Schnelles Internet für alle: Stand im Bezirk Scheibbs. Gemeinden gehen mit unterschiedlichen Strategien an den Breitbandausbau heran. Ein Überblick.

Von Claudia Christ und Christian Eplinger. Erstellt am 19. August 2020 (05:22)
So wie in vielen Gemeinden nutzt auch Lunz am See Straßenbauprojekte wie hier Richtung Seehof zum Mitverlegung von Leerverrohrungen für die Glasfaserleitungen. Vize Johann Strohmayer überzeugte sich von den Bauarbeiten (links). Fotos: Gemeinde
Gemeinde Lunz am See

Die flächendeckende Versorgung mit festen und mobilen Gigabit-Anschlüssen bis 2030 hat sich Telekomministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) zum Ziel gesetzt. Damit liegt noch viel Arbeit vor ihr, wie auch ein Blick auf die aktuelle Breitbandversorgung im Scheibbser Bezirk zeigt.

Wieselburg & Purgstall: Schnell dank privater Anbieter 

Downloadraten ab 1 Gigabit pro Sekunde gibt es laut Breitbandatlas aktuell großflächig nur im Raum Wieselburg sowie im Gemeindegebiet von Purgstall. Dort sind es allerdings private Anbieter (Gamsjäger und EVN), die für schnelles Internet sorgen.

„Bei uns ist fast das gesamte Stadtgebiet mit Breitband versorgt. Wer es allerdings aller in Anspruch nimmt, können wir nicht sagen“, weiß Thomas Lichtenschopf von der Stadtgemeinde Wieselburg. Auch in Purgstall hat die Firma Gamsjäger Teile des Zentrums und des Gewerbegebietes mit Breitband erschlossen. Parallel dazu läuft aktuell das Projekt „Glasfaser bis ins Haus“ über die nöGIG.

Anders ist die Situation in der Bezirkshauptstadt Scheibbs. Dort hat sich die Stadtgemeinde mit A1 arrangiert. Das Breitband wird von A1 bis zu Verteilstationen verlegt und dann fährt man über das bestehende Kupfernetz. So versorgt man Teile des Stadtgebietes mit Downloadraten von 100 bis 1.000 Megabit/Sekunde. Ähnlich macht es übrigens auch die Gemeinde Wolfpassing, wo man mit dieser Methode die Übertragungsgeschwindigkeiten wesentlich verbessern konnte.

Parallel werden dazu – wie in fast allen Gemeinden derzeit – bei Straßenbau- und Güterwegvorhaben Leerverrohrungen für den Glasfaserausbau mitverlegt. „Nur so besteht über kurz oder lang auch für Haushalte in der Peripherie die Möglichkeit, zu schnellem Internet zu kommen“, weiß der Scheibbser Bürgermeister Franz Aigner.

Göstling und Lunz als Pilotgemeinden

Schnelles Internet haben die Göstlinger bereits seit zwei Jahren. Göstling war so wie Lunz eine der sieben Pilotgemeinden für den Breitbandausbau im Ybbstal. Im Juni 2018 begannen die Bauarbeiten im Ortskern und die Siedlungsgebiete. Rund 40 Prozent der Haushalte wurden noch im selben Jahr an das Glasfasernetz angeschlossen. „Phase zwei der Bautätigkeiten soll noch heuer im Herbst starten“, erklärt Amtsleiter Walter Ruspekhofer. Am Zug sind dann die Gebiete Hochreit und Königsberg.

Auch in Lunz am See ist die erste große Phase des Breitbandausbaus bereits abgeschlossen. 350 von 900 Lunzer Haushalte wurden bereits an das Glasfasernetz angeschlossen. Nun sollen Kothbergtal, Bodingbach und Seehof folgen. In den vergangenen Wochen wurden im Seehof Leerverrohrungen verlegt. Generell sollte der Ausbau des Glasfasernetzes innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen sein.

Randegg nahm Sache selbst in die Hand

Einen ganz eigenen Weg im Breitbandausbau ging die Marktgemeinde Randegg. Dort wollte man nicht auf übergeordnete Planungen warten, sondern gründete die Gemeindetochter „Breitband Randegg GmbH-BBRG“ und sorgt so für einen flächendeckenden Breitbandausbau.

Den Aktivnetzbetrieb hat die Firma ViaEuropa aus Schweden in Kooperation mit der Firma Litecom aus der Schweiz übernommen. Für den Service und Vertrieb an den Endkunden sind die derzeit fünf Internetprovider Kraftcom, Gamsjäger, Teletronic, Cosys und KT-Net verantwortlich.

„Aktuell versorgen wir 325 Liegenschaften beziehungsweise Wohnungen in unserem Gemeindegebiet mit Glasfaser. Das sind über 51 Prozent. 550 Liegenschaften haben schon eine Leerverrohrung. Unser Ziel ist es, dass wir im Juni 2021 jede Liegenschaft beziehungsweise jedes Gebäude mit einem Leerrohr versorgt haben. Ob dann angeschlossen wird, hängt bei den privaten Interessenten“, sagt Matthias Repper.

Der geschäftsführende Gemeinderat hat dieses Projekt massiv vorangetrieben und betreut mittlerweile bereits andere Gemeinden wie etwa Steinakirchen, Wang oder Gresten-Land in der Planung und Umsetzung. „Ja, wir als Gemeinde haben da kräftig investiert. Aber wir haben es durch Eigeninitiative geschafft, die Ausbaukosten so stark zu reduzieren, dass wir deutlich unter den geplanten Gesamtkosten liegen“, freut sich Repper.

Übrigens: Die Gemeinden des Bezirks haben insgesamt seit 2015 17,7 Millionen Euro vom Bund an Fördermitteln zugesagt bekommen. Randegg führt diese Liste mit 3,5 Millionen Euro an. Allerdings wird man durch die verringerten Baukosten nicht das gesamte Fördergeld abholen können. Andere Gemeinde wie Wang oder Steinakirchen warten auf grünes Licht seitens der nöGIG.

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