Gold für „Schnapsidee“ aus Mostviertel

Europäische Expertenjury zeichnete das Mostviertler Projekt „hochBROTzentig“ mit dem European Green Award für nachhaltige Entwicklung aus.

Erstellt am 07. Oktober 2021 | 05:33
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Das Winning-Team: Markenexperte und Designer Jürgen Undeutsch von der Agentur Undeutsch Media in Wieselburg, Brennweltmeister Doris und Josef Farthofer von der Destillerie Farthofer in Amstetten sowie der Innovationsgeist Moritz Aschauer von der Bäckerei Aschauer in
Pabneukirchen.
Foto: Michael Schafranek

„Früher wäre die Idee von Upcycling-Brot als Schnapsidee abgetan worden“, meint Moritz Aschauer, Student am Campus Wieselburg der FH Wiener Neustadt und Bäckersohn in fünfter Generation. Aber heute zeichnet der European Green Award „hochBROTzentig“ für seine exzellente grüne Lösung und für das Branding aus.

Die Wurzeln dieses internationalen Erfolges fußen in der Zusammenarbeit von drei regionalen Unternehmern aus dem Mühl- und aus dem Mostviertel, die sich der nachhaltigen Agenda verschrieben haben. Diese grüne Innovation hat der Jungspund Moritz der Bäckerei Aschauer aus dem Mühlviertler Pabneukirchen ins Rollen gebracht. Denn er erlebte zuhause, wie sich das aufwendig hergestellte Brot seiner Eltern am Abend nach Verkaufsschluss vom Lebensmittel in ein Müllproblem verwandelte. Er hat sich mit dem Brotproblem in Österreich befasst und festgestellt, „dass jedes Jahr rund 60.000 Tonnen Brot im Müll landen“. Eindeutig „zu viel“, lautet sein Fazit und damit war der Funke für das Upcycling-Projekt gezündet.

Ein echter „Tüftler“

als Destillateur

Nach einer Zeit der „Spinnerei“ wurde Josef Farthofer aus dem Mostviertel (Öhling) ins Boot geholt. Josef Farthofer beschäftigt sich mit dieser Upcycling-Methode mit Brot bereits seit 2012 und hat hier schon erste Versuche gestartet. Als weltmeisterlicher Destillateur hat er ein Händchen für feine Aromen und als innovationsfreudiger Tüftler kreierte er ein Rezept für diese Premium-Spirituosen. Er maischt das Altbrot ein, vergärt es und verfeinert es beim Destillieren mit einem Mix von 15 Botanicals zu einer Premium-Spirituose, die an Gin erinnert.

Und an diesem Punkt kam der Dritte im Bunde ins Spiel: Jürgen Undeutsch aus Wieselburg. Seine Markenkreation namens „hochBROTzentig“ hat letztendlich den internationalen Award in der Kategorie „Corporate Branding“ eingefahren. Er hat gemeinsam mit Doris Farthofer einen unkonventionellen Zugang für nachhaltige Spirituosen gewählt, der nicht die Funktionalität des Upcyclings in den Mittelpunkt stellt.

Schalkige Kreaturen statt „Gutmenschen“

Der talentierte Designer hat die Marke vielmehr mit Humor gewürzt und das Brot und die Kreislaufwirtschaft in den Fokus gestellt. Und der findet sich vor allem in den frechen Charakteren wider, die den Charakter der einzelnen Produkte widerspiegeln. Man würde „liebe“ Vertreter der „Gutmenschen“ erwarten, die die Verpackungen der unzähligen Bio-Produkte bevölkern und dauerlächeln. Nicht seine Kreationen: Sie gucken schalkig und sind gar nicht, wie man es erwartet. Sie überraschen wie die herrlichen Gaumenfreuden, für die sie Pate stehen. Humor hat der Markenexperte Undeutsch aber auch in die Namenskreation gepackt. Er spielt mit dem Rohstoff Brot auf eine erfrischende Weise, wenn beispielsweise die gin-ähnliche Spirituose aus Brot „BrotGINsky“ genannt wird. Davon zeigte sich die internationale Experten-Jury des European Green Award beeindruckt und bezeichnete es als „wegweisende Markenkreation im Nachhaltigkeitsbereich“.