Plus 158 Prozent Stromverbrauch bei Ladesäulen. Die beiden Stromtankstellen am Rathausplatz in Scheibbs werden immer öfter genutzt.

Von Raimund Holzer. Erstellt am 27. März 2019 (04:00)
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Die E-Ladesäule am Scheibbser Rathausplatz.
Holzer

Derzeit ist die Zufahrt zu den beiden Elektro-Ladesäulen am Rathausplatz wegen einer Baustelle ein wenig erschwert, trotzdem werden sie häufig genutzt.

Der Energiebericht der Stadtgemeinde weist eine Zunahme des – für die Nutzer derzeit noch kostenlosen – Stromverbrauchs um stolze 158 Prozent aus. „Im Jahr 2017 war die Anlage neun Monate in Betrieb, dabei wurden 3.139 kWh Strom für Elektroautos bezogen. Im gesamten Vorjahr waren es dann bereits 8.119 kWh“, zitiert Umweltausschuss-Obmann Johann Huber (SPÖ) aus dem umfangreichen Bericht.

Zwei Jahre kostenloser Strom

Mindestens zwei Jahre muss die Gemeinde den Strom kostenlos abgeben, wurde in einem Fördervertrag vereinbart. Diese zwei Jahre laufen demnächst ab, die folgende Vorgangsweise muss noch besprochen werden. „Die EVN hat uns angeboten, die Säulen am Rathausplatz und beim Allwetterbad mit einem Bezahlsystem aufzurüsten“, sieht Christine Dünwald-Specht (ÖVP) hier eine relativ einfache Möglichkeit, die aber doch mit etlichen Kosten verbunden ist. Stolz ist die Bürgermeisterin auf den Umstand, dass es sich am Rathausplatz um den Ladeplatz mit dem zweitmeisten Verbrauch im Bereich dieses über die Eisenstraße von der EU geförderten Projekts handelt.

Auch Robert Teufel (Grüne) sieht die Entwicklung positiv: „Vielleicht können wir ja das Projekt E-Car-Sharing bald noch einmal angehen, da waren wir knapp vor der Umsetzung. Ein im Betrieb klimaneutrales Fahrzeug auch noch zu teilen, wäre ja wirklich eine tolle Sache“, spielt der Umweltgemeinderat darauf an, dass an den Ladesäulen Strom aus erneuerbaren Energieträgern verbraucht wird.

Nicht entgangen ist der Gemeinde, dass bisher oft die gleichen E-Auto-Besitzer ihr Fahrzeug, meist über Nacht, zum kostenlosen Aufladen herstellen. „Ja natürlich sind es vorwiegend Scheibbser, die in der Nähe wohnen und ein entsprechendes Auto haben“, weiß Hans Huber. Aber man könne vorbeigehen, wann man will, es stehe fast immer ein Fahrzeug zum Laden dort.

Netzleistung angehoben

„Jedenfalls steht außer Zweifel, dass wir diese Infrastruktur nicht umsonst gekauft haben“, hält Bauamtsleiter Dietmar Nestelberger fest. Durch die große Nachfrage musste die Netzleistung der Ladesäulen deutlich angehoben werden. „Jetzt haben wir dort 25 kW Leistung zur Verfügung, das reicht zumindest derzeit aus. Derzeit gibt die Anlage im Schnitt pro Tag etwa 22 kWh ab“, rechnet Nestelberger vor.

Alle Beteiligten sehen die Entwicklung jedenfalls positiv. Es würde stark darauf ankommen, wie sich die Verkaufspreise bei E-Autos entwickeln, und natürlich würden auch die politischen Rahmenbedingungen eine große Rolle spielen.

Gerade derzeit sei das Thema Elektromobilität aber wieder in aller Munde, was auch den (gerade im Bezirk Scheibbs) deutlich zu spürenden Klimaveränderungen geschuldet ist.

So plant der Autogigant Volkswagen eine Elektroauto-Offensive mit noch ungeahnten Ausmaßen, einzelne Länder wie Norwegen werden Verbrennungsmotoren in den nächsten Jahren überhaupt nicht mehr als Neufahrzeuge akzeptieren. Aber auch in China dürfen in manchen Städten wegen der hohen Luftverschmutzung nur mehr E-Autos neu angemeldet werden. Und so wird auch hierzulande die „sanfte Mobilität“ bald deutlich zunehmen.