Hans Hell: „Liebe den Bezirk“. Nach über 33 Jahren als Kammersekretär hatte Hans Hell am Freitag seinen letzten Arbeitstag in Scheibbs.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 07. Dezember 2018 (05:06)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
erl49sb-hellhans Hans Hell Johann Hell
Hans Hell
NÖN

NÖN: Sie sind seit 36 Jahren bei der Bauernkammer beschäftigt, haben am 1. Dezember 1982 in Melk begonnen und kamen schon nach einem halben Jahr nach Scheibbs. Seit 1. März 1985 sind Sie Kammersekretär in Scheibbs. Heute, Freitag, ist Ihr letzter Arbeitstag. Mit welchen Gefühlen betraten Sie Ihr Büro?

Johann Hell: Schon mit sehr gemischten Gefühlen muss ich zugeben. Denn es waren für mich 36 sehr bewegende, aber vor allem sehr schöne Jahr. Ich hatte immer ein sehr gutes Team um mich und mit meinen fünf Obleuten ein großes Vertrauensverhältnis, das auf gegenseitigen Respekt und Wertschätzung beruhte. Das begann für mich schon in meinen ersten Tagen in Melk. Da traf ich den damaligen Obmann der Bezirksbauernkammer Scheibbs, Leopold Eningl aus Wolfpassing. Er hat mir sofort das Du-Wort angeboten und wesentlichen Anteil daran gehabt, dass ich nach Scheibbs gekommen bin.

Wenn Sie sich zurückerinnern – kann man Ihre heutige Tätigkeit noch mit der vor 33 Jahren, als Sie Kammersekretär geworden sind, vergleichen?

Hell: Zu einem gewissen Teil ja. Denn die Kernaufgaben der Kammer sind die gleichen geblieben: Beratung, Förderabwicklung, Interessensvertretung und Weiterbildung. Allerdings die Rahmenbedingungen haben sich enorm geändert. Vor allem der EU-Beitritt 1995 hat für uns eine völlige Neuausrichtung bedeutet. Als ich 1985 begann, war ich als Kammersekretär für alle Belange zuständig, hatte eine Sekretärin und je einen halben Forstberater und Statistiker, denn die beiden mussten wir uns mit Gaming teilen. Jetzt sind wir zehn Leute in Scheibbs, mit vielen Spezialisierungen und einer relativ genauen Aufgabentrennung. Anders wäre es heute gar nicht mehr bewältigbar.

Sie waren 2002 auch eine der wesentlichen Drehscheiben bei der Zusammenlegung der Kammern Scheibbs und Gaming. Dieser Schritt hat damals doch für einige Diskussionen gesorgt.

Hell: Ja, allerdings hielten sich diese bei uns in Grenzen. Der Schritt war sowohl auf Mitarbeiter- als auch Funktionärsebene gut vorbereitet, sodass danach eine reibungslose Fortsetzung unserer Arbeit gewährleistet war.

Hat Sie eigentlich nie der Ruf von St. Pölten gereizt, ein Treppchen auf der Karriereleiter weiter nach oben zu steigen?

Hell: Es gab einige Rufe, aber ich bin ihnen nie gefolgt. Ich brauche den direkten Umgang mit Menschen und ich liebe die Mentalität der Leute im Scheibbser Bezirk, fühle mich hier wohl. Die Arbeit hat mir Spaß gemacht und mich gefordert. Warum hätte ich wechseln sollen?

Jetzt zu Ihrem Abschied gibt es wieder eine Strukturreform. Aus den 20 Bezirksbauernkammern werden zehn Organisationseinheiten, wobei die Standorte erhalten bleiben. Scheibbs kommt mit Melk zusammen und Martin Auer, ihr Melker Pendant, wird neuer „Chef“ über diese Einheit.

Hell: Wir sind Vorreiter in Niederösterreich, werden diese neue Struktur mit meiner Pensionierung als erste umgesetzt haben und das sogar als größte Einheit im Land. Dadurch ergeben sich natürlich in der Aufgabenverteilung einige Änderungen. Aber ich bin froh, sagen zu können, dass wir auch hier eine geordnete Hofübergabe geschaffen haben – so wie in vielen Fällen, die ich in den 36 Jahren betreuen durfte. Die Weichen für die Zukunft sind gut gestellt.

Sie selbst gelten als ruhiger, ausgleichender Faktor, aber auch als „Arbeitstier“. Haben Sie Angst vor einem Pensionsschock?

Hell: Nein, ich finde mir schon genug Tätigkeiten in der Pension. So mache ich derzeit gerade einen Lehrgang für Heimat- und Regionalforschung, freue mich, mehr Zeit für die Gartenarbeit zu haben und länger verreisen zu können. Außerdem habe ich damit auch wieder mehr Zeit, öfters auf die Fußballplätze gehen zu können.