Landwirtschaft: „Die Fleischpreise sind im Keller“. Fehlende Absatzmärkte in der Gastronomie. Aufschrei der Schweinebauern. Aktuell bekommt der Bauer 1,30 für ein Kilo Schweinekotelett.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 24. November 2020 (18:15)
Bauernbund-Direktor Paul Nemecek mit Hubert Karlinger und Vater Franz Karlinger (von links): „Brauchen einen fairen Preis.“
Franz Crepaz/NÖBB

Mit voller Wucht haben Corona und der Gastro-Lockdown die heimischen Schweine- und Rinderbauern getroffen. Preisverfall und fehlende Absatzmärkte in der Gastronomie und im Export lassen tausende Landwirte in eine unsichere Zukunft blicken.

„Die heimische Landwirtschaft beweist sich als verlässlicher Partner in der Krise, aber jetzt kommt es zu schwerwiegenden Absatzproblemen und gewaltigen Preiseinbrüchen, beim Schweinefleisch etwa um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr“, schlägt NÖ Bauernbunddirektor Paul Nemecek bei einem Lokalaugenschein bei Schweinebauer Hubert Karlinger aus Krügling Alarm.

„Die Preise waren das ganze Jahr schon im Keller, aber jetzt stürzen sie endgültig ganz ab“, bestätigt der 28-jährige Hubert Karlinger. Aktuell kostet ein Kilo Schweinekotelett im Handel ab 6,99 Euro. Der Bauer bekommt für beste heimische Qualität dafür gerade einmal 1,30 Euro und weniger. „Ich bin allen Konsumenten dankbar, die Frischfleisch oder beim Direktvermarkter kaufen, denn bei diesen Produzentenpreisen kann ich sonst wirtschaftlich nicht auf Dauer überleben“, blickt Karlinger sorgenvoll in die Zukunft. So wie ihm geht es derzeit den meisten der rund 4.000 Schweinezucht- und Mastbetrieben in Niederösterreich.

Rindpreise ebenfalls betroffen

Auch bei den Rinderbauern schaut es aktuell nicht gut aus, wie Werner Habermann von der Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf bestätigt: „Die Preise bei den Schlachtkühen sind in den vergangenen Wochen um rund 30 Prozent gesunken. Auch das Ausbleiben des Außer-Haus-Verzehrs erzeugt zusätzlichen Marktdruck.“

Das sei auch bei den jüngsten Nutzkälbermärkten festzustellen gewesen, weiß Karl Zottl, Geschäftsführer des NÖ Genetik Rinderzuchtverbandes. Allerdings sei dies durchaus auch eine saisonal übliche Entwicklung. Generell schaue es im Zuchtrinderbereich besser aus. „International ist die Nachfrage sehr stark, aber auch mit der Inlandsnachfrage sind wir derzeit sehr zufrieden. Da spielen vermutlich der stabile Milchpreis und die gute Futtersituation mit. Die Landwirte füllen ihre Ställe auf“, erklärt Karl Zottl.

Eines bewirke diese Tiefstpreisphase beim Fleisch aber auf alle Fälle. Sie rückt die Forderung nach einer konsequenten Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel einmal mehr in den Mittelpunkt: „Gerade jetzt muss die Herkunft des Fleisches für die Konsumenten klar ersichtlich sein, um ihnen die Kaufentscheidung zu erleichtern“, fordert Paul Nemecek.