Angeklagter: "Wussten nichts von Waffenverbot". Der Bezirksrichter hatte Nachsicht in zwei Fällen: kein Vollzug, sondern nur Fristverlängerung von bedingten Strafen.

Von Karin Katona. Erstellt am 09. September 2018 (05:00)
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Gericht Prozess Urteil Symbolbild
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Zwei grundverschiedene Fälle, die dennoch eines gemeinsam hatten, standen in der Vorwoche vor dem Bezirksgericht Scheibbs: In beiden Fällen waren für den Angeklagten bedingte Haftstrafen anhängig.

Ein Betretungsverbot inklusive Waffenverbot und bedingter dreimonatiger Haftstrafe war 2013 über einen Gaminger verhängt worden, der nun innerhalb der fünfjährigen Probezeit im Besitz einer Schreckschusspistole sowie einer Luftdruckpistole erwischt worden war. Dass beide unter das Waffenverbot fallen, sei ihm nicht bewusst gewesen, beteuerte der Angeklagte: „Und außerdem habe ich von dem Waffenverbot gar nichts gewusst.“

Womit er Bezirksrichter Oliver Baumschlager nicht überzeugte: „Das Waffenverbot war Teil des damaligen Urteils und musste ihnen daher bekannt sein. Sie sind das Risiko eingegangen, ihre 2013 verhängte, dreimonatige Haftstrafe absitzen zu müssen.“ Dann werde er alles verlieren, plädierte der Angeklagte unter Tränen: „Ja, ich bin schuldig, aber ich bin doch kein Verbrecher.“ Der Bezirksrichter verzichtete auf einen Widerruf der bedingten Strafnachsicht und verhängte eine Geldstrafe von 400 Euro.

Zeitungslieferant nahm Zigaretten und Mehl mit

Einer ähnlichen Aussicht – dem Widerruf der bedingten Strafnachsicht über eine viermonatige Haftstrafe – musste auch ein 59-jähriger Zeitungslieferant ins Auge sehen, der wegen eines Eigentumsdelikts vor dem Bezirksrichter stand. Aus einer Box vor dem Laden „Unser G‘schäft in Reinsberg“ hatte er mehrmals neben Zeitungen auch Schachteln mit Zigaretten und Mehl „abgeholt“:

„Ich bin erst zuhause draufgekommen und haben blöderweise die Sachen behalten.“ Ebenfalls behalten hatte der Angeklagte eine in der Zustellbasis „gefundene“ Box mit Panini-Pickerln im Wert von 900 Euro. Wieder hatte der Richter ein Einsehen: Der Angeklagte geht nicht ins Gefängnis, sondern zahlt den von ihm verursachten Schaden von 2.200 Euro an das „G‘schäft“ zurück.