Wie der Scheibbser Turm auf’s Bestseller-Cover kam. Hackenberg-Bild der auf dem Kopf stehenden Scheibbser Kirche am Buch von Stefan Heym.

Von Raimund Holzer. Erstellt am 25. September 2019 (04:32)
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Rainer Hackenberg mit einem druckfrischen Exemplar der Taschenbuch-Neuauflage von Stefan Heyms Erfolgsroman „Schwarzenberg“ – mit dem Scheibbser Kirchturm am Cover.
Raimund Holzer

Sachsen, weit im deutschen Osten, gegen Ende des 2. Weltkriegs. Ganz Deutschland ist von den Alliierten besetzt. Ganz Deutschland? Fast: Ein kleines Gebiet rund um die Kreisstadt Schwarzenberg wurde von den Siegermächten „vergessen“. So ergriffen am 11. Mai 1945 beherzte Bürger die Initiative und riefen die „Freie Republik Schwarzenberg“ aus. Am 25. Juni war es dann mit dem Einmarsch sowjetischer Truppen vorbei mit der „auf den Kopf gestellten, freien Welt“, wie der Literatur-Doyen und Bestseller-Autor Stefan Heym (1913-2001) in seinem 1984 erschienenen Buch „Schwarzenberg“ schrieb.

Der streitbare Ostdeutsche, einer der wichtigsten Schriftsteller der DDR, zählte zu den schillerndsten Persönlichkeiten der SED-Diktatur, die ihm die Veröffentlichungen seiner Werke zeitweise verbot. Nach Stefan Heym sind Straßen und Plätze benannt, die Universität Cambridge verlieh ihm die Ehrendoktorwürde. Angesichts dieses Hintergrunds staunte der Scheibbser Profi- und Reisefotograf Rainer Hackenberg, der seinen Arbeitsstammsitz in Köln hat, als plötzlich eine Agentur-Anfrage kam: Ein Hackenberg-Bild sollte bei der Neuauflage von Stefan Heyms „Schwarzenberg“auf das Cover!

Es sollte ausgerechnet der Scheibbser Kirchturm sein, und er sollte – symbolisch für die auf den Kopf gestellte Welt dieser unsicheren Tage des Jahres 1945 – ebenfalls auf der Spitze stehen. „Amüsant ist ja, dass man in Scheibbs beim Blick auf den Kirchturm von vielen Stellen aus direkt auf unseren Scheibbser Schwarzenberg schaut, der zwischen Blassenstein und Ginselberg liegt. Das war in meinem Foto-Archiv als Schlagwort drinnen, aber ob das für den Verlag bei der Auswahl eine Rolle gespielt hat, weiß ich nicht“, schmunzelt Hackenberg.

Und so kommt es, dass bald in vielen Buchhandlungen des deutschsprachigen Raums die Neuauflage von „Schwarzenberg“ im Taschenbuchformat bereit liegt und um Leser wirbt – mit dem, auf den Kopf gestellten, Scheibbser Kirchturm.