Wirtshaus und Theater sind wieder zu. Gastronomie, Eventbranche und Kulturbetriebe sind die großen Verlierer der Coronapandemie. Finanzielle Verluste und Zukunftsängste im Bezirk Scheibbs sind groß.

Von Claudia Christ. Erstellt am 03. November 2020 (15:11)
Matthias Distelberger
Alles muss raus! Am Montag gab es im Gasthaus in Hochrieß noch „Rest‘l-Essen“. Danach sperrte Wirt Matthias Distelberger die Türen seines Betriebes zu. 
Christ

Im Gasthaus der Familie Distelberger in Hochrieß ist am Montagnachmittag die Gaststube gut besucht. Der Wirt hat wenige Stunden vor dem Inkrafttreten des zweiten Lockdowns ein „Rest’l-Essen“ veranstaltet. „Es ist, wie es ist. Der November ist bei uns eh immer eine tote Zeit“, sagt er. Dennoch hat er Sorge. Denn der angrenzende Wildpark wird vom Umsatz des Gasthauses und der Zimmervermietung getragen. „Wir werden ein Lieferservice mit Enten- und Gans-Spezialitäten an den Wochenenden anbieten.“ Die versprochene 80-prozentige Umsatzerstattung hilft schon ein wenig. „Dennoch sind wir ein Saisonbetrieb. Ob wir da Geld bekommen, kann ich noch nicht sagen.“

Von einem neuerlichen „Berufsverbot für eine ganze Branche“ spricht Bezirks-Wirtevertreter Sepp Wondraczek aus Oberndorf: „Es heißt, wir sitzen alle im selben Boot. Aber das Boot der Gastronomie hat ein größeres Leck als alle anderen, und viele werden versinken.“ Etwas besser für den, der einstweilen noch von Reserven zehren könne, doch: „Besonders im Gastgewerbe müssen wir laufend investieren, haben hohe Fixkosten, verderbliche Ware, die auf Lager liegt und nicht verkauft werden kann.“ Kreditraten seien bis auf Weiteres zwar zurückgestellt. „Aber irgendwann kommt dann alles auf einmal“, befürchtet der Gastwirt.

Was den Wirten auch psychisch zu schaffen mache, sei die Ungewissheit, wie es mit ihrem Geschäft weitergehen könne: „Über uns allen hängt das Damoklesschwert. Es ist völlig ungewiss, wie es weitergeht. Und man stellt sich die Sinnfrage. Besonders für die Klein- und Mittelbetriebe, die sowieso kämpfen müssen, ist es hart.“ Der Wirtesprecher wehrt sich dagegen, die Gastronomie an den Pranger zu stellen. „Bis auf wenige schwarze Schafe haben sich die Wirte an alle Coronavorgaben gehalten“, sagt Wondraczek. Er hofft auf einen höchstmöglichen Ausgleich durch die Regierung: „Schön wäre es, wenn es noch etwas mehr würde, als im März versprochen.“

 „Es heißt, wir sitzen alle im selben Boot. Aber das Boot der Wirte hat das größte Leck und wir sinken.“ Sepp Wondrazcek, Wirtesprecher Bezirk Scheibbs

 Neben der Gastronomie steht auch der Kulturbereich seit Dienstag still. Für Christina Meister-Sedlinger, Schauspielerin und Regisseurin aus Oberndorf, sind die Maßnahmen gerechtfertigt. „Ich habe Verständnis dafür. Was soll die Regierung sonst machen? Leider kommen halt viele zum Handkuss, die die Maßnahmen vorbildlich umgesetzt haben“, sagt sie. Meister-Sedlinger selbst hat dadurch etliche Produktionen – etwa das Stück „Der Vorname“ vom Stadt.Theater.Wieselburg – verloren. „Ich kann leichter damit umgehen, weil ich auch beim ORF arbeite. Aber bei vielen meiner Kollegen ist das nicht so“, weiß sie.

Die Grundstimmung sei natürlich deprimierend. „Das reicht von verständnisvoll deprimiert und bis zu denen, die sagen: Das kann doch nicht wahr sein. Ich habe selten ein Thema erlebt, bei dem die Meinungen so extrem aufeinanderprallen.“ Die Künstlerin musste selbst auf ein besonderes Projekt verzichten: den Theatersommer im Schloss Wolfpassing. „Wir bereiten uns voller Freude darauf vor, auf nächstes Jahr im Sommer, mit einem entsprechenden Corona-Konzept“, will sie auf alle Eventualitäten vorbereitet sein.

Kämpferisch zeigt sich auch nach wie vor das Kulturdorf Reinsberg, das auch während der vergangenen Monate mehrere Veranstaltungen – natürlich unter Einhaltung der Covid-19-Maßnahmen – über die Bühne gebracht hat. „Ich bin der Letzte, der alles absagt. Wenn es irgendwie möglich ist, wollen wir unseren Adventmarkt im Dezember schon machen“, betont VP-Bürgermeister Franz Faschingleitner.

Definitiv abgesagt sind aber der Filmabend mit „The Boys“ am kommenden Samstag und das Konzert von „Spörk und Landstreich“ am 28. November, das nun schon zum zweiten Mal verschoben werden muss. „Sobald wir wieder können und dürfen, werden wir etwas machen. Da muss es eine Lösung geben. Und da nehme ich auch alle Bürgermeister in die Pflicht. Wenn wir alles absagen und keine Horizonte haben, dann versetzen wir uns selbst in den Lockdown“, meint Faschingleitner. Konkreteres, wie es mit dem Kulturprogramm in den nächsten Monaten aussieht, wird aber erst besprochen.

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