Sportvereine & Corona: „Bis heute nichts bekommen“. Während manche Vereine bisher glimpflich durch die Krise kommen, haben andere zu kämpfen.

Von Armin Grasberger. Erstellt am 24. Februar 2021 (05:22)

„Das wird uns viel kosten. Gesellschaftlich und finanziell.“ Hannes Teufl war jahrelang Nachwuchsleiter des SC Gresten-Reinsberg und leitet die Geschicke der Erlauftaler seit Ende 2019 als sportlicher Leiter.

In dieser Position hat er einen sehr guten Überblick über die Situation, in der sich sein Verein aktuell befindet. „Von einem Spielerschwund im Nachwuchsbereich habe ich noch nichts bemerkt“, erzählt er. „Ich denke, dass viele noch warten wollen, um zu sehen, wie es in naher Zukunft weitergehen wird.“

„Viele haben Fußball gegen Playstation getauscht“

Direkte Auswirkungen auf die SCG-Jugend gibt es also noch nicht. Zumindest nicht in quantitativer Hinsicht. Dass die suboptimale Situation sehrwohl ihre Spuren hinterlassen wird, davon ist Teufl überzeugt. „Viele haben den Fußball gegen die Playstation getauscht. Das ist ganz klar zu wenig und wird sich in Zukunft auswirken.“

Bisher ebenfalls glimpflich durch die schwierige Zeit gekommen ist die Leichtathletik-Sektion der Union Purgstall. Die Leistungssportler der Erlauftaler befinden sich „seit Mitte November voll im Training“, wie Obmann Walter Mittendorfer erzählt. Leistungs- und Spitzensportler sind von den Beschränkungen bekanntlich ausgenommen, müssen beim Training allerdings strikte Auflagen einhalten und sich regelmäßig testen lassen.

Im Gesundheits- und Nachwuchssport sieht es naturgemäß anders aus. „Da geht nichts“, erklärt Mittendorfer. „Die Leute brennen aber schon darauf, endlich wieder zusammenkommen zu dürfen. Das Gruppenerlebnis ist eben etwas anderes.“

Tristesse herrscht indes bei der Judo-Sektion des ATV Wieselburg. Obmann Thomas Auer wirkt im Gespräch mit der NÖN Erlauftal niedergeschlagen. „Wenn wir 40 Prozent unserer Mitglieder halten können, wäre das ein Erfolg.“ Judo ist als Kontaktsportart mit Indoortraining besonders hart von den Einschränkungen betroffen. „Nachdem wir nicht mehr in den Schulturnsaal durften, konnten wir noch eine Zeit lang in der Messehalle trainieren. Seit November ist aber auch das nicht mehr möglich.“

Gleichzeitig werden die Sponsorenzahlungen kontinuierlich weniger, auch in der Wirtschaft herrscht Unsicherheit. „Wir haben Kanister voll Desinfektionsmittel für 300 Euro gekauft“, erzählt Auer, „für die wir jetzt keine Verwendung haben. Dabei war das für unseren Verein keine kleine Ausgabe.“

Auer: „Uns fehlen anderthalb Jahrgänge“

Sportlich lief es bei den Braustädtern Prä-Corona sehr gut. Die Wieselburger Judo-Sektion zählte zu den erfolgreichsten in ganz Niederösterreich, das Interesse der Kinder und Jugendlichen war groß, die Nachwuchsarbeit funktionierte blendend. Davon ist heute nur noch wenig über.

Auer: „Weil so viele Kinder aufgehört haben, fehlen uns aktuell anderthalb Jahrgänge. Dazu wurden jene, die gerade auf dem Sprung in den Leistungskader gewesen wären, ausgebremst. Keine Ahnung, wie sie das aufholen sollen.“ Was den Funktionär ebenfalls ärgert, sind die ausbleibenden Hilfen. „NPO-Fonds schön und gut. Wir haben schon vor langer Zeit einen Antrag gestellt, aber bis heute nichts bekommen“, schildert Auer.

Der Wunsch der Funktionäre ist schnellstmöglich grünes Licht für den Breitensport. Logisch. Hannes Teufl stellt allerdings klar: „Wir werden erst wieder etwas machen, wenn es klare Richtlinien gibt, an die wir uns halten können. Alles andere ist rechtlich zu gefährlich.“

Umfrage beendet

  • Sollen Sportstätten trotz immer noch relativ hoher Corona-Zahlen geöffnet werden?