Apotheker-Gipfel: „So geht man mit uns nicht um“. Nach neuerlichem Vorstoß für Liberalisierung des Wettbewerbes zeigen sich heimische Apotheker sehr verärgert.

Von Denise Schweiger und Christian Eplinger. Erstellt am 25. September 2019 (04:23)
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Beim Apothekergipfel in Ybbs. Kommt die Freigabe der Hausapotheke in Einarztgemeinden, sind viele öffentlichen Apotheken und Jobs von Mitarbeitern gefährdet, befürchtet man bei den Apothekern, von links: Volker Binder (Persenbeug), Florian Luks (Ybbs), Doris Parich (Pöchlarn), Regine Tröscher (Leonhofen), Michael Vrann (Pöchlarn), Scheyda Neubauer (Scheibbs), Werner Luks (Ybbs), Karin Trinkl (Wieselburg), Kathrin Stich (Loosdorf und Ingrid Wagner (Steinakirchen).
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Seit einigen Wochen dominiert die Diskussion über die Freigabe von Hausapotheken für Allgemeinmediziner wieder die Gesundheitsdebatte. Ärztekammer und auch viele politische Vertreter hoffen, dadurch dem Landärztemangel entgegenzuwirken. Der jüngste Vorstoß von Österreichs oberstem Wettbewerbshüter Theo Thanner, der die Liberalisierung des österreichischen Apothekenmarkts fordert, stößt nicht nur beim Präsidenten des Apotheker-Verbandes, Jürgen Rehak, auf Gegenwind, sondern auch bei den heimischen Apothekern, wie diese bei einem Apotheker-Gipfel mit der NÖN in Ybbs deutlich zum Ausdruck brachten.

„Profitmaximierung im Gesundheitswesen führt zu einer Verschlechterung der Versorgung. Wir dürfen nicht die Apotheken opfern, damit die Ärzte mehr verdienen“, sagt Rehak. Ähnlich klingen die Worte des Ybbser Apothekers und ehemaligen Kammerpräsidenten Werner Luks: „Wenn der Arzt nicht mehr von Diagnose und Therapie leben kann, dann gehört am System generell etwas geändert, aber nicht auf Kosten eines anderen Berufsstandes.“

Aktuell gibt es in ganz Europa 1.700 Ärzte mit Hausapotheke, 890 davon in Österreich und wiederum über 200 in Niederösterreich. „Die Hausapotheken haben in sehr entlegenen Gebieten eine Notversorgungsberechtigung. Aber man kann eine Hausapotheke nie mit dem Angebot einer öffentlichen Apotheke vergleichen“, betont Karin Trinkl von der Meridian-Apotheke in Wieselburg.

„Suchen Miteinander, wollen keinen Krieg“

Die Apotheker suchen das gute Miteinander mit der Ärzteschaft. „In den meisten Fällen klappt das auch. Aber leider gibt es immer wieder einige, die die seit 750 Jahren aufrechte Grundregel – Wer verschreibt, soll nicht an dieser Verschreibung verdienen – in Frage stellen“, sagt Apotheker Michael Vrann aus Pöchlarn.

Dass die öffentlichen Apotheken durch ihre ausgedehnten Öffnungszeiten sowie die Wochenende- und Nachtdienstbereitsschaft wichtige Partner im Gesundheitssystem sind, betont auch Scheyda Neubauer von der Apotheke zum Hl. Leopold in Scheibbs: „Wir sind oft erste Anlaufstelle. Gerade nach Spitalsentlassungen oder bei kleineren Problemen. Die Leute kommen zu uns und werden von einem Akademiker kostenlos beraten. Der niederschwellige Zugang zum Gesundheitssystem über die Apotheke ist ganz wichtig“, ist Neubauer überzeugt.

„Wenn Ärzte den Job der Apotheker einfordern, dann werden wir den Spieß umdrehen.“Kathrin Stich, Apotheke Loosdorf

Krieg mit der Ärzteschaft wollen die Apotheker keinen, aber wenn weiter an der Existenz der öffentlichen Apotheken gesägt werde, dann sei man gerüstet, hält Kathrin Stich von der Apotheke in Loosdorf fest: „Wenn Ärzte Aufgaben der Apotheker übernehmen wollen, dann muss es umgekehrt genauso gelten und wir diskutieren über Impfen, das Ausstellen von Folge rezepten, diversen Analysen oder kleinen Diagnosen. Das wäre systemschonend und würde die Ärzte, die ohnehin über mangelnde Zeit für ihre Patienten jammern, entlasten“, sagt Stich.

Eines steht für die Apotheker fest: Falls die Freigabe der Hausapotheken kommt, wird es im Gesundheitssystem „rascheln“. „Nicht nur, dass die Jobs vieler Mitarbeiter – und da vor allem vieler Frauen – gefährdet wären. Da geht es dann auch um Öffnungszeiten, Nacht- und Wochenenddienste. Denn ein Wochenenddienst, bei dem ich einen Akademiker zahlen muss, ist ein Verlustgeschäft, das wir derzeit bereit sind, einzugehen. Kommt die Liberalisierung, dann wird sich die Politik überlegen müssen, wer künftig für die Wochenend- und Nachtversorgung sorgt. Wir sicher nicht mehr“, betont Florian Luks.