Teuerungswelle: „Das Brot muss für alle leistbar sein“

Erstellt am 23. März 2022 | 03:10
Lesezeit: 3 Min
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Jeden Samstag von 19 bis 20 Uhr werden bei der Team Österreich Tafel beim Roten Kreuz Scheibbs Lebensmittel an Personen mit geringerem Einkommen abgegeben.
Foto: Schalhaas/Rotes Kreuz
Sozialmärkte und die Tafel Scheibbs verzeichnen steigende Kundschaft.
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Nicht nur Strom und Heizöl, auch Brot und Gebäck sowie Obst und Gemüse sind in den vergangenen Monaten teurer geworden. Das spürt jeder im Geldbörserl, besonders aber jene, die finanziell schwächer gestellt sind.

„Generell bemerken wir seit September des Vorjahres einen laufenden Anstieg der Klienten in diesem Zeitraum um 28 Prozent“, alarmiert Caroline Schalhaas von der Team Österreich Tafel in Scheibbs. Betroffen sind alle Personengruppen, besonders aber die Mindestpensionisten und Alleinstehenden. 55 Tonnen an Lebensmittel gaben die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel Scheibbs im Vorjahr an ihre Klienten aus. „Ein Rückgang der Spenden ist zum Glück nicht zu verzeichnen, aber durch den Anstieg der Personen sank die Pro-Kopf-Abgabemenge“, sagt Schalhaas. Sie hegt die Befürchtung, dass sich die Situation durch Corona und den andauernden Ukraine-Krieg noch weiter verschärfen wird.

Neben ihrem Einsatz bei der Tafel engagiert sich Schalhaas auch noch beim Henry-Laden des Roten Kreuzes in Scheibbs. Die Second-Hand-Boutique stellt den Kunden gebrauchte, jedoch bestens erhaltene Bekleidung zu einem leicht erschwinglichen Preis zur Verfügung. „Das Geschäft läuft gut, über Warenspenden können wir uns nicht beklagen. Davon gibt es genug“, weiß Schalhaas. Das Jahr 2021 war ein ausgezeichnetes. „Jetzt sind natürlich die Teuerungen und der Krieg auch bei uns spürbar“, so die Verkäuferin weiter.

Neue Kundschaft kommt in diesen Tagen auch aus den Kriegsgebieten. Die Flüchtlinge, die in der Nähe untergekommen sind, werden im Henry-Laden natürlich großzügig unterstützt. Großzügig zeigt sich auch die spendenwillige und immer größer werdende Community der Unterstützer des Henry-Ladens. „Jeder, der Kleidung, Deko oder Haushaltsgegenstände kostenlos im Laden abgibt, der weiß, dass er mit seiner Spende die Bevölkerung unterstützt.“

Mehr Kunden durch stetige Preissteigerungen

Auf Warenspenden angewiesen ist auch der „Verwenden statt Verschwenden“-Laden im Haus der Begegnung in Wieselburg. Hier werden durch die Initiative von Sabine Rottenschlager und ihrem Team zwei mal pro Woche abgelaufene, aber noch brauchbare Lebensmittel, die von Partner-Supermärkten und Betrieben aus der Region abgeholt werden, um Cent-Preise weitergegeben. „Neuerdings kommen viele neue Kunden zu uns, vor allem sind es junge Familien“, sagt Rottenschlager.

Nachgefragt wird vor allem Brot und Gebäck sowie Obst und Gemüse und Milchprodukte. „Brot und Gebäck muss für alle leistbar sein, das ist ein Grundbedürfnis“, meint die Vereinsobfrau. Und so wandern schon mal der ein oder andere Laib Brot, aber auch Bettwäsche sowie Haushaltsartikel ohne Bezahlung über den Ladentisch. „In dieser Woche hatten wir erstmals auch eine Familie aus der Ukraine bei uns, die sich mit dem Notwendigsten eingedeckt hat.“

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