Zuspruch für Ethik an Schulen. Religionsunterricht wird im Bezirk gut besucht. Dennoch sei Wertebildung wichtig.

Von Anna Faltner. Erstellt am 29. Januar 2019 (04:26)
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Die Einführung eines verpflichtenden Ethikunterrichts ist aktuell heißes Thema in der Regierung. Schüler, die sich statt dem Religionsunterricht eine Freistunde gönnen, sollen stattdessen den Ethikunterricht besuchen. Die Opposition wünscht sich sogar, das Fach grundsätzlich an den Schulen einzuführen. An einigen Schulen wird Ethik bereits unterrichtet, im Bezirk Scheibbs allerdings noch nicht.

In der Neuen Mittelschule Steinakirchen liege das schlichtweg am Bedarf: „Wir haben nur sehr wenige Schüler, die nicht römisch-katholisch sind. Es melden sich auch kaum Kinder vom Religionsunterricht ab“, weiß Direktorin Elisabeth Kellnreiter. Selbst abmelden dürfen sich die Jugendlichen ab dem 14. Lebensjahr, davor obliegt das den Eltern. Dass die Schüler auch ein Verständnis für andere Religionen entwickeln, ist der Direktorin aber wichtig. „Im Sinne der Offenheit werden bei uns im Unterricht auch andere Anschauungen thematisiert“, berichtet sie.

„Ich denke, dass Wertebildung in unserer Gesellschaft absolut notwendig und sinnvoll ist. Das gehört zur Menschbildung dazu.“ Religionslehrer Franz Geppert

Eine Schule, die sich bereits am Ethikunterricht versucht hat, ist das BG/BRG Wieselburg. Der Versuch scheiterte allerdings am mangelnden Interesse, die meisten Schüler sind beim normalen Religionsunterricht geblieben. „Die Idee damals war es, eine Alternative für diejenigen anzubieten, die sich nicht mit dem angebotenen Unterricht identifizieren können“, erzählt Elternvereins-Obfrau Eva Lanzenberger. Darüber hinaus werden in Wieselburg ohnehin viele Religionen unterrichtet. „Da werden auch viele ethische Fragen diskutiert. Etwa wie die Schüler zu den Themen Abtreibung, Vergewaltigung oder Todesstrafe stehen“, erklärt Lanzenberger.

Ob Ethik unterrichtet werden soll, war im BORG Scheibbs bisher noch kein Thema. „Die Abmeldungen vom Religionsunterricht halten sich wirklich in Grenzen. Aber grundsätzlich halte ich es für eine gute Idee, die Schüler anstatt der Freistunde so zu beschäftigen“, meint Direktor Andreas Schmid. Ethische Themen werden aber auch im BORG Scheibbs bereits im gewöhnlichen Religionsunterricht thematisiert. „Wenn es generell eingeführt wird, wird es bei uns natürlich auch Ethikunterricht geben.“ Schlaflose Nächte bereite ihm das Thema aber noch nicht.

Eine ähnliche Ansicht vertritt auch Franz Geppert, Religionslehrer an der Neuen Mittelschule Purgstall sowie in der Polytechnischen Schule: „Die Wertebildung ist in unserer Gesellschaft absolut notwendig und sinnvoll. Das gehört zur ganzheitlichen Menschbildung dazu, egal ob mit oder ohne Bekenntnis.“

Der konfessionelle Religionsunterricht soll damit aber keinesfalls verschwinden. Vielmehr soll er durch den Ethikunterricht ergänzt werden. In beiden Gegenständen werden Werte gelehrt, wie die Rücksichtnahme auf den Nächsten oder Gewaltfreiheit. „Der Unterschied liegt darin, dass Ethik auf einem gesellschaftlichen Konsens beruht, und im Religionsunterricht der Glaube dahintersteckt“, erklärt er. Dass man der Freistunde einen Riegel vorschiebt, wird von allen Seiten positiv gesehen.

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