Kopfschütteln und Frustration wegen Corona-Ampel-Farbe. Für Kopfschütteln und auch einiges an Frustration sorgte die Entscheidung der Ampelkommission, den Scheibbser Bezirk trotz der niedrigen Zahlen auf orange zu belassen, auch bei Bezirkshauptmann Johann Seper und seinem Team. Am Freitagvormittag hat dies Seper in einer Videokonferenz Gesundheitsminister Rudolf Anschober auch angesprochen.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 09. Oktober 2020 (16:08)
Bezirkshauptmann Johann Seper zeigt sich enttäuscht, dass der Bezirk Scheibbs trotz niedrigster Zahlen weiterhin auf orange gestellt bleibt.
Bezirkshauptmannschaft

 

12 Corona-Erkrankte aktuell mit Stichtag Freitagvormittag. Drei davon werden am Samstag wieder gesund gemeldet. Fünf Corona-Neuinfektionen beziehungsweise 12,1 Corona-Fälle hochgerechnet auf 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen. "Sogar wenn man zehn Tage zurückgeht, sind die Zahlen ähnlich niedrig", weiß Bezirkshauptmann Johann Seper. Die Zahlen des Scheibbser Bezirks sprechen damit eine deutliche Sprache. Und trotzdem blieb die Ampelfarbe im Bezirk orange.

Minister will Kommission nicht overrulen

Das kann auch Bezirkshauptmann Johann Seper nicht nachvollziehen. Er wies daher Minister Rudolf Anschober in einer Videokonferenz am Freitagvormittag auf die aktuellen Zahlen hin und ersuchte ihn, die Entscheidung der Ampel-Kommission als Minister nochmals zu überdenken und gegebenenfalls abzuändern. Doch von Minister Anschober kam eine klare Absage dazu. "Ich hätte zwar das Pouvoir, die Entscheidung zu overrulen, werde dies aber nicht tun. Die Kommission hat sich ein Regelwerk gegeben und an dieses halten wir uns", betonte Minister Anschober gegenüber Bezirkshauptmann Johann Seper und gratulierte gleichzeitig aber Seper und dessen Team zu den sinkenden Zahlen und dass sie die Situation so schnell in den Griff bekommen hätten. Der Bezirk Scheibbs sei auf den richtigen Weg, sagte der Minister.

"Diese Gratulation gebe ich natürlich an mein Team weiter. In der Bevölkerung bleiben aber wohl  Unverständnis und Frust zurück. Wir hätten uns schon erwartet, dass der Minister sich zumindest unseren Bezirk nochmals genauer anschaut. Wenn man die Ampel generell immer erst nach einigen Wochen wieder zurückstellen will, dann müsste dies zuvor klar kommuniziert werden. Aber so versteht diese Entscheidung keiner - vor allem nicht wenn wir die Vergleiche mit anderen Bezirken herziehen. Bei uns wird das Risiko gleich hoch eingeschätzt wie in der Stadt St. Pölten oder in Wien, wo die Fallzahlen etwa um ein Zehnfaches höher sind", ist Seper enttäuscht. Eine Zusage gab es vom Minister jedoch, das Kommissionsregelwerk aufgrund der Scheibbser Anregung zu überdenken.

Pernkopf fordert "mehr Flexibilität"

Dies fordert auch LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf. "Die Ampel-Kommission hat sich als internes Regelwerk einen Beobachtungszeitpunkt über drei Wochen gegeben. Das ist aber bei so eklatant sinkenden Zahlen wie etwa im Bezirk Scheibbs nicht nachvollziehbar. Wir meinen daher, dass, wenn der Trend so klar ersichtlich ist, durchaus zwei Wochen genügen müssen", fordert Pernkopf gemeinsam mit SP-Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig nach Gesprächen mit Bundesminister Anschober. "Diese Rückschaltung der Ampel auf gelb oder grün muss bei rasch fallenden Zahlen und klarer Rückverfolgbarkeit auch rasch erfolgen. Hier braucht es, bei aller notwendigen Kontinuität, auch eine gewisse Flexibilität. Ansonsten ernten wir nur Unverständnis bei der Bevölkerung und gefährden damit alle Maßnahmen", sagt Pernkopf gegenüber der NÖN.

Unveständnis auch bei VP-Abgeordneten Anton Erber

Unverständnis über die Entscheidung der Ampelkommission herrscht auch beim Purgstaller VP-Landtagsabgeordneten Anton Erber: "Wir haben den zweitniedrigsten Wert in Niederösterreich und bleiben trotzdem orange. So führt sich die Ampel-Kommission selbst ad absurdum", sagt Erber gegenüber der NÖN.