Wald bietet Konfliktpotenzial: "Spielregeln einhalten". Burgerhof als Erholungswald. Arbeitsgruppe soll verschiedene Interessen vereinen.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 02. Oktober 2019 (03:23)
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Die Mountainbike-Strecke am Blassenstein gibt es schon seit zig Jahren. Nun soll ein weiterer Single-Trail beschildert werden.
Claudia Christ

Mountainbiker, die mit Stirnlampen querfeldein durch den Wald fahren. Reiter, die plötzlich wieder den Burgerhofwald für ihre Ausritte benutzen. Und Jäger, die „ihrem“ Wild die nötige Ruhephase geben wollen, damit dieses nicht versprengt wird und in Jungwäldern Verbissschäden anrichten.

Der Burgerhofwald ist für die Scheibbser der Erholungswald und bietet damit auch immer wieder Konfliktpotenzial. Im Zuge der Neuverpachtung der Eigenjagd der Stadtgemeinde Scheibbs für die Periode 2020 bis 2028 kam es zu einem ersten kurzen „runden Tisch“ zwischen Gemeindevertretern, Jagdpächtern und Freizeitaktivisten. Grundsätzlich zeigen sich alle Seiten bemüht, das Konfliktpotenzial so gering wie möglich zu halten.

„Die Einzelinteressen sind natürlich unterschiedlich. Wenn sich aber alle an die Spielregeln halten, dann gibt es keine Probleme“, VP-Bürgermeister Franz Aigner

„Die Einzelinteressen sind natürlich unterschiedlich. Wenn sich aber alle an die Spielregeln halten, dann gibt es keine Probleme“, ist VP-Bürgermeister Franz Aigner überzeugt. Er hat nach der jüngsten Gemeinderatssitzung aber eine Arbeitsgruppe unter der Führung von SP-Stadtrat Hans Huber eingerichtet. Dort sollen sowohl die Wünsche der Jäger als auch die der Freizeitaktivisten und auch Meinungen von Experten eingeholt werden. „Es geht um die richtige Kommunikation miteinander. Wenn man sich das im Vorfeld richtig ausredet, kann man Konflikte vermeiden“, ist Aigner überzeugt.

So haben die beiden Jagdpächter Walter Sedlinger, der die 169 Hektar große Eigenjagd schon seit 1992 gepachtet hat, und Eduard Taibon zugestimmt, dass neben der schon seit 20 Jahren bestehenden Mountainbike-Route auf den Blassenstein auch ein Single-Trail genehmigt und beschildert wird. „Damit haben wir eine Strecke legalisiert, die viele Mountainbiker bisher bereits genutzt haben. Aber es geht für uns dabei natürlich auch um die Haftung und das Zusammenspiel aller Freizeitaktivisten. Denn es sind ja auch viele Spaziergänger im Burgerhofwald unterwegs“, erklärt Walter Sedlinger. Dass aber auch das Wild seine Ruhe braucht, sollten alle Freizeitaktivisten ebenfalls verstehen, betont Sedlinger.

Huber "Noch mehr Entwicklungspotenzial"

„Natürlich gäbe es noch viele interessante weitere Strecken, aber wir haben auch Verständnis für die Jägerschaft und freuen uns, dass es jetzt zumindest eine zweite offizielle Strecke im Burgerhofwald gibt“, sagt Mountainbiker Martin Ressl, der in die Gespräche im Vorfeld der neuerlichen Jagdpachtvergabe eingebunden war.

Für SP-Stadtrat Johann Huber hätte der Burgerhofwald dennoch noch mehr Entwicklungspotenzial als Erholungs- und Natursportgebiet, gerade wenn man auch den Tourismus in Scheibbs ankurbeln möchte. In der von ihm geleiteten Arbeitsgruppe sollen daher sowohl die Ausschüsse Tourismus und Kultur als auch jener für Land- und Forstwirtschaft eingebunden sein. Natürlich sollen dort auch die Jagdpächter und Vereinsvertreter zu Wort kommen. „Zudem wollen wir uns den einen oder anderen externen Experten dazuholen. Wichtig sind aber auf alle Fälle klare Spielregeln und eine genaue Beschilderung“, betont Huber.