Jugendschutz: Mit 16 zu jung für Tschick & Schnaps. Spirituosen und Zigaretten sind seit 1. Jänner erst ab 18 Jahren erlaubt. Meinungen darüber sind gespalten.

Von Karin Katona und Anna Faltner. Erstellt am 03. Januar 2019 (05:31)
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Symbolbild

Den Ruf als „größter Aschenbecher Europas“ trägt Österreich nicht erst seit der Koalition Schwarz-Blau. Besonders viel gequalmt wird auch unter den Jugendlichen. Genau da legt das Jugendschutzgesetz jetzt neue Richtlinien fest. Statt ab 16 Jahren darf seit 1. Jänner erst ab 18 Jahren geraucht werden. Dasselbe gilt für den Konsum von Spirituosen.

„Was der Gesetzgeber vorschreibt, ist einzuhalten. Wir sind alle gefordert, unserer Verantwortung zum Schutz der Jugendlichen Rechnung zu tragen“, sagt Bezirks-Wirtesprecher Sepp Wondraczek. „Wir Wirte haben vom Gesetzgeber schon seit Langem eine bundesweite Regelung gefordert.“ Der Alkoholverkauf im großen Spektrum finde seiner Ansicht nach nicht bei den Wirten, sondern bei diversen Festen statt: „Hier sind die Veranstalter angehalten, sich geeignete Kontrollmaßnahmen zu überlegen.“

„Mit betrunkenen Jugendlichen wollen wir unser Geld nicht verdienen.“Franz Lechner, Obmann der Sportunion Steinakirchen und Organisator des jährlichen Oktoberfests

Als Leidtragende der neuen Richtlinien sieht Wieselburgs Ballonwirt Herbert Aigner die Gastronomie. „Der Alkoholkonsum der Jugendlichen wird sich vermutlich mehr nach Hause verlegen – so wie in Amerika ‚Homepartys‘ gefeiert werden“, meint er.

Aufgrund des Jugendschutzgesetzes wird es beim Ballonwirt auch keine Beachparty mehr geben. „Das genau zu kontrollieren, ist fast unmöglich“, sagt Aigner. Er ist auch der Meinung, dass die Jugendlichen heutzutage wissen, wie viel sie vertragen: „Ich denke, sie können besser damit umgehen als früher – durch die intensive Aufklärung in den Medien.“

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Rauchpause. Die Zigarette ist Jugendlichen unter 18 Jahren ab dem kommenden Jahr verboten.

Vor diesem Problem steht, wie viele andere Festveranstalter, auch Franz Lechner, Obmann der Sportunion Steinakirchen und Organisator des jährlichen Oktoberfests. „Wir werden in Zukunft noch mehr kontrollieren als bisher. Wir denken auch daran, dafür eigene Securities abzustellen. Aber bis ins Letzte wird man nie kontrollieren können.“ Dennoch: „Vereine brauchen Feste, um sich zu finanzieren, aber mit betrunkenen Jugendlichen wollen wir unser Geld nicht verdienen.“

Viel gefeiert wird auch in den verschiedenen Ortsgruppen der Jungen Volkspartei. Die Altersgruppen werden anhand von bunten Bändern gleich beim Eingang markiert. JVP-Bezirksobmann Daniel Aigner steht der Novellierung des Jugendschutzgesetzes sehr positiv gegenüber: „Das ist bestimmt ein Schritt in die richtige Richtung. Wichtig ist, dass es langfristig etwas bewirken kann. Aber wo ein Wille, da finden die Jugendlichen auch einen Weg.“

„Die Umsetzung wird eine Gratwanderung“

Kopfzerbrechen macht die Umsetzung des neuen Jugendschutzgesetzes auch der Landjugend. „Es wird eine Gratwanderung, den Jüngeren bewusst zu machen, dass sie etwas nicht mehr dürfen, was vorher erlaubt war, ohne als Moralapostel dazustehen, die es ihnen verbieten“, sagt LJ-Bezirksleiter Julian Krumböck. Besonders die Kontrolle des Rauchverbots werde schwierig sein: „Man kann bei einer Veranstaltung nicht von jedem, den man rauchen sieht, den Ausweis verlangen.“

Für Beate Griessler, Inhaberin eines Tabakfachgeschäfts am Purgstaller Kirchenplatz, wird sich mit den neuen Jugendschutzbestimmungen nicht viel ändern: „Wir kontrollieren bereits jetzt die Ausweise und halten uns dabei an die Regel 16 plus sieben. Sprich: Wer für uns jünger ausschaut als 23, muss sich ausweisen. Jetzt erhöhen wir eben auf 18 plus sieben.“ Grundsätzlich begrüßt Griessler den Jugendschutz per Gesetz, findet aber: „Aufklärung und Bewusstseinsbildung bringen mehr als Verbote.“

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