Risiko auf zwei Rädern: Mehr Sicherheit für Radfahrer. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegnetz in NÖ entbrannt.

Von Jakob Zuser und Anita Schwaiger. Erstellt am 13. August 2019 (04:55)
Anita Schwaiger

Reflektoren, ein neon-oranges Fähnchen, Tageslicht und natürlich der Helm dürfen für Birgit Hartmann bei Ausfahrten mit ihrem fast zweijährigen Sohn Konstantin nicht fehlen. „Ich fahre mit dem Radanhänger hauptsächlich auf Radwegen und Nebenstraßen, stark befahrene Straßen meide ich“, verrät die 30-jährige Steinakirchnerin.

„Wir sind viel mit dem E-Bike und dem Anhänger unterwegs, doch ich meide das Fahren in der Dunkelheit, das ist mir zu gefährlich“, meint Hartmann. Im Bezirk sind vor allem jetzt im Sommer viele Radfahrer unterwegs. Genügend Radwege sind in der Region auch vorhanden, wie zum Beispiel die 70 Kilometer lange Ötscherland-Radroute, die von Pöchlarn bis Lackenhof führt.

Täglich wird diese Strecke von zahlreichen Einheimischen und Touristen befahren. Auch der Ybbstalradweg zwischen Waidhofen an der Ybbs und Lunz am See erfreut sich großer Beliebtheit. Rund 50.000 Radfahrer radelten in der Saison 2018 durch das Ybbstal. Am stärksten frequentiert war der Radweg im Vorjahr im August. Zudem nutzten insgesamt 3.500 Radsportler das Angebot des Radtrampers, 2.000 Gäste wählten das Radtaxi.

Nicht alle nutzen Radwege

Obwohl auf einer stark befahrenen Bundesstraße das Unfallrisiko höher ist als auf einem Radweg, wird dieser nicht von allen Radfahrern so genutzt, auch wenn die Benützung mit Ausnahme von Rennrädern gesetzlich verpflichtend wäre. „Natürlich ist es für alle Beteiligten des Straßenverkehrs angenehmer und sicherer, wenn Radfahrer den Radweg benutzen“, betont auch Renate Gruber, Bürgermeisterin der Marktgemeinde Gaming.

Neo-Bezirkspolizeikommandant Thomas Heinreichsberger weiß, dass auch im Bezirk Scheibbs immer wieder Unfälle mit Radsportlern passieren: „Im Jahr 2019 kam es bisher zu sechs polizeilich bekannten Unfällen im Bezirk, bei denen Radfahrer verletzt wurden. Dabei kommt es immer wieder zu leichten, aber auch zum Teil schweren Verletzungen.“

Solche Unfälle haben unterschiedliche Ursachen. Vor zwei Monaten wurden etwa eine Frau und ein Mann mit ihren Fahrrädern von einem betrunkenen Autofahrer übersehen und erfasst. Beide Radfahrer erlitten schwere Verletzungen. Hier liegt die Verantwortung bei allen restlichen Verkehrsteilnehmern“, erklärt der Bezirkspolizeikommandant.

In einem anderen Fall missachtete eine Radfahrerin eine Stopptafel und wurde anschließend von einem herannahenden Auto erfasst. Außerdem verletzen sich viele Radsportler durch die eigene Unachtsamkeit. „Aber auch ausparkende Autos können einem Radfahrer zum Verhängnis werden“, ergänzt Heinreichsberger.

Oft würden aber nur Kleinigkeiten reichen, um Unfälle mit dem Rad zu vermeiden. „In manchen Fällen würde eine angepasste Geschwindigkeit der Radsportler genügen – insbesondere auf kurvigen oder nassen Strecken sowie im Kreuzungsbereich“, betont der Bezirkspolizeikommandant.

Nicht zu unterschätzen: Kleidung und Co

Entsprechende Schutzausrüstungen können jedoch bei einem Unfall die Verletzungswahrscheinlichkeit minimieren. Vor allem der Fahrradhelm sei dabei sehr wichtig. Aber auch Handschuhe, Gelenksprotektoren und passende Kleidung zur leichteren Erkennbarkeit stellen laut Polizei einen wirksamen Schutz dar.

Grundsätzlich gilt es für alle Verkehrsteilnehmer die entsprechenden Bestimmungen einzuhalten, dann wird das Unfallrisiko auf ein Minimum reduziert. „Da Radfahrer bei einem Unfall besonders verletzungsgefährdet sind, möchte ich nochmals auf die Wichtigkeit der Schutzausrüstung aufmerksam machen“, appelliert Heinreichsberger an alle Radler.

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