Natur im Garten: Dort, wo der Igel daheim ist

Immer mehr Gemeinden im Bezirk Scheibbs pflegen ihre öffentlichen Grünflächen biologisch und pestizidfrei.

Erstellt am 07. Oktober 2020 | 04:19
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Göstling, als neues „Natur im Garten“-Mitglied, holte sich mit dem Projekt Bauerngarten im Mendlingtal gleich einen Sonderpreis (von links sitzend): Katharina Tippelreither, Andrea Fahrnberger, Sonja Musil und Peter Huber mit Bürgermeister Fritz Fahrnberger (hinten), Amtsleiter Walter Ruspekhofer, Tourismusobmann Franz Kupfer, Gemeinderat Siegfried Wickl, Helene Mark sowie Vizebürgermeister Stefan Mandl.
Foto: Perschl

„Natur im Garten“, das heißt: Gärten und Grünräume ohne Pestizide, ohne chemisch-synthetische Dünger und ohne Torf, großer Wert auf biologische Vielfalt und Gestaltung mit heimischen und ökologisch wertvollen Pflanzen. Die zugehörige Plakette schmückt landesweit tausende Gartenzäune und immer mehr Gemeinden.

Erst seit heuer Natur im Garten-Gemeinde ist die Bezirkshauptstadt Scheibbs. „Wir haben heuer quasi unser Probejahr und stellen Düngung und Pflege der öffentlichen Grünanlagen inklusive des Sportplatzes in allen Bereichen in den nächsten beiden Jahren um“, erklärt VP-Bürgermeister Franz Aigner. Erste sichtbare Zeichen als Natur im Garten-Gemeinde hat man mit den ersten Blumenwiesen beim Bahnhof, beim Kreisverkehr Abfahrt Scheibbs Mitte, beim Pulverturm, dem Beserlpark in Neustift oder entlang der Uferstraße gesetzt. „Als nächstes Projekt planen wir 3.000 m Schmetterlingswiesen im Stadtgebiet verteilt zu gestalten“, weiß VP-Vizebürgermeister Martin Luger. Den grünen Daumen in der Stadtgemeinde beweist Jennifer Reisenbichler, die seit drei Jahren im städtischen Bauhof als Gärtnerin arbeitet. „Gelernt ist gelernt“, gibt es für sie ein Kompliment von ihrem „Chef“ Bauamtsleiter Andreas Kurz.

Auch Göstling ist ein „Novize“ und erst 2019 Natur im Garten-Gemeinde. Vor kurzem gab es noch eine ganz spezielle Auszeichnung, einen Sonderpreis der Aktion „Blühendes Niederösterreich“ für den Bauerngarten im Mendlingtal. Ein schöner Ansporn zum Weitermachen für die Gemeinde, die mit viel Engagement auf naturnahes Gärtnern umgestellt hat.

Eine Natur im Garten-Mustergemeinde ist St. Anton an der Jeßnitz, die erste Gemeinde im Bezirk, die 2015 den „Goldenen Igel“ für vorbildliche Erfüllung aller Kriterien erhielt. 2019 wanderte der vierte Goldene Igel in Serie nach St. Anton. „So etwas funktioniert nur, wenn alle es mittragen“, sagt Bürgermeisterin Waltraud Stöckl. Denn für die Bauhof-Mitarbeiter, die die Grünflächen betreuen, bedeute die ökologische Grünraumpflege einen erheblichen Mehraufwand an Zeit und Arbeit. Die Ortschefin auch hat schon Visionen für die kommenden Jahre. Über den Ort verteilt soll es ökologisch wertvolle Blumenwiesen, Sträucher und Blühpflanzen geben. Blumenwiesen an den Ortseinfahrten ziehen auch in der Natur im Garten-Gemeinde Purgstall jeden Sommer die Blicke auf sich. Immer mehr auch in privaten Gärten, denn Samen und Anleitung zum Anlegen gibt es in der örtlichen Gärtnerei. Purgstall ist mit mehr als 90 privaten Mitgliedern auch „Natur im Garten“-Plaketten-Kaiser. Die Umstellung auf die naturnahe Grünraumpflege sei ein Gewöhnungsprozess gewesen, sagt Bürgermeister Harald Riemer: „Aber alle ziehen mit.“

Als eine der wenigen Gemeinden des Bezirks findet sich die Stadt Wieselburg nicht in der Mitgliederliste. Der Stadt fehle nur noch der Gemeinderatsbeschluss zur Natur im Garten-Gemeinde, sagt Bauamtsleiter Thomas Lichtenschopf. Die Kriterien seien bereits erfüllt: „Wir wenden auf allen unseren öffentlichen Grünflächen biologischen Pflanzenschutz an, verwenden keine Pestizide, keinen Torf und setzen auf heimische, ökologisch wertvolle Pflanzen. Das gehört zu unserem Bild als Umweltschutzgemeinde. “

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