Oliver Schubert: „Stabil auf All-time-high-Niveau“. Oliver Schubert, CEO der ZKW Group, über die aktuell schwierige Situation in der weltweiten Automotive Branche und wie ZKW mit Innovation und Wachstum entgegenwirkt.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 14. Dezember 2019 (03:35)
Oliver Schubert, CEO der ZKW Group mit Sitz in Wieselburg. Aktuell hält ZKW bei einem Beschäftigungshöchst-stand in Wieselburg. ZKW Lichtsysteme beschäftigt rund 3.000 Mitarbeiter, die ZKW Group rund 300 am Standort Wieselburg. „Der Standort Wieselburg ist die Keimzelle für Innovation und der wesentliche Teil für nachhaltigen Unternehmenserfolg.“Voraberger/ZKW Group
Roland Voraberger/ZKW Group

NÖN: Während Audi, Daimler und BMW einschneidende Sparpläne ausrufen und tausende Mitarbeiter abbauen, investiert die ZKW Group über 200 Millionen Euro in die Produktionsstandorte Slowakei und Mexiko. Und auch für Wieselburg gibt es konkrete Pläne. Geht die angespannte Situation in der Automotive Branche völlig spurlos an ZKW vorbei?

Olivert Schubert: Nein, keinesfalls. Die Automobilindustrie ist in einem massiven Wandel. Der Dieselskandal treibt die Entwicklungen Richtung E-Fahrzeugen massiv voran. Dazu kommt, dass die Verkaufszahlen von Fahrzeugen bis zu sechs Tonnen weltweit bei den 90 Millionen Einheiten pro Jahr stagnieren und in den nächsten ein bis zwei Jahren eher rückläufig sein werden. Das belastet die Budgets der Automobilhersteller. Den Kostendruck geben die Kunden natürlich auch auf die Autozulieferer weiter. Da gibt es nichts schön zu reden. Bei einigen Projekten liegen auch wir beim Absatz unterhalb der geplanten Stückzahl. Aber zum Glück stimmt die Mischung der Produkte, die wir anbieten. Wir bieten ein breites Portfolio.

Sie rechnen also, dass Sie die Umsatzziele auch 2019 und in den Folgejahren erreichen werden?

Schubert: Die Ziele vielleicht nicht ganz. Aber wir werden den Umsatz des Vorjahres in etwa halten können (Anmerkung: 2018 lag dieser bei 1,34 Milliarden Euro). Das heißt, wir liegen stabil auf All-time-high-Niveau und rechnen, dass wir das auch 2020 schaffen werden. Wir brauchen daher nicht von Krise reden. Ich habe zwar auch keine Glaskugel, aber ich rechne damit, dass sich der Automobil-Markt ab 2022 wieder moderat erholen wird. Zudem haben wir dieses Jahr sehr gute Aufträge an Land gezogen, die in drei Jahren wieder zu Umsätzen führen werden. Genau dafür müssen wir jetzt investieren.

Investiert wird vorerst aber in der Slowakei und Mexiko. Ist für Österreich oder konkret gesagt für Wieselburg auch etwas geplant?

Schubert: Die Automobilindustrie denkt global. Wir stehen im chinesischen Raum, der immer noch der wichtiges Markt der Automobilindustrie ist, mit denselben Mitbewerbern in Konkurrenz wie in Europa oder im NAFTA-Raum. Daher müssen wir unsere Kompetenzen weltweit verteilen. Unsere Strategie ist, unsere Innovationskraft weltweit zu stärken. Denn darauf basiert unser Wachstumsmotor. Gleichzeitig müssen wir diese Innovationen zu wettbewerbsfähigen Kosten anbieten. Die weltweite Strategieplanung geht aber von Wieselburg aus. Und auch hier stehen wir unmittelbar vor einer weiteren großen Investition.

„In einer angespannten Situation ist es wichtig, so früh wie nötig, aber auch so spät als möglich zu investieren.“Oliver Schubert

Gibt es dazu schon Details?

Schubert (lächelt): Wir hoffen, dass wir noch in diesem Jahr grünes Licht für eine Investition geben können, die unsere Logistik optimiert. Dadurch stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Wieselburg. Denn nirgendwo ist die Komplexität so hoch wie am Standort Wieselburg. Wir haben hier Artikel für innovative Produkte, Serienprodukte und Ersatzteile. Jetzt gilt es, die Logistik zu verbessern und damit Platz zu schaffen für zusätzliche Wertschöpfung. Dabei ist es gerade in dieser angespannten wirtschaftlichen Situation der Automobilindustrie wichtig, so früh wie nötig, aber auch so spät als möglich zu investieren.

Wenn man das Wieselburger Headquarter betritt, sieht man zig Preise in den Vitrinen stehen. In den vergangenen Wochen kamen mit dem Innovationspreis, dem VW-Award und dem German Design Award weitere Auszeichnungen dazu. Wie wichtig sind solche Auszeichnungen für ein Unternehmen?

Schubert: Preise sind schön, richtige Aufträge aber noch schöner, wobei wir sehr stolz sind über solche Awards – vor allem auch jene von unseren Kunden. Das ist eine Anerkennung und Wertschätzung unserer Arbeit und zeigt, dass wir und unsere Mitarbeiter auf dem richtigen Weg sind.

Noch einmal zurück zum Thema Innovation. Hier ist ZKW auf dem Lichtsektor absoluter Vorreiter. Inzwischen nicht mehr nur bei den Hauptscheinwerfern?

Schubert: Ja, wir erweitern unser Portfolio – künftig auch um Rückleuchten – und legen immer mehr auch den Schwerpunkt auf „external lightning“, sprich das Licht rund um das Auto. Gerade beim Themenbereich autonomes Fahren wird das immer wichtiger. Da dient das Licht zur Kommunikation mit dem Umfeld, gerade in der Nacht funktionieren Systeme nur, wenn die Beleuchtung darauf abgestimmt ist. Daher sind die Bereiche Elektronik und Software bei uns strategische Wachstumsfelder. Ein Hauptscheinwerfer der Zukunft muss nicht nur für das Licht sorgen, sondern mit Sensoren und anderen Technologien mit der Umwelt kommunizieren.