Wald als Erholungsraum: Wild bitte nicht stören. NÖ Jagdverband will mit Informationsfoldern für Rücksichtnahme auf Wildtiere sensibilisieren. Die NÖN sprach mit Bezirksjägermeister Ferdinand Schuster.

Von Karin Katona. Erstellt am 09. April 2021 (05:35)
Ferdinand Schuster übergibt den Folder „Genieße die Natur. Schütze die Wildtiere“ an Stefan, Luisa und Sabine Kalteis.
privat, privat

Sie sind laut, stören Tag und Nacht und hinterlassen jede Menge Müll – solche Gäste möchte man im eigenen Haus nicht haben. Wildtieren geht es ähnlich, sagt Bezirksjägermeister Ferdinand Schuster: „Wenn wir uns in der Natur bewegen, sind wir im Wohnzimmer von Hase, Reh, Hirsch und vielen anderen wild lebenden Tieren.“ Mit einem neuen Info-Folder bemüht sich der Niederösterreichische Jagdverband, dieses Bewusstsein zu schärfen. Die wichtigsten Grundregeln:

Auf Forststraßen und markierten Routen bleiben: Wild fühlt sich ungestört, wenn Menschen vorhersehbar agieren. „Wildtiere empfinden uns dort nicht als Bedrohung, wo sie uns erwarten, wie etwa in der Nähe von Wanderwegen und Skipisten“, sagt der Bezirksjägermeister. Verlassen Menschen diese Wege, dringen sie in ihren Lebensraum ein und die Tiere geraten in Panik. Rotwild flüchte oft kilometerweit, bis es sich wieder sicher fühlt. Das koste viel Energie, was besonders im Winter fatal sein könne. Im Sommer können Elterntiere von ihren Jungen vertrieben werden.

Hunde an die Leine nehmen: „Egal, wie gut ein Hund abgerichtet ist, kann er doch in seinen Jagdtrieb verfallen und Wildtiere aufstöbern, hetzen und sogar töten“, heißt es im Folder des Landesjagdverbands. Auch die Exkremente des Hundes dürfen weder in Wald, Acker noch Wiese liegenbleiben.

Untertags und nicht in der Nacht in der Natur aufhalten: Wildtiere brauchen, weiß Ferdinand Schuster, zum Überleben drei Dinge: Ruhe, Äsung und Deckung. „Durch Corona nützen mehr Menschen als je zuvor den Wald als Erholungsraum. Tun sie das ruhig und untertags, ist das auch in Ordnung“, sagt Schuster. Doch: „Immer wieder gehen Wanderer und Skitourengeher auch nachts durch den Wald. Viele Wildtiere sind dämmerungs- und nachtaktiv und werden dadurch verschreckt.“

Fütterungsbereiche nicht betreten: Werden Wildtiere ständig an Fütterungsplätzen gestört, nehmen sie diese nicht an. „Das Wild frisst dann junge Triebe und Ackerfrüchte und richtet Schäden in Land- und Forstwirtschaft an“, weiß Schuster.

Vorsicht mit Drohnen und Paragleitern: Drohnen und Paragleiter gleichen für das Wild einem Feind von oben und lösen den Fluchtinstinkt aus.

Müll mit nach Hause nehmen: Keinen Müll in der Natur zu entsorgen, sollte selbstverständlich sein. „Auch ‚natürlicher‘ Abfall wie Taschentücher und Bananenschalen braucht viele Jahre, um zu verrotten“, heißt es im Folder des Landesjagdverbands.