„Wir achten auf die Spielregeln“

Erstellt am 19. Oktober 2018 | 14:11
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Ein Teil des Führungsteams der Bezirkshauptmannschaft Scheibbs mit Bezirkshauptmann Johann Seper an der Spitze, von links: Amtsärztin Barbara Eppensteiner (Fachgebiet Gesundheit), Fachgebietsleiter Thomas Dallhammer (Anlagen), Fachgebietsleiterin Christa Woller (Soziales), Florian Bachinger (Ausbildungsjurist), Petra Enengel (Strafen), Amtstierarzt Martin Deinhofer (Bereichsleiter Land- und Forstwirtschaft), Bezirkshauptmann Johann Seper, Bürodirektor Reinhard Riegler (Stabsstelle, Sachbearbeiter für Wahlen, Kindergärten), Monika Kladnik (Bereichsleiterin Sicherheit und Ordnung), Fachgebietsleiter Gernot Kuran (Forst) und Bürgerbüroleiterin Luise Krenn. Mehr zu 150 Jahre Bezirkshauptmannschaften in NÖ auch im beiliegenden Landesteil (Seiten2/3).
Foto: Christian Eplinger
150 Jahre Bezirkshauptmannschaften: Trotz immer stärker werdenden Servicegedankens bleibt man auch Behörde.
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Altehrwürdig thront es mitten in der Stadt Scheibbs – das aus dem 14. Jahrhundert stammende Scheibbser Schloss. Seit fast zwei Jahrhunderten wir es als Gerichts- und Verwaltungsgebäude genutzt.

Seit 31. August 1868, dem „Geburtstag“ der Bezirkshauptmannschaften in Niederösterreich, ist das Schloss der Sitz der Bezirkshauptmannschaft Scheibbs – daran hat sich seit 150 Jahren nichts geändert und soll sich auch so schnell nichts ändern. „Wir gehören in Niederösterreich zu der Kategorie der mittleren Bezirkshauptmannschaften zwischen 40.000 und 80.000 Einwohnern und haben sehr gute Kennzahlen, wenn man das Personal mit den abgearbeiteten Akten gegenüberstellt“, erläutert Bezirkshauptmann Johann Seper im NÖN-Gespräch.

Seper ist der 19. Bezirkshauptmann in Scheibbs. Während allerdings während der erste Bezirkshauptmann Franz Kichler bei amtlichen Angelegenheiten eine Uniform aus grünem Tuch, weiße Wäsche, weiße Handschuhen und einen Säbel tragen musste – Letzteren durfte er beim Bürodienst ablegen –, ist die Dienstkleidung von Johann Seper großteils der Anzug. „Das ist nicht das Einzige, das sich in den 150 Jahren verändert hat“, lächelt Seper, „obwohl es im Wirkungsbereich immer noch Ähnlichkeiten gibt.“

„Haben oft komplexe, höchst emotionale und auch belastende Fälle, die es professionell und mit Fingerspitzengefühl zu lösen gilt.“Bezirkshauptmann Johann Seper

Bereits 1868 war der Aufgabenbereich der Bezirkshauptmannschaften sehr vielfältig: Überwachung der Armenpflege, Melde- und Passwesen, Durchführung von Wahlen, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit, Feld- und Vogelschutz, Militärangelegenheiten und die Handhabung der Gesetze über Gewerbe, Handel und Industrie fielen bereits vor 150 Jahren in den Wirkungsbereich der Bezirkshauptmannschaften. Heute sind diese nach wie vor etwa für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit, das Passwesen sowie die Durchführung von Wahlen und das Gewerberecht zuständig.

„Natürlich nimmt der Servicegedanke immer mehr zu. Wir sind längst zu einer modernen und dienstleistungsorientierten Verwaltungseinheit mit einem sehr vielfältigen Leistungsangebot geworden, wovon sich die Bürger auch am Tag der offenen Tür überzeugen können. Ich sehe uns als eine wichtige Säule des gesellschaftlichen Zusammenlebens, die sich über eine lange Zeit bewährt hat. Wir achten auf die Spielregeln und müssen manchmal ordnend eingreifen, um ein funktionierendes Miteinander zu ermöglichen“, sagt Seper und hebt in diesem Zusammenhang besonders sein Mitarbeiterteam hervor. „Wir haben neben dem sehr gut funktionierenden Bürgerbüro in den verschiedensten Abteilungen oft sehr komplexe, höchst emotionale aber auch belastende Fälle professionell und mit Fingerspitzengefühl zu meistern – man denke nur an das Umwelt-, Gewebe- sowie Strafrecht, die Kinder- und Jugendhilfe oder den Katastrophenschutz. Wir versuchen, im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten die beste Lösung zu erzielen und agieren sehr oft auch als Vermittler.“

Seit 2005 gibt es in der Bezirkshauptmannschaft Scheibbs den elektronischen Akt, die Basis für die moderne und effiziente Verwaltung der Zukunft. „Dieser hat die Arbeitsprozesse enorm verändert und vor allem beschleunigt. Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten und bringt einen Mehrwert sowohl für Bürger als auch Bedienstete. Aktuell haben wir auch 14 Telearbeitsplätze für Landesbedienstete, die in unseren Regionen wohnen aber in St. Pölten arbeiten, eingerichtet. Für sie ist es eine enorme Verbesserung der Lebensqualität, da sie jetzt nicht mehr täglich nach St. Pölten pendeln müssen“, betont Seper.

Ein großes Plus der Verwaltung in Niederösterreich sei die Vernetzung der Bezirkshauptmannschaften untereinander. „Jeder Bezirkshauptmann hat neben der Führung der eigenen Dienststelle zusätzlich einen Fachbereich, in dem er als Experte für alle NÖ Bezirkshauptleute agiert, was zu einem einheitlichen Gesetzesvollzug beiträgt“, weiß Seper, der selbst für den Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe zuständig ist.

Tag der offenen Tür am Freitag, 9 bis 15 Uhr

Von der breiten Bandpalette der Aufgaben der Bezirkshauptmannschaft kann man sich am kommenden Freitag, 19. Oktober, von 9 bis 15 Uhr vor Ort überzeugen. Da laden alle 20 Bezirkshauptmannschaften zum Tag der offenen Tür. In Scheibbs mit dabei sind auch die Einsatzorganisationen wie Polizei, Rotes Kreuz, Feuerwehr, Bergrettung, Bundesheer, Zivilschutzverband und NÖ Straßendienst. „Es wird eine Leistungsschau von uns und den Einsatzorganisationen als unseren Partnern“, hofft Seper auf viele Besucher. Denn trotz aller Digitalisierung: „Der Mensch selbst und die Bürgerkontakte müssen weiterhin im Zentrum stehen“, sagt Seper.

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