Bezirk Scheibbs: Die vielen Facetten des Verzichtens. Nix Süßes, kein Alkohol oder weniger Zeit auf Social Media: Ist Verzicht in Zeiten der Pandemie überhaupt umsetzbar?

Von Claudia Christ. Erstellt am 17. Februar 2021 (04:52)
Bei Landeskammerrätin Anita Heigl (rechts) hat die Fastenzeit vor allem etwas mit Zufriedenheit und gesundem Essen zu tun.
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Fasten während der von Verzicht geprägten Corona-Zeit, für viele ist das heuer einfach schwer durchführbar. Nicht so für die Gamingerin Heide-Maria Galhuber. Die ausgebildete Fastenbegleiterin betreut seit fast zwei Jahrzehnten Menschen beim Heilfasten.

Bevor es ans Saftfasten geht, kam bei Heide-Maria Galhuber noch einmal ein Schnitzel und ein Glas Bier auf den Sonntagstisch (Bild).
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„Eigentlich bietet die Pandemie die ideale Voraussetzung für das Heilfasten, da das Leben derzeit sehr heruntergefahren ist. Zum Fasten gehört einfach dazu, dass man in sich geht und zur Ruhe kommt“, meint die 62-Jährige. Andererseits stellt diese Pandemie für viele auch eine physische Ausnahmesituation dar. „Das ist für das Heilfasten keine gute Ausgangsposition“, meint Galhuber, die gemeinsam mit ihrem Ehemann ihre jährliche Fastenkur am Aschermittwoch starten will.

Die ersten Tage wird der Fleisch- und Kaffeekonsum reduziert, danach erfolgt das sogenannte Glaubern, bei dem mittels Glaubersalz der Darm entleert wird. Danach folgen maximal Tage, an denen nur Saft getrunken wird. „Für mich ist das Reinigen des Körpers wie Zähneputzen. Nach so einer Kur werden die Geschmackssinne wieder neu sensibilisiert“, sagt die Fastenexpertin, die heuer zum ersten Mal keine Fastengruppe in Steinakirchen begleiten kann. „Das ist natürlich schade, aber das ist eine eingeschworene Gruppe, die weiß, wie richtiges Heilfasten funktioniert.“

Dass Fasten nicht immer mit Essen verbunden sein muss, glaubt Bezirksbäuerin Maria Zulehner: „Für mich ist die Fastenzeit eine Zeit für Geist und Seele, sich auf das große Osterfest vorzubereiten. Zeit nehmen für einen Besuch einer Kreuzwegandacht, bewusst auf das große Angebot von Konsumgütern zu verzichten.“ So kommt bei den Zulehners auf den Mittagstisch einfache Kost aus der Region, meist selbst produziert. Außerdem hat sich die Bezirksbäuerin heuer vorgenommen: „40 Tage lang den Süßigkeiten am Abend zu widerstehen, hoffe es gelingt mir, dann ist die Freude umso größer über die leckeren Sachen im Osternest.“

„Für mich ist die Fastenzeit eine Zeit für Geist und Seele. “ Maria Zulehner, Bezirksbäuerin

Zufriedenheit und Dankbarkeit, diese beiden Begriffe verbindet Landeskammerrätin Anita Heigl aus Göstling mit der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern. „Corona hat uns bereits das Verzichten gelehrt. Es sind die einfachen Dinge, die uns glücklich machen und natürlich gehört da ein gutes Essen auch dazu.“

Essen hat auch in ihrer Familie durch Corona noch einen hohen Stellenwert bekommen. „Ich koche nun täglich für meine Familie und das mit regionalen und hofeigenen Produkten.“ Das wird sich auch in der Fastenzeit nicht ändern. „Und auf mein selbst gemachtes Joghurt kann ich sowieso nicht verzichten, das kommt bei mir dreimal täglich auf den Tisch.“ Worauf die 46-Jährige aber gut und gerne verzichtet kann, ist Alkohol. „Den trinke ich eigentlich schon seit meiner Jugend nicht mehr. Einfach weil er mir nicht schmeckt.“

Großteils verzichten will Wieselburgs Pfarrer Daniel Kostrzycki in den nächsten Wochen auf Soziale Medien wie Facebook, „außer ich tue etwas für die Pfarre, für alle die sich dort weiterhin aufhalten werden, und informiert werden sollten.“ Zudem soll es in der Fastenzeit im Pfarrhaus weniger Fernsehen, Radio und Süßigkeiten geben, „um mehr die innere Stimme in mir intensiver zu vernehmen“, meint der Geistliche und ergänzt: „Ich freue mich auf die intensivere Zeit für Meditation, Gebet, Zeit mit der Bibel und auf gute Buchlektüre. Am Ende der Fastenzeit werden wir als bereicherte, freiere Menschen das Osterfest genießen. Also es lohnt sich, die Fastenzeit zu nutzen.“

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