Musikproben? Ja, aber mit Verstand!

Vom NÖ Blasmusikverband gibt es konkrete Regeln für die Musikprobe. Die Vereine halten sich konsequent daran. Was bleibt, ist die Verunsicherung.

Erstellt am 08. Oktober 2020 | 15:04
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Die Stadtkapelle Wieselburg probt und rückt aus – und achtet dabei strikt auf die Einhaltung des Mindestabstandes. Erst am Sonntag begleiteten die Musiker die Feier der Jubelpaare.
Foto: Stadtkapelle Wieselburg

Mit Mund-Nasenschutz hinein in den Probenraum, ein Meter Abstand (von der Sesselmitte gemessen) zu den Registerkollegen, regelmäßiges Lüften und kein Beisammensitzen nach dem Musizieren – unter Einhaltung dieser Regeln ist die Musikprobe für die Kapellen in Niederösterreich momentan möglich.

Manche wollen dennoch nichts riskieren und setzen die wöchentliche Probe aus. So auch in Gaming. „Wir haben uns aufgrund der Ampelfarbe Orange entschlossen, für ein, zwei Wochen jetzt nicht gemeinsam zu proben. Uns ist das einfach derzeit zu unsicher. Wir wollen einfach keine Quarantäne riskieren“, teilt Andreas Fallmann, Obmann des Musikvereines Gaming, die einstimmige Entscheidung des Vorstandes mit. Die 40 Musiker proben maximal in kleineren Gruppen. Auch das traditionelle Neujahrs-Konzert wurde bereits gecancelt.

„Die Musikanten brauchen einen Sinn und ein Ziel, wofür sie proben.“ August Prüller, aus Reinsberg Bezirksobmann BAG Scheibbs

Eine Empfehlung – proben oder nicht – kann und will Bezirksobmann August Prüller nicht abgeben. „Mutig sein, aber nicht übermütig“, appelliert er an die Musiker, auch in dieser Zeit, ihre Leidenschaft auszuüben. Die vorgegebenen Richtlinien hält er für absolut richtig und auch umsetzbar. „Natürlich mit gebotener Vorsicht, Respekt und Vernunft“, sagt er. Sofern das Probenlokal groß genug ist, sei es kein Problem, den Mindestabstand einzuhalten, sich zu desinfizieren und mit Mund-Nasenschutz zur Probe zu kommen. „Es ist natürlich jedem Verein und jedem Musiker selbst überlassen, ob er kommt.“

Dass Proben möglich ist, beweist die Stadtkapelle Wieselburg, die das Musizieren samt Vorbereitungen für das Herbstkonzert am 21. November fortsetzt – mit Gesamt- und Registerproben. „Wir haben das Glück, dass unser Probenraum sehr groß ist. Natürlich gehen wir mit Maske hinein und proben ohne Pause. Der Aufenthaltsraum ist zugesperrt und jeder nimmt sich gleich beim Eingang sein Getränk mit – damit es zu keinem Zusammentreffen beim Kühlschrank kommt“, informiert Obmann Martin Gartner. Während die Musiker auf ihren Plätzen sitzen, dürfen sie die Masken abnehmen. Sobald sie aufstehen, ist die Maske zu tragen. Und dann kommt es zum schwierigsten Punkt. „Das große Problem ist das Nachstehen nach der Probe“, weiß Gartner. In Wieselburg wird den Musikern das Kommunizieren aber nicht verboten. „Entweder man bleibt auf seinem Platz sitzen oder man geht nach draußen. Indoor gibt es kein Zusammenstehen“, erklärt der Obmann.

Durch die neuen Bestimmungen hat sich auch die Lokalität für das Herbstkonzert verändert. Die Musiker wandern vom Francisco Josephinum in die Messe Wieselburg. Auch dort gibt es fixe Sitzplätze und keine Spielpause. Ob das Konzert tatsächlich stattfinden kann, wird sich noch zeigen. „Aber wir müssen für etwas proben. Sonst verliert man die Motivation“, sagt Gartner.

Ähnlich denkt auch der Niederösterreichische Blasmusikverband. Nachdem 2020 alle Veranstaltungen (Konzertmusikbewertung, Marschmusikbewertung, etc.) abgesagt wurden, soll sich das im kommenden Jahr auf keinen Fall wiederholen. „Wir wollen die Marsch- und Konzertwertungen im ganz normalen Umfang veranstalten. Wenn das Covid-bedingt nicht möglich ist, dann ohne Publikum. Aber die Musikanten brauchen einen Sinn und ein Ziel, wofür sie proben“, betont der Bezirksobmann.