18 Jahre in Australien: Der lange Weg nach Hause. Nach 18 Jahren in Australien kehrte Tamara Galhuber in ihre Heimat Gresten zurück. Corona und ein Konkurs hätten ihr beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Von Armin Grasberger. Erstellt am 06. April 2020 (10:36)
Gresten. Tamara Galhuber bekommt von Renate Kummer Essen geliefert. Josef, Helga und Elisabeth Grasberger (v.l.) leisten ihrer aus Australien zurückgekehrten Nichte immer wieder Gesellschaft.
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Noch nie war ein Bett einladender. 34 Stunden ist Tamara Galhuber mittlerweile auf den Beinen. Hinter ihr liegt eine Tour de Force. Vor 34 Stunden hat sie im Norden Sydneys die Tür hinter sich geschlossen und den ersten Schritt auf ihrer Reise nach Gresten gesetzt. Jetzt blickt sie aus ihrem Fenster auf die Kleine Erlauf. Galhuber hat ihre Heimat der vergangenen 18 Jahre hinter sich gelassen, „um wieder näher bei Familie und Freunden zu sein“, erzählt sie. Wäre alles nach Plan verlaufen, wäre auch nichts an ihrer Reise berichtenswert gewesen. Aktuell läuft weltweit aber recht wenig nach Plan.

Dort bleiben oder heimkehren?

In der Luft. Die Maske war während des Fluges obligatorisch.
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Ende Februar meldete ausgerechnet jenes Online-Reisebüro Konkurs an, bei dem die Grestnerin ihren schon lange geplanten Trip nach Hause gebucht hatte. Das Ticket war weg, Wohnung und Job bereits gekündigt, guter Rat somit teuer. „Erst war ich mir nicht sicher, ob ich vielleicht doch in Australien bleibe“, erzählt sie.

Und dann kam Corona. „Mein Vater hat gemeint, dass ich sofort nach Hause kommen soll, weil die Krise Fahrt aufnimmt.“ Was also tun? Durch ihren Bruder erfuhr Galhuber vom Rekordflug der Austrian Airlines. Erstmals nach knapp 13 Jahren steuerte die AUA wieder Sydney an. Non-Stop, zumindest am Hinweg. Um gestrandete Urlauber nach Hause zu bringen. „Da ich aber keine Urlauberin war, habe ich mit der österreichischen Botschaft Kontakt aufgenommen und mich erkundigt, wie meine Chancen stehen, einen Platz zu ergattern.“ Die standen gut, Galhuber bekam für 1.900 Dollar ihr Ticket in die Heimat. „Die ganze Aktion war von der Regierung super organisiert“, erzählt die 40-Jährige. „Alle waren total nett und hilfsbereit.“

Menschenleere Flughäfen

Die Reise selbst war lang, der Flug ungewöhnlich. Zwei Busse und einen Zug musste Galhuber nehmen, um überhaupt zum Airport in Sydney zu gelangen. Die Stimmung dort war gespenstisch. „Außer unserem Flug gab es sonst nichts. Überall auf dem Gelände sah man Soldaten, die Polizei und Sicherheitskräfte. Wie im Film.“ In der Maschine folgten weitere, den Umständen geschuldete, Ungewöhnlichkeiten. „Aus Sicherheitsgründen wurde kein Essen ausgegeben, wir bekamen aber ein Verpflegungspaket mit österreichischen Schmankerln. Eingeschweißt, versteht sich.“ Während der gesamten Reisedauer waren Schutzmasken zu tragen. Vom elfköpfigen Kabinenpersonal sahen die Fluggäste so gut wie nichts. „Die mussten ja auch in ihren Bereich bleiben und den Sicherheitsabstand einhalten.“ Bedankt hat sich die Erlauftalerin trotzdem bei der gesamten Crew. Mit TimTams, typisch australischen Süßigkeiten.

Sydney. Warten auf das Boarding in Australien.
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Nach einem Gesundheitscheck am „menschenleeren“ Flughafen Wien mussten sich die Passagierte ohne Umwege in ihr Quarantäne-Domizil begeben. Jenes von Galhuber befindet sich im Gästehaus Kummer in Gresten. Erreicht hat sie es nach einer weiteren Zug- und einer weiteren Busfahrt.

„So viel kann ich gar nicht trainieren“

„Es geht mir hier wirklich gut“, schildert sie. Freunde und Verwandte bieten regelmäßig Hilfe an oder bringen Essen. „So viele online Trainingskurse kann ich gar nicht machen, dass ich nicht zunehme“, lacht Galhuber. „Außerdem kommt immer wieder jemand auf einen Plausch vorbei. Natürlich mit dem nötigen Sicherheitsabstand. Ich bleibe im Zimmer, öffne die Balkontür, und schon wird geplaudert.“

Von der Hilfsbereitschaft ist die Grestnerin überwältigt, von den offenen Armen gerührt. „Es ist völlig egal, wie lange du weg warst. Wenn du nach Hause zurückkommst, ist es so, als wärst du nie weg gewesen. Du bist noch immer ein Teil der Orts-Gemeinschaft. Der Zusammenhalt ist in Notzeiten besonders groß.“ Was ihr ebenfalls aufgefallen ist: „Die Leute haben endlich wieder Zeit für Sachen, die sie schon lange vor sich herschieben oder immer schon machen wollten. Das ist wirklich schön zu sehen. Viele merken jetzt, welche Dinge im Leben wirklich wichtig sind.“