Scheibbser Klinikum: „Noch kein Grund zur Entwarnung“. Der Ärztliche Direktor des Klinikums Scheibbs Erwin Schwaighofer über ein Jahr Corona.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 17. März 2021 (17:54)
Symbolbild
Kan Pothipan/Shutterstock.com

NÖN: Mitte März 2020 tauchten im Scheibbser Bezirk die ersten Corona-Fälle auf. Was hat sich damit im Klinikum verändert?

Erwin Schwaighofer, Ärztlicher Direktor des Klinikums Scheibbs, im NÖN-Gespräch.
LK Scheibbs, LK Scheibbs

Erwin Schwaighofer: Mit 13. März 2020 änderte sich vieles. Die dramatischen Berichte aus Italien und das exponentielle Wachstum der österreichischen Covid-19-Infizierten zwangen zum Handeln. Mit wenig Wissen über die Erkrankung, geringer Menge an Schutzausrüstung und allgemein großer Verunsicherung wurde die Haustestung 1450 aktiviert. Die Spitäler der Landesgesundheitsagentur richteten Krisenstäbe ein. Der stets aktualisierte Pandemieplan wurde wirksam. Eine beinahe nicht abwendbare Katastrophe wurde befürchtet. Diese ist durch den ersten – wirksamen Lockdown - ausgeblieben! Hygienemaßnahmen wurden laufend nachgeschärft, Triagen eingerichtet, geplante Operationen storniert und isolierfähige Covid-19-Stationen geschaffen. Das Klinikum Melk übernahm die ersten Behandlungen und sammelte wertvolle Erfahrungen, auf die auch wir aufbauen konnten.

Im Scheibbser Klinikum wurde Anfang April die eigene Corona-Station eingerichtet. Wie herausfordernd war und ist diese Zeit?

Schwaighofer: Sehr. Insbesondere die geringe Zahl an möglichen Tests und die oft tagelange Wartezeit auf den Testbefund war teilweise lähmend. Die Behandlungen der Erkrankten waren und sind nach wie vor eine große Herausforderung, vor allem die Arbeit in voller Schutzausrüstung und ganz besonders auf der Intensivstation. Um die Belastung möglichst erträglich zu halten, wurden umfangreiche Personalverschiebungen vorgenommen. Angst und Unsicherheit sowie große psychische und körperliche Belastung bei leider oft dramatischem Krankheitsverlauf waren und sind ständige Begleiter. Mit zunehmender Erfahrung stabilisierte sich die Bedrohungslage trotz anfänglich auch hoher Zahlen an infiziertem Personal.

Die Zahlen der Patienten im Klinikum Scheibbs stiegen vor allem im Herbst auf einen kritischen Bereich an. Jetzt sind die Zahlen auf einem relativ stabilen niedrigem Niveau. Rechnen Sie mit einer langfristigen Entspannung?

Schwaighofer: Im Sommer kam es zur Beruhigung der Situation insbesondere auch im operativen Bereich. Obwohl wir auf einen schwierigen Herbst vorbereitet waren, überraschte uns doch die Wucht der zweiten Infektionswelle. Der zweite Lockdown reichte in seiner Wirksamkeit bei Weitem nicht mehr an den ersten heran. Einige Waffen zum Schutz unserer Erkrankten und auch zum Schutz unseres Personals hatten wir jetzt aber im Köcher: Durch Personaltestungen ist die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen absolut bewiesen worden. Und Anfang 2021 kam die befreiende Impfung. Langfristige Entspannung erhoffe ich mit entsprechenden Durchimpfungsraten im Sommer. Die derzeit relativ geringen Infektionszahlen dürfen nicht über eine weiterhin massive Bedrohungslage hinwegtäuschen. Mutationen, Covid-19-Müdigkeit, steigende Infektionszahlen rundum und österreichweit eine sehr hohe Sieben-Tage-Inzidenzrate geben keinen Grund zur Entwarnung.