Pro Tag kommen 50 Neuinfizierte hinzu. Zahlen steigen auch im Bezirk Scheibbs „explosionsartig“ an und bringen System dahinter an die Leistungskapazitäten. BH Seper: „Ein Dank an mein gesamtes Team.“

Von Christian Eplinger. Erstellt am 10. November 2020 (07:22)
Bezirkshauptmann Johann Seper mahnt: „Die Zahlen gehen durch die Decke.“
NOEN

„Die Zahlen gehen derzeit durch die Decke. Alleine am Samstag und Sonntag verzeichneten wir über 100 Neuinfektionen. Insgesamt halten wir aktuell bei 381 Infizierten – täglich kommen über 50 positiv getestete Personen hinzu. Das ist für uns alle eine extreme Belastung“, weiß Bezirkshauptmann Johann Seper.

Bezirkshauptmann Johann Seper mahnt: „Die Zahlen gehen durch die Decke.“
NOEN

Waren am Allerseelentag im Bezirk 181 positive Fälle gemeldet  (um 133 mehr als noch eine Woche davor), so hat sich dieser Wert in der vergangenen Woche bis Montagabend mehr als verdoppelt. Dazu kommen über 1.100 Quarantänebescheide. Damit sind fast drei Prozent der Bezirksbevölkerung aktuell in Quarantäne. Die Anzahl der Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage stieg am Montag auf insgesamt 256 Fälle im Scheibbser Bezirk – der elfthöchste absolute Wert aller 24 Bezirke und Statutarstädte in NÖ.

Höchster Inzidenz-Wert in ganz Niederösterreich

Noch dramatischer sieht aktuell der relative Wert im Scheibbser Bezirk aus: Mit hochgerechnet 618 Fällen pro 100.000 Einwohnern liegt das Ötscherland in der Sieben-Tage-Inzidenz überhaupt an der Spitze.

„Die Zahlen sind unglaublich hoch – und das, obwohl wir keine Cluster haben. Es ist eine Summe von Einzelfällen. Die Infektionen gehen nach wie vor vor allem von privaten Treffen oder Familienfeiern aus. Mittlerweile gibt es in allen 18 Gemeinden des Bezirks aktive Corona-Fälle. Leider dürften in den Tagen vor dem zweiten Lockdown die Leute nochmals ausgiebig ihre sozialen Kontakte gepflegt haben. Das bekommen wir jetzt zu spüren“, weiß Bezirkshauptmann Johann Seper.

„Die Leute dürften in den Tagen vor dem Lockdown nochmals ausgiebig ihre sozialen Kontakte gepflegt haben. Das bekommen wir jetzt zu spüren.“ Bezirkshauptmann Johann Seper

Einen großen Dank richtet Seper an sein gesamtes Team, das derzeit „auch in größter Anspannung, eine Top-Leistung und höchste Qualität beim Contact Tracing liefert.“ Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass die Aufklärungsquote, wo sich einzelne Personen infiziert hätten, so wie in ganz Österreich sinkt. „Es wird angesichts der immer länger werdenden Listen schwieriger, die Infektionsherde auszukundschaften. Immer wieder bekommen wir als Antwort: Ich weiß es nicht, wo ich mich infiziert haben könnte. Damit müssen wir leben. Das System ist derzeit an der Leistungsgrenze angelangt“, weiß Seper.

Aktuell arbeiten täglich um die 20 Mitarbeiter in der Bezirkshauptmannschaft zehn Stunden und mehr – auch das Wochenende hindurch. Dies geht vom Telefondienst (Contact Tracing), über Sachbearbeitung (Bescheide erstellen und Daten eingeben) bis hin zur Krisenstableitung. „Zum Glück haben wir bei uns im Sommer hausintern Schulungen durchgeführt, sodass wir jetzt über genug Mitarbeitern mit entsprechendem Know-how verfügen“, schildert Seper.

Normale „BH-Arbeit“ darf nicht liegenbleiben

Unterstützt wird das Behördenteam von Bundesheer-Mitarbeitern und Personen, die sich über das Land oder die Behörde direkt gemeldet haben. „Wir ersuchen alle auch um Verständnis, wenn es da und dort mal zu Verzögerungen kommt. Die Dimension an Kontakten, die wir derzeit nachrecherchieren müssen, ist enorm“, sagt Seper. Zudem dürfe die andere Behördenarbeit nicht liegenbleiben. Gerade in den Bereichen wie Jugendwohlfahrt, Wirtschaft oder Gewässergefährdung sei rasches Handeln wie bisher gefragt.

Mittlerweile sind im Bezirk auch wieder einzelne Schulklassen oder Kindergartengruppen in Quarantäne. Das passiert, wenn bei Unter-Zehnjährigen zumindest zwei Kinder pro Klasse/Gruppe positiv getestet worden sind. „Das Virus poppt in allen Regionen und Lebenslagen auf. Bislang mussten wir zum Glück noch keine Kindergärten, Schulen oder Betriebe zur Gänze schließen“, weiß Seper und hofft, dass die Lockdown-Maßnahmen diese Woche schon zu greifen beginnen. Das Bezirkspolizeikommando vermeldete in der ersten Woche des zweiten Lockdowns jedenfalls keinen Handlungsbedarf. „Die Leute waren allesamt sehr diszipliniert“, heißt es von der Polizei.