Versicherungsagent prellte Häuslbauer um Erspartes

Versicherungsagent soll Geld von Kunden abgezweigt haben.

Christian Eplinger
Christian Eplinger Erstellt am 26. August 2020 | 06:02
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„Hausbauen ist einfach. Ich wickle alles für Euch ab. Von der Wohnbauförderung über die Verhandlungen mit den Baufirmen und Banken bis zur Bezahlung der Rechnung. Wir richten einfach ein Baukonto ein, dahin überweist ihr Euer Erspartes und dorthin kommen auch die Förderungen. Mir gebt ihr die Vollmacht und ich regle alles für euch. So habt ihr keinen Stress und braucht euch um keinen Schreibkram bemühen.“

Auf diese (oder ähnliche) Art und Weise soll ein 58-jähriger Versicherungsagent aus dem Scheibbser Bezirk in den vergangenen vier Jahren zahlreiche Häuselbauer oder Familien, die ein Haus saniert haben, um einen erheblichen Teil ihres Geldes gebracht haben. Und das in Absprache mit einer Mostviertler Baufirma. Denn diese erhielt den Zuschlag für die Aufträge und soll dafür überhöhte Angebote und gefälschte Rechnungen abgegeben haben, um höhere Wohnbau- und Althaussanierungsförderungen zu lukrieren.

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Einmal Selbstanzeige, einmal U-Haft

Jetzt wurde es dem Baumeister aber scheinbar zu heiß. Er erstattete Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft St. Pölten. Für den Versicherungsagenten klickten in Folge die Handschellen. Der 58-Jährige sitzt aktuell in St. Pölten in Untersuchungshaft. Gegen ihn läuft von der Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf schweren Betrug. Der Beschuldigte zeigt sich allerdings nicht geständig, wie die Staatsanwaltschaft St. Pölten auf NÖN-Anfrage mitteilte. Einer vom Verteidiger des Versicherungsagenten gegen die Untersuchungshaft eingereichte Haftbeschwerde wurde vom Oberlandesgericht Wien nicht entsprochen.

„Das Betrugsverfahren steht in Zusammenhang mit Bauverfahren. Der Schaden, der derzeit in Raum steht, beläuft sich auf mehrere hunderttausend Euro. Allerdings sind die Ermittlungen diesbezüglich noch nicht abgeschlossen. Die Summe kann auch noch steigen“, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft. Ermittelt wird allerdings nur gegen den Beschuldigten selbst. Weitere Mitarbeiter der von dem 58-Jährigen 2016 eröffneten Versicherungsagentur sind nicht in das Verfahren verwickelt.

Unter Geschädigten auch Familienmitglieder

Dafür dürften sich unter den Geschädigten auch zahlreiche Familienmitglieder, Freunde und Bekannte des Versicherungsagenten befunden haben. „Er hatte keine Skrupel, seine eigenen Neffen und Nichten um hart erspartes Geld zu betrügen. Für uns in der Familie ist das einfach ein Horror“, schildert ein Familienmitglied im NÖN-Gespräch.