Alkolenker auf Fahrerflucht: „Sie haben sich versteckt“. Alkoholisierter Autofahrer beging nach Unfall bei Scheibbs Fahrerflucht und wollte sich in Neustift abholen lassen: „Erst als die Polizei kam, habe ich nachgedacht.“

Von Karin Katona. Erstellt am 22. April 2021 (04:18)
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Er scheint in einer bestimmten Nacht im Februar wenig nachgedacht zu haben – das zieht sich durch die ganze Geschichte des Angeklagten vor dem Bezirksgericht Scheibbs am vergangenen Mittwoch.

Zuerst hatte er nicht bedacht, dass er nach der Arbeit mit dem Auto nach Lunz heimfahren würde müssen – und hatte sich gemeinsam mit Kollegen noch „ein paar Bier gegönnt“. Genau gezählt habe er diese nicht: „Aber drei oder vier werden es schon gewesen sein.“

Bei der späteren Kontrolle durch die Polizei werden es 1,16 Promille sein. Dann machte er sich im angetrunkenen Zustand mit dem Auto auf den Heimweg: „Ich habe gedacht, es wird schon irgendwie gehen.“ Durch einen Fahrfehler kam der Angeklagte bei Scheibbs jedoch kurz auf die falsche Straßenseite.

„Es war ja nur ein Streifen. Ich habe gedacht, es kann nicht viel passiert sein.“ Der Angeklagte zum Richter

Pech für eine Purgstaller Autofahrerin, die unschuldig Opfer einer Kollision mit seinem Auto wurde. Worauf der alkoholisierte Lunzer – ohne nachzudenken, wie er sagt – weiterfuhr. „Es war ja nur ein Streifen. Ich habe gedacht, es kann nicht so viel passiert sein“, rechtfertigt sich der Angeklagte.

„Wie erklären Sie sich, dass Sie selber eine Verletzung davongetragen haben?“, will Bezirksrichter Oliver Baumschlager wissen. „Das ist wohl eine alte Verletzung, die durch den Spiegel wieder aufgerissen wurde“, mutmaßt der Unfalllenker.

„Ihnen ist also der Seitenspiegel durch‘s Fenster hereingekommen, und Sie haben gedacht, dass dem entgegenkommenden Fahrer nichts passiert ist?“, hakt der Richter nach. Nach der Kollision habe er in Neustift angehalten, seine Schwester angerufen, sie solle ihn abholen, schildert der Angeklagte. „In anderen Worten, Sie haben sich versteckt“, formuliert es der Richter.

„Ich wollte die Polizei anrufen. Aber da war sie schon da“, schildert der Angeklagte. „Seltsam, dass Ihre Schwester aus Lunz vor der Polizei da war und die Polizei gekommen ist, ohne dass Sie angerufen haben. Sie haben also sehr lang darüber nachgedacht“, wundert sich der Richter. Geständig ist er in beiden Delikten, Fahren im alkoholisierten Zustand und Im-Stich-Lassen eines Verletzten. Unter Berücksichtigung der Unbescholtenheit des Angeklagten, aber zweier einschlägiger Verwaltungsstrafen für Alkohol am Steuer, fasst er eine Geldstrafe von 2.660 Euro aus.