Vier-Tage-Woche: Ein „heikles“ Thema für beide Seiten

Erstellt am 19. Juli 2022 | 20:01
Lesezeit: 3 Min
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Bei Worthington gibt es in der Produktion im Bedarfsfall mit dem Vier-Schicht- beziehungsweise 3-Schicht-plus-Modellen de facto eine Vier-Tage-Woche für Mitarbeiter. Diese arbeiten bei voller Bezahlung 34,5 oder 36,5 Wochenstunden – allerdings auch am Wochenende oder in der Nacht. Sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmerseite sind damit durchaus happy.
Foto: Theo Kust/Worthington
In den heimischen Betrieben wird teilweise bereits eifrig über die Vier-Tage-Woche diskutiert. Mit unterschiedlichen Zugängen.
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Ein Rundruf bei den heimischen Leitbetrieben und deren Betriebsräten zeigt eines deutlich: Die Vier-Tage-Woche ist ein heikles Thema. Gerade angesichts der ohnehin aufgrund der Teuerungswelle bevorstehenden schwierigen und „heißen“ Herbstlohnrunden bei den Metallern. Man will im Vorfeld nicht zu weit hinauspreschen, wenngleich manche Unternehmen wie etwa Stahlflaschenerzeuger Worthington Europe in Kienberg dem Thema durchaus offen gegenüberstehen (siehe auch Im Gespräch rechts).

„Im Produktionsbereich haben wir teilweise durch attraktive Schichtmodelle schon die Vier-Tage-Woche.“

„Im Produktionsbereich haben wir teilweise durch attraktive Schichtmodelle schon die Vier-Tage-Woche. Im Angestelltenbereich sind wir mitten in der Diskussion und im Brainstorming, wie die Vier-Tage-Woche umsetzbar sein kann“, schildert Worthington-Betriebsratsvorsitzender und Angestelltenbetriebsrat Michael Scharner.

De facto gibt es bei Worthington bei den Angestellten aktuell eine Homeoffice- und Gleitzeitvereinbarung, die teilweise eine Vier-Tage-Woche schon in Absprache mit den Vorgesetzten ermöglicht. Gelebt werde dies allerdings so derzeit noch nicht, weiß Scharner.

Mitten in der Diskussion steht man auch bei Aufzug-Komponentenhersteller Wittur in Scheibbs. „Wir bereiten gerade eine Befragung unter den Angestellten vor, ob bei uns der Wunsch nach einer Vier-Tage-Woche gegeben ist. Je nach Ausgang dieser Befragung werden wir intensiv mit der Geschäftsleitung Gespräche führen. Eine Umsetzung wird aber sicher nicht von heute auf morgen gehen“, ist Wittur-Betriebsratsvorsitzender und Angestelltenbetriebsrat Matthias Sonnleitner überzeugt. Aber auch bei der Homeoffice-Betriebsvereinbarung habe man nach zweijährigen Gesprächen ein gutes Ergebnis zustande gebracht. Nicht ganz so einfach sei es sicherlich im Produktionsbereich, aber „da muss man über kreative Schichtmodelle nachdenken“, sagt Sonnleitner.

„Natürlich würden sich manche Mitarbeiter gerade im Angestelltenbereich eine Vier-Tage-Woche wünschen.
Das wird daher sicher auch Thema für die KV-Verhandlungen“
ZKW-Angestelltenbetriebsrat Christian Hörmann

Vorerst noch kein großes Thema ist die Vier-Tage-Woche beim größten Arbeitgeber der Region, dem Lichtsysteme-Spezialisten ZKW in Wieselburg. „Natürlich würden sich manche Mitarbeiter gerade im Angestelltenbereich eine Vier-Tage-Woche wünschen. Das wird daher sicher auch Thema für die KV-Verhandlungen“, ist ZKW-Angestelltenbetriebsrat Christian Hörmann überzeugt. Arbeiterbetriebsrat und ZKW-Betriebsratsvorsitzender Christian Fußthaler, weiß, dass man bezüglich Vier-Tage-Woche sicher auch über eine entsprechende Teilung der Kosten verhandeln wird müssen. Außerdem sei sie in der Produktion bei Standard-Schichtmodellen sicher nicht einfach umzusetzen.

Noch kein Thema ist die Vier-Tage-Woche aktuell in der Brauerei Wieselburg. Dort sei gerade im Angestelltenbereich aber das Thema Homeoffice vorherrschend, weiß Braumeister Christian Huber: „Besonders bei jüngeren Mitarbeitern oder Neueintritten gehört ein Tag Homeoffice bereits fix zum Arbeitsablauf dazu.“ Bei der Vier-Tage-Woche rechnet er allerdings wenn, dann mit einer Gesamtlösung für die Industrie und nicht nur für einzelne Branchen. „Allgemein könnte dies aber auch einen Produktivitätsverlust und damit einen Wettbewerbsnachteil mit sich bringen“, warnt Huber vor allzu großer Euphorie bei diesem Thema.

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