Göstling: Der kalte Sprung ins Abenteuer. Göstlings Schluchten sind ein Geheimtipp für Extremsportler und waghalsige Amateure. Die NÖN stürzte sich in die Fluten.

Von Valerie Dallhammer. Erstellt am 22. August 2021 (07:30)

„No risk, no fun“ – mit dieser Einstellung stürzte ich mich im Auftrag der NÖN ins nasse Abenteuer. Die Canyoning-Tour nahm in Göstling, an der Mündung des Rothmoosbaches, ihren Anfang. Eingepackt in zwei Lagen Neopren erklomm ich, gemeinsam mit den beiden waghalsigen Wienern Anja Wodrich und Stefan Schindler, den Berg, der uns später als Wander-, Sprung-, und Rutsch-Parcours dienen sollte.

Nach 20 Minuten gelangten wir zur Einstiegsstelle, wo uns Janine Jakubik, unser Canyoning-Guide, die Funktionsweise unserer Ausrüstung erklärte und uns auf die wichtigsten Tipps und Tricks beim Schluchtenwandern hinwies. „Tastet euch vorsichtig voran, findet euer eigenes Tempo und vor allem: Keine Alleingänge!“, ermahnte die erfahrene Alpin-Sportlerin.

Denn sie und ihr Partner Markus Schnabl, mit dem sie seit 2016 unter dem Namen „Canyoning Jack“ Wildwasser-Touren anbietet, haben schon so einige böse Überraschungen unter den Teilnehmern erlebt. „Canyoning ist und bleibt ein Risikosport. Die Wildnis zu unterschätzen, kann einem durchaus zum Verhängnis werden“, weiß die qualifizierte Schluchtenführerin.

Hohe Klippen und tiefe Gewässer

Nach den theoretischen Instruktionen folgte auch schon der Sprung ins kalte Wasser – wortwörtlich, denn der Rothmoosbach hatte eine Temperatur von frischen elf Grad.

Zum Glück hielt der frottierte Neoprenanzug die eisige Kälte weitestgehend ab. Ein weiterer Teil der Ausrüstung war ein Sitzgeschirr mit Plane, auf der es sich ausgezeichnet rutschen lässt. Damit konnten wir nicht nur spitze Felsbrocken, sondern auch die vielen, vom Wasser glatt geschliffenen, Steinrutschen überwinden.

Auf das etwas gemütlichere Wasserwaten, das nur gelegentlich von kleinen Rutschpassagen und einigen umgestürzten Bäumen als Hindernisse unterbrochen worden war, folgte schließlich der heiß ersehnte Actionparkour. Steile Rutschbahnen, imposante Wasserfälle und sogar kleine Abseilpassagen – all das hatte der Rothmoosbach für uns auf Lager.

Doch damit war sein Repertoire noch nicht ausgeschöpft: Er stellte uns mit einem mehreren Meter hohen Abgrund auf die entscheidende Probe. Nun hieß es Zähne zusammenbeißen und springen – und zwar genau in die Mitte eines Wildwasserbeckens, umgeben von aufragenden Felsen. Beim Blick nach unten drehte sich der Magen regelrecht um. Neugierde und Nervenkitzel nahmen dann doch Überhand und zwangen uns zum Absprung.

Mit einem lauten „Juchee!“ tauchten wir ins Wasser ein und schwammen nach dem geglückten Sprung ans sichere Ufer. Nach einigen weiteren Etappen ging die Canyoning-Tour nach eineinhalb Stunden mit der letzten Rutschbahn am Auslauf des Baches schließlich zu Ende.

Obwohl wir, aufgrund des starken Regenfalls während der letzten Nacht, anstatt der größeren Tour eine etwas abgespecktere Variante wählen mussten, waren wir alle drei mehr als zufrieden mit dem Ergebnis. Denn auch die „Schnuppertour“, wie Janine sie nennt, hatte bei Weitem nichts mit einer gemütlichen Wanderung zu tun.

Adrenalinkick und Herausforderung

Adrenalinkick und Herausforderung bot mir die Tour jedenfalls zur Genüge. Aber nicht nur mit Action und sportlichem Reiz überzeugen die Schluchten rund um den Ötscher, auch die atemberaubende Landschaft und der Charme völlig unberührter Natur lässt die Canyon-Wanderer staunen.

Schluchtenwandern heißt nicht nur Eintauchen ins Wasser, sondern auch Eintauchen in die Schönheit der Berge und Bäche. Für schwindelfreie Gipfelstürmer, die zudem noch Trittsicherheit und Schwimmfähigkeit mitbringen, ist eine Canyoning-Tour also der ideale Weg, um die verborgenen Schätze der Region zu entdecken.