Tourismus: Der Sommer und das blaue Auge. 420.000 Nächtigungen weniger als 2019: Die Destination Mostviertel vermeldet im Corona-Jahr ein Minus von 35 Prozent.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 03. Februar 2021 (04:55)
Andreas Purt, Geschäftsführer der Mostviertel Tourismus GmbH analysiert für die NÖN die Zahlen.
Mostviertel Tourismus

Die Nächtigungszahlen 2020 liegen vor. Und sie bescherten der blau-gelben Tourismusbranche das erwartete, saftige Minus. Die Nächtigungszahlen in Niederösterreich fielen von 7,68 Millionen Nächtigungen 2019 auf 4,57 Millionen Nächtigungen im Corona-Jahr 2020. Das ist ein Minus von 40,5 Prozent.

Die Tourismusdestination Mostviertel, die sich 2019 noch über 1,20 Millionen Nächtigungen gefreut hatte, verlor 35 Prozent und hält 2020 bei 778.484 Nächtigungen. Die Interpretation der Zahlen im Detail:

Die Gesamtsituation

Mit einem Minus von 35 Prozent liegt die Tourismusdestination Mostviertel etwas besser als das Bundesland. „Allerdings ist das auch nur ein schwacher Trost. Die Tourismusbranche liegt am Boden. Zwar brachten die Sommermonate Juli, August und September einen Hoffnungsschimmer, aber mit dem zweiten Lockdown waren die letzten drei Monate des Jahres dann doch wieder ein ordentlicher Dämpfer“, erklärt Andreas Purt, Geschäftsführer der Mostviertel Tourismus GmbH.

Wirtschaftsnächtigungen brachen ein

Die Aufteilung nach Verbänden zeigt recht deutlich, dass Verbände mit einem sehr hohen Anteil an Wirtschaftsnächtigungen, wie NÖ-Zentral mit St. Pölten und Herzogenburg beziehungsweise die Moststraße mit Amstetten und St. Valentin einen deutliche höheren Einbruch hinnehmen mussten, als jene Verbände, wo die freizeittouristischen Nächtigungen eine größere Rolle spielen.

Im Scheibbser Bezirk war davon vor allem Wieselburg betroffen. Die Nächtigungszahlen haben sich dort halbiert. „Hier fehlen vor allem alle Veranstaltungen rund um die Wieselburger Messen und auch die Geschäftsreisen und Seminare hielten sich 2020 in Grenzen“, weiß Purt.

Blaues Auge für Urlaub am Bauernhof oder Camping

Auch bei den Beherbergungsarten ist klar zu erkennen, dass der Vier-Sternbereich mit einem sehr hohen Faktor an Wirtschaftsnächtigungen überdurchschnittlich betroffen war. Kleinere Einheiten beziehungsweise jene, die ausreichend Abstand boten, wie Apartments, Ferienwohnungen und Privatquartiere oder Urlaub am Bauernhofangebote kamen ebenso wie der Bereich Camping mit einem blauen Auge davon.

Die größten Einbrüche gab es im gewerblichen Bereich (4-Stern und 3-Stern) sowie in den Segmenten sonstige Unterkünfte und Jugendherbergen. „Hier machte sich das Ausbleiben praktisch sämtlicher Schulklassen oder Jugendlager bemerkbar“, erklärt Purt.

Berge und Seen, Wander- und Radfahrboom

Im alpinen Bereich lag das Mostviertel bis November sogar bei einem Minus von nur knapp 20 Prozent. „Jene Regionen haben profitiert, die Berge und Seen anbieten können und vor allem auf einheimische Gäste setzen – und das zum Glück nicht nur bei den Tagesgästen.

NÖN

Einige Gemeinden wie vor allem Lunz aber auch Mitterbach oder St. Aegyd haben dank der tollen Sommermonate und dem Wander- und Radfahrboom im Naturpark oder entlang des Ybbstal- oder Traisentalradweges durchaus positiv bilanziert. Lunz konnte das Plus sogar über das Jahr retten und hatte 2020 fast um 1.000 Nächtigungen mehr als das Jahr davor“, schildert Purt die positiven Ausnahmen.

Auch für Göstling und Gaming hätten die Sommermonate relativ gute Zahlen gebracht, aber der zweite Lockdown hat dann jenen Gemeinden, die normal auch starken Wintertourismus haben, noch einmal einen ordentlichen Dämpfer versetzt. „Dort hat uns die Schließung der Hotels im Dezember – im Hinblick auf Schulskikurse und Fortbildungen – und vor allem dann von Weihnachten bis Neujahr stark zugesetzt“, resümiert Andreas Purt.

Gab es etwa in Göstling schon im März (vorzeitiges Ende der Skisaison vor Ostern) ein Minus von 11.000 Nächtigungen, so kam alleine im Dezember nochmals ein Minus von 9.000 Nächtigungen dazu. Insgesamt ist das Göstlinger Minus von 38.721 Nächtigungen fast so groß wie die Gesamtnächtigungszahlen von der drittbesten Bezirksgemeinde Lunz (41.986) beziehungsweise das Minus aller anderen Tourismusgemeinden im Bezirk gemeinsam (45.002).

Zwei Bezirksgemeinden mit Plus

Neben Lunz am See (+ 984 Nächtigungen) schaffte im Ötscherland auch noch die Bezirkshauptstadt Scheibbs ein positives Jahressaldo gegenüber 2019. 4.402 Nächtigungen insgesamt bedeuten ein Plus von 332 Nächtigungen.

„Das dürfte hier vor allem dem neuen Hotel, N8Quartier, geschuldet sein, das über die Sommermonate touristisch gut gebucht war und auch sonst immer wieder Business-Gäste hatte“, sagt Purt.

Wilde Wunder Card

Eines hat das Corona-Jahr noch gezeigt. Das Angebots-Package muss passen, auch oder vielleicht gerade bei heimischen Urlaubern. Denn die Wilde Wunder Card, die es für Gäste bei 70 Partner-Betrieben im südlichen Mostviertel für die Dauer des Aufenthaltes in den Sommermonaten gratis gibt, hat ihren Erfolgslauf auch 2020 fortgesetzt.

„Im Vorjahr wurden insgesamt 28.779 Karten ausgegeben. Das waren sogar um 285 mehr als 2019 – und das, obwohl wir auf den Monat Mai, wo normal die Wilde Wunder Card-Saison startet, durch den Lockdown eine verkürzte Saison hatten“, schildert Purt. Die Gäste haben diese insgesamt rund 58.000 Mal bei einer der 57 Attraktionen und Programmen in Anspruch genommen. Einzig bei den damit verbundenen Nächtigungen gab es ein kleines Minus von 1.223 Nächtigungen (2019: 65.013, 2020: 64.690).

Ein Plus bei Online-Buchungen

Umsatzmäßig eine deutliche Steigerung gab es im Mostviertel bei den Online-Buchungen. Betrug der Gesamtumsatz bei den Online-Buchungen 2019 noch rund 550.000 Euro, so lag er 2020 bereits bei über 700.000 Euro. Fast 75 Prozent der Online-Buchungen kommen dabei über Plattformen wie booking oder expedia. 14 Prozent werden über die Gemeinde- oder Verbandsseiten gebucht, neun Prozent buchen online direkt über die Vermieter.

Der Ausblick

„Wenn ich mir die Nächtigungen beziehungsweise Buchungen für Jänner und Februar anschaue, dann fällt mir als Ausblick für 2021 nur Toni Pfeffer ein: Hoch werma nimma gwinna“, sagt Andreas Purt und rechnet, dass auch das heurige Jahr für die Tourismusbranche ein „sehr, sehr schwieriges wird. Die Wintersaison ist gelaufen. Wir rechnen ehrlich gesagt nicht mehr, dass Tourismus vor Ostern möglich ist. Ich glaube wir müssen schon froh sein, wenn wir bis Pfingsten – das ist am 23. Mai – losstarten können“, fürchtet Purt.