Schulbeginn mit gemischten Gefühlen. Mit genauester Ausarbeitung der Stundenpläne, Bildung von Krisenstäben im Fall von Ansteckungen, aber auch mit vorsichtigem Optimismus beginnt das Schuljahr.

Von Karin Katona. Erstellt am 02. September 2020 (16:13)
Abstand, Plexiglaswand und Hygiene: Sekretärin Manuela Denk und Direktor Andreas Schmid bereiten sich im BORG Scheibbs auf das kommende Schuljahr vor.
Karin Katona

Strenge Hygiene und Abstand halten sind die obersten Grundsätze für das neue Schuljahr – auch in den Höheren Schulen des Bezirks. Wobei zweiteres in einem Gebäude wie dem des BG/BRG Wieselburg, das für seine 740 Schüler schon knapp bemessen ist, eine besonders große Herausforderung darstellt.

Zumal es bisher in der Schule jedes Jahr mehrere Wanderklassen, sprich: Klassen ohne eigenen Klassenraum, gegeben hat. „Heuer werden wir durch die Verwendung der Sondersäle und anderer Unterrichtsräume sicherstellen, dass jede Klasse ihren Raum hat“, kündigt Direktorin Sigrid Fritsch an. Außerhalb der Klassen sollen die Schüler möglichst wenig aufeinandertreffen, was auch durch einen Stundenplan mit versetzten Beginnzeiten erreicht werden soll. Ein riesiger Aufwand bei einer so großen Schule, wie die Schulleiterin gesteht. „Die größte Herausforderung wird es sein, alles so zu gestalten, dass wir Infektionsketten gut zurückverfolgen können“, sagt die Direktorin.

 „Wir brauchen schnellere Tests. Ich kann nicht ganze Klassen in Quarantäne schicken, wenn ein Schüler Halsweh hat.“ Andreas Schmid, Direktor BORG Scheibbs

 Mehr Platz und dadurch auch mehr Platz zum Abstand halten ist im Francisco Josephinum in Wieselburg. Was nicht heißt, dass man sich dort nicht akribisch vorbereitet ins kommende Schuljahr begibt. „Von den technischen Details her sind wir von vornherein gut gerüstet“, erklärt Direktor Alois Rosenberger. Wie etwa in der schuleigenen Kantine: „Hier wird das Essen gegen einen Chip ausgegeben. So können wir hier sowohl den Höchststand steuern als auch zurückverfolgen.“

Räumliche Trennung hat nicht nur in der Schule, sondern auch im Internat Priorität. „In drei Gebäuden wohnen 490 Schüler“, erklärt Rosenberger. „Wir betrachten die Schüler in den einzelnen Stockwerken wie Hausgemeinschaften. Besuche von außen sollen vermieden werden.“ Beim Küchenpersonal und Lehrern, die der Risikogruppe angehören, werde es regelmäßige Covid-Tests geben, auch ein Krisenstab für Ernstfälle ist bereits gebildet worden.

Direktor Andreas Schmid vom BORG Scheibbs startet mit gemischten Gefühlen ins neue Schuljahr: „Wir werden uns selbstverständlich bemühen, die Vorgaben nach Möglichkeit einzuhalten. Aber zu jeder Zeit und überall Abstand halten und Kontakte vermeiden wird nicht praktikabel sein.“ Vor allem im Winter, wenn Atemwegsinfektionen generell häufiger auftreten, könne es kritisch werden: „Hier brauchen wir dringend schnellere Testverfahren. Denn ich kann nicht ganze Klassen auf Verdacht in Quarantäne schicken, nur, weil ein Schüler Halsweh hat“, sagt Schmid.

Maturanten wie Susanne Reiterlehner, Schülervertreterin im BG/BRG Wieselburg, konnten im vergangenen Jahr wichtigen Maturastoff nur online lernen. Ein Nachteil, vor allem für schwächere Schüler, gibt die Schülervertreterin zu bedenken: „Wir haben einen schwereren Start ins Maturajahr. In der siebten Klasse lernt man viel neuen Stoff, den man, wie etwa in Mathematik, im Distance Learning nicht so gut lernen kann wie in der Schule.“ Falls es zu einem neuerlichen Lockdown komme, wären die Maturanten des kommenden Jahres die Verlierer. Dem pflichtet die BORG-Elternvertreterin Christina Mayr, deren Tochter ebenfalls heuer die achte Klasse besuchen wird, bei: „Es wird sich jetzt herausstellen, ob im Distance Learning mancher Lernstoff aus der siebten Klasse nicht vielleicht zu kurz gekommen ist.“ Die Elternvertreterin wünscht sich für die Matura 2021 eine gute Lösung: „Es wäre fair, wenn wieder eine Kompromisslösung gefunden werden würde – wie immer diese auch aussieht.“