Ein Verband im Wandel. Rinderzucht / Nach Markteinbruch jetzt auch neue Strukturen: Geschäftsführer Friedrich Führer bot dem Vorstand des NÖ Genetik Rinderzuchtverbandes Rücktritt an. Dieser nahm ihn an.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 11. Februar 2014 (23:59)
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Von Christian Eplinger

BERGLAND / Seit mehr als 25 Jahren ist Friedrich Führer (54) unzertrennbar mit der Rinderzucht verbunden. Seit 1998 leitet er die Rinderbesamungsstation in Wieselburg. 2001 wurde er Geschäftsführer der NÖ Genetik Rinderbesamung GmbH und später der Genostar Rinderbesamung GmbH. Seit 2005 ist Führer auch Geschäftsführer des NÖ Genetik Rinderzuchtverbandes. Letzteres ist Geschichte. Friedrich Führer hat am 30. Jänner dem Verbandsvorstand eine einvernehmliche Auflösung des bestehenden Dienstverhältnisses angeboten. Der Vorstand hat dieses Angebot angenommen. Über die Gründe für diesen Schritt hüllen sich beide Seiten in Stillschweigen.

„Wir haben das so vereinbart, da wir ja auch in Zukunft weiter eng zusammenarbeiten wollen. Friedrich Führer wird ja Geschäftsführer der Genostar Rinderbesamung GmbH bleiben“, erklärte Verbandsobmann-Stellvertreter Anton Wagner bei der Rinderzuchtversammlung Ötscherland in der Vorwoche.

Auffassungsunterschiede bezüglich Mitarbeiterführung

Durchgesickert ist, dass es zuletzt Auffassungsunterschiede bezüglich der Mitarbeiterführung zwischen Verbandsvorstand und Friedrich Führer gegeben hat. „Friedrich Führer ist ein anerkannter Fachmann der Rinderzucht und in diesen Angelegenheiten viel unterwegs, dadurch kommen aber andere Bereiche etwas zu kurz. Gerade in angespannten Zeiten wie diesen bedarf es aber effizienter Strukturen“, erläutert Wagner.

Für die Schaffung und Umsetzung dieser „effizienten Strukturen“ ist künftig Gernot Ruth zuständig. Ruth, seit August 2012 beim Verband tätig, wurde im Jänner 2013 zum zweiten Geschäftsführer bestellt und soll diese Agenden nun alleine weiterführen. Er gilt als absoluter Fachmann der internen Organisation. „Genau das brauchen wir in der jetzigen Situation“, ist Wagner überzeugt.

Markt 2013 eingebrochen

Denn der Rinderzuchtverband steuert derzeit durch unruhige Gewässer. Nach dem extrem erfolgreichen Jahr 2012 ist im Vorjahr der Markt eingebrochen. Im letzten Quartal gingen die Verkaufszahlen und die Verkaufserlöse um 25 bis 30 Prozent zurück, wobei gleichzeitig die Abwicklungskosten gestiegen sind. „Wir haben den Fehler gemacht, in den guten Zeiten keine Reserven anzulegen. Gleichzeitig waren wir in den letzten Jahren durch den Bau der Berglandhalle und der Übersiedelung von Amstetten sehr gefordert. Das bedingt nun sehr spannende Zeiten im operativen Bereich. Allerdings eines ist sicher: Der Verband ist nicht konkursreif“, stellt Wagner klar.Er ist überzeugt, dass der Verband die Wende schaffen wird. Derzeit tagt alle Monate der Vorstand samt Beiräten. Auch eigene Zuchtausschüsse wurden gegründet. Wagner ist auch optimistisch, dass der Preis für das Zuchtvieh in den nächsten Monaten wieder steigen wird. „Die Nachfrage vor allem aus Algerien ist sehr groß. Auch die Märkte in Marokko und Russland springen wieder an, wobei wir hier Strukturen für einen kostengünstigeren Export schaffen wollen“, sagt Wagner.