Bezirk Scheibbs: „Sind in ganz kritischer Phase“. Der Scheibbser Bezirk nähert sich gefährlich der 400er-Inzidenz. Bleibt man sieben Tage darüber, dann kommen Ausfahrtskontrollen im Bezirk.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 23. März 2021 (08:10)
In den Teststraßen des Bezirks Scheibbs herrscht derzeit Hochbetrieb – vor allem die hohen Inzidenzwerte in etlichen Gemeinden haben die Bevölkerung motiviert, noch mehr testen zu gehen. „Das bringt natürlich mit sich, dass die Zahlen möglicherweise kurzfristig weiter steigen, aber wir können so Infektionsketten unterbrechen und mittelfristig die Lage unter Kontrolle bringen“, erklärt Bezirkshauptmann Johann Seper. Foto: Katona
Katona

Die ominöse 400er-Inzidenzgrenze kommt für den Scheibbser Bezirk näher und näher: Am Montag lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 367 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Der sechsthöchste Wert in ganz Österreich und der vierthöchste Wert in Niederösterreich nach den Bezirken Wiener Neustadt (Stadt sowie Land) sowie Neunkirchen.

Diese sind bereits rote Flecken auf der NÖ-Landkarte. Die Stadt Wiener Neustadt ist schon „Hochinzidenzgebiet“.

Bleibt die Bezirksinzidenz sieben Tage durchgehend über der 400er-Grenze, so muss Bezirkshauptmann Johann Seper laut Erlass des Gesundheitsministers entsprechende verschärfte Maßnahmen für den Bezirk oder einzelne Gemeinden anordnen. Dazu zählen auch Ausfahrtskontrollen der Polizei an den Bezirks- oder Gemeindegrenzen. Bilder, die man aus Wiener Neustadt kennt.

Gemeinden über 400: „Entscheidend ist der Bezirkswert“

„Die Polizei würde dann an mehreren Ausfahrtsstellen Stichprobenkontrollen machen. Eine Weiterfahrt wäre nur mit einem negativen Antigen- oder PCR-Test oder einer entsprechenden ärztlichen Bescheinigung möglich. Sonst muss man umkehren oder mit einer Strafanzeige rechnen“, erklärt Bezirkshauptmann Johann Seper gegenüber der NÖN.

Bezug genommen wird dabei immer auf die Gesamt-Bezirks-Inzidenz. Daran ändert auch nicht, dass einzelne Gemeinden schon seit der Vorwoche die 400er-Inzidenz überschritten haben.

„Entscheidend ist immer der Bezirkswert. Natürlich ist es für uns von großer Bedeutung, bei einzelnen Gemeinden mit hohen Inzidenzzahlen so rasch als möglich Gegenmaßnahmen einzuleiten. Insgesamt sind wir in einer ganz kritischen Phase“, weiß Seper. Besonders drastisch auf die Bezirksinzidenz wirken sich deutliche Anstiege in einwohnerstarken Gemeinden aus.

Mit Montagabend waren sechs Gemeinden über der 400er-Marke: Purgstall, Oberndorf, Gresten, Gresten-Land, St. Georgen/Leys und Wieselburg. Weitere zwei Gemeinden (Wolfpassing und St. Anton) erreichten die Vorwarnstufe (über 300er-Inzidenz). In Göstling, das in der Vorwoche ebenfalls eine Inzidenz über 400 aufwies, sank der Wert am Montag knapp unter die 300er-Marke.

„Wir rufen in diesen Gemeinden die Bevölkerung auf, verstärkt das Testangebot in Anspruch zu nehmen, um die Infektionsketten rechtzeitig zu unterbrechen. Das hat zwar eventuell einen kurzfristigen Anstieg der Corona-Fälle zur Folge, aber nur durch ständiges Testen können wir das Infektionsgeschehen wieder in den Griff bekommen“, sagt Seper.

Dieser Aufruf zum Testen zeigt in den permanenten Teststraßen der Gemeinden Wirkung. Da gab es vielerorts einen Anstieg um bis zu einem Drittel. In Purgstall hat man auch die Testzeiten ausgeweitet und in Wieselburg das Test-Personal aufgestockt, um kurzfristig auf drei Teststraßen erhöhen zu können.

„Das war am Freitag und Montag schon nötig“, erklärt Wieselburgs Stadtamtsdirektor Franz Willatschek. Am Freitag verzeichnete man mit 881 Testabnahmen einen neuen Rekordwert. 553 Personen davon kamen aus Wieselburg (Stadt und Land), von denen drei positiv getestet wurden.

Auch Montag gab es mit 381 Tests am Vormittag und 410 am Nachmittag neue Bestmarken für einen Montag (vier positiv). Insgesamt unterzogen sich am Montag 2.046 Personen aus dem Bezirk einem Test, elf waren positiv.