht die Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik in Amstetten.

Wie alle Schüler der Oberstufen österreichweit hat sie derzeit Unterricht per Distance Learning. „Etwas Gutes hat der Lockdown“, sagt die Maturantin. „Man spart sich die lange Zeit für den Schulweg. Zuhause ist es natürlich schön, aber ich vermisse die Schule und die Freundinnen.“

Kochen, Musik oder Spiele gegen die Einsamkeit

Denn neben der zusätzlichen Zeit für sich selbst bringt der Lockdown vor allem eins: Einsamkeit. Katrin ist aktives Mitglied der Landjugend und der Volkstanzgruppe. „So viele Feste, Projekte und Veranstaltungen haben wegen Corona nicht stattfinden können“, sagt Katrin.

Treffen mit den Freundinnen gibt es derzeit nur über Teams und Whats App. „Viele von uns gehen mehr hinaus in die Natur, gehen wandern, machen Sport. Ich selbst habe mit dem Laufen angefangen. Das ist ein guter Ausgleich, wenn man so viel zum Daheimsein gezwungen ist.“

Und auch ein anderes Talent hat Katrin an sich entdeckt: „Auf einmal taugt mir Kochen total.“ Ein großer Wunsch aber bleibt: „Dass wir vielleicht doch unseren Maturaball halten können. Da hatten wir uns schon so sehr darauf gefreut.“

Anna Lackner studiert seit Oktober 2020 Englisch und Deutsch auf Lehramt an der Uni Wien. „Ich bin eigentlich nur daheim und gehe nirgends hin, weil bei der Uni alles online ist und meine Eltern die Einkäufe erledigen“, sagt die 18-Jährige. „Ich schaue viele Serien und Filme, lese Bücher.“

Auch ihre sozialen Kontakte spielen sich wie die aller Jugendlichen derzeit online ab: „In letzter Zeit spiele ich viele Multiplayer Online Games wie Phasmophobia, Among Us, Mario Kart und Supersmash Bros mit Freunden, die ich über das Internet kennengelernt habe.“

Für sie mache das fast keinen Unterschied, ob sie sich jetzt wirklich mit Freunden treffe oder online mit ihnen rede, weil ihr beides unglaublich viel Spaß mache. Und auch Anna hat im Lockdown Neues entdeckt: „Ich spiele Gitarre, was ich mir seit dem ersten Lockdown im März selbst beibringe. Das ist ein guter Ausgleich“, sagt die Studentin.

„Ich habe durch den Lockdown Zeit gehabt, mich mit mir selber auseinanderzusetzen.“ Maximlian Schubert, BORG-Schüler aus Purgstall

Maximilian Schubert aus Purgstall ist 16 Jahre alt und besucht die sechste Klasse des BORG Scheibbs. „Ich bin ein sehr geselliger Typ und liebe es, mich mit Freunden zu treffen“, sagt Maximilian. „Oft fahren wir gemeinsam nach Wien und besuchen unsere Freunde dort. Das habe ich schon lange nicht mehr machen können. Jetzt bleibt nur Telefonieren.“

Der Online-Unterricht verlange, dass man sich selbst gut organisiert, sagt der 16-Jährige. „Das war am Anfang nicht so leicht, weil man an den festen Tagesablauf in der Schule gewöhnt ist. Und bei den Teams-Konferenzen vor dem Bildschirm ist man auch nicht so konzentriert wie in der Schule.“ Und: „Den ganzen Tag in bequemen Kleidern daheim zu sein und sich nicht für die Schule oder zum Fortgehen anziehen zu müssen, fühlt sich immer noch komisch an.“

Aber auch Maximilian hat während des Lockdowns neue Hobbys für sich entdeckt. „Ich höre viel Musik, habe angefangen, Platten zu sammeln. Und ich renoviere mein Zimmer.“ Er habe, sagt Maximilian, viel Zeit zum Nachdenken gehabt. „Ich habe viel über mein Leben nachgedacht, über meine Ziele und wie ich mir meine Zukunft vorstelle.“ Wenn dann der Lockdown vorbei ist, möchte er als Erstes aber nur eins: „Ich möchte mit meinen Freunden nach Wien fahren und in einem Musikgeschäft in den Platten stöbern.“