Schuster im Gespräch: „Jagd ist eine konstante Größe“. Im Vorfeld der ersten Hegeschau in Purgstall traf die NÖN den Scheibbser Bezirksjägermeister Ferdinand Schuster zum Gespräch über das Jagdwesen im Bezirk.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 12. Februar 2020 (05:48)
Stehen seit November 2019 gemeinsam an der Spitze des Jagdwesens im Bezirk Scheibbs: Bezirksjägermeister Ferdinand Schuster (rechts) und sein Stellvertreter Martin Mayrhofer.
Karin Katona

Seit 2007 steht der Scheibbser Tierarzt Ferdinand Schuster an der Spitze der Jägerschaft des Bezirks. Im Herbst des Vorjahres wurde er zum dritten Mal zum Bezirksjägermeister gewählt.

Anders als in den vergangenen zwölf Jahren steht ihm jetzt nicht mehr Georg Mandl aus Göstling, sondern der Puchenstubner Hegeringleiter Martin Mayrhofer, wohnhaft in Scheibbs, zur Seite. Im NÖN-Gespräch zieht Schuster Bilanz über das Jagdjahr 2019 und gibt Ausblick auf die neuen Herausforderungen.

NÖN: Mit Jänner 2020 hat eine neue neunjährige Jagdperiode begonnen. Aktuell gibt es im Scheibbser Bezirk rund 1.200 aktive Jäger, die für die Pflege und Hege der 162 Jagden – davon 65 Genossenschafts- und 97 Eigenjagdreviere – verantwortlich sind. Sind das Interesse an und die Bedeutung der Jagd im Scheibbser Bezirk unverändert?

Ferdinand Schuster: Ja, diese Zahlen sind bei uns relativ konstant. Auch haben sich bei den 162 Jagden nur wenig Pächterverhältnisse verändert. Was allerdings steigt, ist der Frauenanteil in der Jägerschaft.

Der Bezirk Scheibbs war ja mit Rosemarie Wurm als Hegeringleiterin in Gaming schon vor sechs Jahren ein Vorreiter?

 Im Vorjahr sind mit Elisabeth Wagner in Randegg und Andrea Veit in St. Anton zwei Hegeringleiter-Stellvertreterinnen hinzugekommen. Darum beneiden uns viele Bezirke.

„Der Übergang zu Martin Mayrhofer war nahtlos

Die Neuwahlen im Vorjahr brachten ja auch auf Bezirksebene ein neues Führungsduo. Sind Sie und Martin Mayrhofer schon ein eingespieltes Team?

Natürlich ist noch ein Unterschied. Mit Georg Mandl habe ich zwölf Jahre eng zusammengearbeitet. Und ich bin froh, dass er noch als Koordinator der Rot- und Gamswildhegegemeinschaft Eisenwurzen und Obmann des Bezirksjagdbeirates zur Verfügung steht. Aber der Übergang zu Martin Mayrhofer war nahtlos. Er ist ein erfahrener Jäger und Hegeringleiter. Wir werden sicher ein gutes Team bilden.

Bleiben wir gleich beim Rotwild. In den letzten Jahren war das Ziel im Bezirk, die Stückzahl des Rotwilds und damit auch die Schäden zu verringern. Ist dieses Unterfangen gelungen?

Ja, soweit man es aufgrund der Abschusszahlen sagen kann. Im Vorjahr lagen diese beim Rotwild bei 650 Stück. Das sind um 70 weniger als 2018 und und 190 weniger als 2015, wo wir die höchste Abschusszahl im Bezirk verzeichneten.

Wie schaut es beim Reh- und Gamswild aus?

Da sind die Abschusszahlen im Bezirk relativ konstant. Beim Rehwild lagen diese 2019 bei 6.244 Stück (2018: 6.300), beim Gamswild bei 303 Stück (2018: 288), wobei hier auch das Fallwild inkludiert ist. Wir haben gerade beim Gamswild befürchtet, dass es durch den schneereichen Winter 2019 zu mehr Fallwild kommen würde, dem war aber zum Glück nicht so.

Im Bezirk Lilienfeld macht das Schwarzwild der Jägerschaft schwer zu schaffen. Wie schaut es hier im Scheibbser Bezirk aus. Traditionell sind die Schwarzwild-Abschusszahlen bei uns relativ niedrig. Die Tendenz war aber zuletzt steigend?

Sie sind im Vergleich immer noch niedrig, doch mit 56 haben wir im Vorjahr doppelt so viel Stück Schwarzwild geschossen als 2018. Die 56 bedeuten für den Bezirk einen absoluten Höchststand. Die Schwarzwildproblematik ist vor allem in den Grenzhegeringen zu Lilienfeld wie Puchenstuben, St. Anton und Gaming nicht zu unterschätzen. Wir haben hier Schäden vor allem in der Landwirtschaft. Wiesen und Weiden werden durch das Schwarzwild umgegraben, wie wenn sie Äcker wären. Das ist eine Herausforderung für die Jägerschaft.

Der NÖ Jagdverband hat 2019 unter das Leitmotto Niederwild gestellt. Wie schaut es damit im Bezirk Scheibbs aus? Gibt es bei uns noch Hasen?

Ja durchaus. Die Abschusszahlen sind mit rund 1.000 Stück konstant. Die Problematik ist bei uns noch nicht so arg wie etwa im Weinviertel.

Bleiben wir beim Jagdverband, der feierte 2019 sein 70-jähriges Jubiläum, hat ein neues Logo und den neuen Leitspruch „Dem Wild verpflichtet“ präsentiert und macht für das heurige Jahr die Schulprojekte zum Schwerpunktthema. Ein Bereich, wo der Bezirk seit vielen Jahren Vorreiter ist?

Ja, es freut uns sehr, dass jetzt auch der Jagdverband darauf verstärkt aufspringt. Unsere Hegeringe versuchen seit rund zwölf Jahren, jährlich mindestens ein Projekt mit einer Volksschulklasse oder einer ganzen Schule durchzubringen – das beginnt beim Lehrausflug in den Wald mit Wildtierkunde und geht bis hin zum Erlebnistag oder der Mitwirkung beim Schulfest. Jetzt gibt es von Landesseite noch mehr Unterstützung. Das kann insgesamt nur gut sein, weil wir dadurch noch bessere Materialen bekommen.