Bezirk Scheibbs: Als die Polizei in der Billa stand .... Eine Zarnsdorferin (Gemeinde Wolfpassing) fühlt sich nach positivem Test schikaniert. Behörde dementiert.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 15. April 2021 (05:28)
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APA (Symbolbild)

Die schwangere Mutter war mit ihrer Tochter am Freitagnachmittag vor der Karwoche in der Billa in Steinakirchen einkaufen, als plötzlich ein Polizist vor ihr stand. „Bitte kommen Sie sofort mit raus“, forderte der Beamte die schockierte Frau auf, die mit ihm auf den Parkplatz ging.

„Ich fühlte mich wie ein Schwerverbrecher“

Dort teilte der Beamte der Frau mit, dass er einen Absonderungsbescheid von der Bezirksbehörde für sie habe. Ein bei ihr gemachter Covid-19-Test sei positiv gewesen. Die Behörde hätte sie jedoch nicht erreicht, weshalb die Polizei ausgerückt war. Sie müsse sich sofort zuhause in Quarantäne begeben und sich schnellstmöglich bei der Bezirkshauptmannschaft melden, um alle weiteren Schritte einzuleiten.

„Ich fühlte mich wie ein Schwerverbrecher. Ich habe am Vortag im Krankenhaus einen PCR-Test gemacht. Warum da keine Daten aufliegen, geht mir nicht ein. Auch nach zig Telefonaten mit Behörde, Krankenhaus und dem Sanitätsstab der Landesregierung. Irgendwas läuft hier falsch“, beschwerte sich die Frau via Facebook und auch bei der Bezirkshauptmannschaft Scheibbs.

„Es liegt vollstes Verständnis für die Unannehmlichkeiten vor. Allerdings hat die Gesundheitsbehörde bei Nichterreichen einer Covid-19-positiven Person zu handeln und deren Aufenthalt schnellstmöglich zu ermitteln. Dies ist insbesondere deshalb geboten, um die Ansteckung weiterer Personen zu verhindern und wie in diesem Fall auch die Betroffene selbst über deren PCR-Testergebnis zu verständigen. Dazu ist generell bei Erfordernis und nach Abwägung der Umstände auch der Einsatz der Polizei erforderlich“, erklärt Bezirkshauptmann-Stellvertreter Christian Pehofer, Stabsleiter an diesem Tag, auf Nachfrage gegenüber der NÖN. Er versicherte auch, dass sich die Behörde immer größte Mühe gebe, auf den Einzelfall einzugehen und so rasch als möglich zu agieren. Leider hatte man in diesem konkreten Fall keinerlei Daten, um Kontakt aufzunehmen.

„Die Gesundheitsbehörde hat bei Nichterreichen einer Covid-19-positiven Person deren Aufenthaltsort schnellstmöglich zu ermitteln, um mögliche Infektionen weiterer Personen zu unterbinden.“ BH-Stellvertreter Christian Pehofer

Für die Zarnsdorferin war die Geschichte damit noch nicht zu Ende. Da sie symptomlos war und der CT-Wert über 30 lag, ging es am Samstag gemeinsam mit der Familie zu einem Nach-PCR-Test. Dieser war bei der Dame sowie drei weiteren Familienangehörigen negativ. Nur die Schwiegermutter war positiv, weshalb die gesamte Familie dennoch 14 Tage in Quarantäne musste.

„Die Polizei steht weiterhin regelmäßig vor unserer Tür und kontrolliert, ob wir zu Hause sind. Das verängstigt meine Kinder und die Aufregung tut auch meiner Schwangerschaft nicht gut“, ist die Frau noch immer verärgert.

„Das Wohlbefinden der Menschen liegt uns gerade in so schwierigen Zeiten am Herzen. Aber gerade in Gemeinden mit hohen Inzidenzwerten ist die Polizei beauftragt, die Quarantäne bescheide auf deren Einhaltung regelmäßig zu kontrollieren“, bittet Christian Pehofer um Verständnis.