Wirtesterben: Der Ofen bleibt kalt. Derzeit gibt es im Bezirk Scheibbs 51 Gasthäuser, Tendenz fallend. Warum viele zusperren müssen hat die NÖN hinterfragt.

Von Karin Katona und Claudia Christ. Erstellt am 04. Juni 2019 (04:34)
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Hermann und Margit Prinz führen in Purgstall ein traditionelles, gut gehendes Gasthaus. Wie es mit dem Familienbetrieb weitergehen wird, wenn das Ehepaar in voraussichtlich fünf Jahren in Pension geht, ist derzeit offen. „Keines unserer Kinder will das Gasthaus übernehmen – was ich voll und ganz verstehe. Wir würden sie niemals dazu zwingen“, sagt Margit Prinz.

„Da wir keine Schließzeiten haben, steht mein Mann täglich von neun Uhr bis zur Sperrstunde im Betrieb. Man weiß in der Früh generell nicht, wie spät es bis Arbeitsende wird.“ An Wochenenden wird bei Familie Prinz nur mittags gekocht, doch bei den vielen Veranstaltungen am Wochenende ist auch bei seiner Frau in der Küche Hochbetrieb. „Ein Gasthaus“, weiß Hermann Prinz, „geht nur gut, wenn die Küche stimmt. Und das kann man nur selber machen. Gutes Personal, auch, wenn man es sich leisten könnte, ist in der Gastronomie extrem schwer zu finden.“

WK NÖ; Foto: Iakov Filimonov/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

„Die Gastronomie hat sich grundlegend verändert. Jeder Verein hat sein eigenes Vereinshaus, wo man sich triff. Das Wirtshaus als Treffpunkt verschwindet immer mehr aus dem Gesellschaftsleben “, betont Wirtesprecher Sepp Wondracek. Schuld daran sei auch die Politik, die mit Betriebsanlagengenehmigungen und Arbeitsrechtsregelungen den Wirten das Leben schwer mache. „Zudem subventionierte das Land NÖ in den vergangnen Jahren großzügig die Vereinshäuser. Jeder Verein hat mittlerweile sein eigenes Fest, und das bis zu 30.000 Euro steuerfrei“, kritisiert Wondracek.

Ein Paradebeispiel für das Wirtesterben ist Oberndorf an der Melk. In der 3.000-Einwohnergemeinde gibt es mittlerweile nur mehr ein Gasthaus, das täglich geöffnet hat. „Wer Engagement zeigt, mit regionaler Küche aufwarten kann und von Donnerstag bis Sonntag offen hält, hat dennoch Chancen“, sagt Wondracek, der selbst eine Eventagentur betreibt.

Den Beweis liefert der Wieselburger Brauhaus-Wirt Johannes Heindl. Der Quereinsteiger betreibt seit 2015 das Traditionswirtshaus mit eins-A Lage. „Im Nachhinein gesehen, war es gut, dass ich von der Gastronomie keine Ahnung hatte, denn sonst hätte ich mich vielleicht nicht dafür entschieden“, blickt Heindl auf einen steinigen Start zurück. „Wir sprechen mit unserem Restaurant und der Bar Jung und Alt an. Wichtig für den Erfolg ist das Zusammenspiel aller Faktoren. Neben einem kompetenten Personal und Standort müssen auch Ambiente und das Angebot stimmen.“

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