"Klarer Auftrag" für Peter Erlacher nach Infostunde. FHWN-COO Peter Erlacher stellte sich Fragen der Studenten und Absolventen. Die fordern weiter den Verbleib von Malschinger und Grimm.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 26. Februar 2019 (03:00)
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Freitagabend fand sie statt, die von den Initiatoren der #AMUpower2019 ausgeschriebene und gemeinsam mit der Hochschülerschaft und dem AMU-Alumni-Club organisierten Infostunde, in der offene Fragen zum Abgang von Campus-Leiterin Astin Malschinger und Studiengangs-Leiterin Andrea Grimm beantwortet werden sollten. Der Audi-Max war mit rund 130 Zuhörern bis auf den letzten Platz gefüllt. Am Facebook-Livestream verfolgten bis zu 600 Personen die Fragestunde. Am Podium: Astin Malschinger, Andrea Grimm und Peter Erlacher, COO der Fachhochschule Wiener Neustadt und Mitglied der Geschäftsführung.

Nach Hause fuhr dieser mit einem klaren Auftrag: Er solle noch einmal mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat reden, die Entscheidung über die einvernehmliche Vertragsauflösung von Malschinger und Grimm zu überdenken. Ernst Ternon, interimistischer Leiter des Master-Studienganges Green Marketing, bot sich sogar als Mediator an. „Eine Mediation schadet und verpflichtet niemanden, aber bringt vielleicht die Möglichkeit, die Gespräche auf eine andere Ebene zu rücken“, betonte Ternon.

Erlacher versprach, „diesen Auftrag mit nach Wiener Neustadt zu nehmen und mit den Gremien zu sprechen.“ Bislang hätten allerdings Vorstand und Aufsichtsrat nicht an den unterschriebenen Auflösungsverträgen rütteln wollen. Dabei wäre Astin Malschinger auf alle Fälle noch bereit, weiterzumachen, wie sie am Freitag vor den jubelnden Stundenten betonte. „Ich frage Peter alle fünf Minuten, ob ich bleiben kann“, sagte Malschinger mit einem Lächeln.

Keine Konsequenzen für Unterzeichner

Dass dies der eindeutige Wunsch der Studenten und auch Absolventen – und damit der Stakeholder des FH-Campus – ist, kam nicht nur durch die Anwesenden deutlich zum Ausdruck, sondern auch durch mehr als 1.250 Petitionsunterzeichner. Diesen drohen wie von einigen befürchtet, keine Konsequenzen seitens der Fachhochschule. „Dazu gibt es von mir ein entschiedenes und klares Nein. Sich für etwas einzusetzen, ist eines unserer höchsten Güter der Demokratie – solange man sich im rechtlichen Rahmen bewegt“, betonte Erlacher.

Wenngleich auch nicht alle offenen Fragen an diesem Abend beantwortet wurden, so kamen doch einige Hintergründe ans Tageslicht. Peter Erlacher wollte die seit eineinhalb Jahren dauernden Verhandlungsgespräche zwischen Malschinger und Grimm mit FH-CEO Josef Wiesler, der ebenfalls mit Ende Februar aus privaten Gründen abtritt, nicht kommentieren.

Astin Malschinger und Andrea Grimm bestätigten aber die grundlegenden Auffassungsunterschiede, die zur einvernehmlichen Auflösung führten. „Wir waren bis vor zwei Jahren bestens in der FH Wiener Neustadt integriert. Dann begann die Phase, in der wir in Entscheidungsprozesse nicht mehr eingebunden wurden. Stellen wurden nicht nachbesetzt, Zusagen nicht eingehalten, obwohl die budgetären Ressourcen vorhanden gewesen wären“, schildert Malschinger. „Wir waren es in Wieselburg immer gewohnt, gestalten zu können und interdisziplinär zusammenzuarbeiten. Jeder war für jeden zuständig. Das war unser über die Landesgrenzen hinaus anerkanntes Erfolgsrezept. Das will man nicht mehr. Nur wir sind keine Studienprogramm-Verwalter“, ergänzte Andrea Grimm.

Auch ohne Happy End ein klares Signal

Dass jetzt, nach der Trennung von Malschinger und Grimm mit Wirkung von 28. Februar, auf einmal Bewegung in die Sache kommt, schmerzt und freut Malschinger sogleich. Denn der Fachhochschul-Campus Wieselburg soll in den Bereichen Gesundheitswissenschaften und Technik erweitert werden, wie auch Erlacher bestätigte. „Jetzt geht es, wofür wir lange kämpfen mussten. Uns lagen die Themen Nachhaltigkeit und Diversity immer am Herzen.

Aber in dieses Zukunftsszenario hat uns in den letzten eineinhalb Jahren Diskussionsprozess keiner eingebunden“, erklärte Malschinger, deren Ziel bei ihrem Antritt als Studiengangsleiterin 1999 immer 1.000 Studenten am FH-Campus Wieselburg waren. „Bis 800 habe ich es geschafft. Die 1.000 werde ich scheinbar leider nicht mehr hier erleben“, sagte Malschinger und verabschiedete sich an diesem Abend in gewisser Weise auch von ihrem Campus, appellierte aber an alle, den AMU-Spirit weiterleben zu lassen.

„Konflikte gehen manchmal scheiße aus. Aber es ist ein Teil einer neuen Hochschulgeschichte. Diese Bewegung hat gezeigt, dass Studenten und die Mitarbeiter das Wichtigste sind und viel bewegen können. Ihr macht das, was wir euch gelehrt haben. Das ist ein Anfang, nicht das Ende“, betonte Malschinger.

ZITIERT: „Man ignoriert uns“

„Wer von Ihnen würde in ein Flugzeug steigen, wo er nicht weiß, ob der Tank reicht für den Flug. Nach zwei Jahren habe ich gesagt, ich muss das Handtuch werfen, denn offenbar hört man meine Bitten nicht. So habe ich das Handtuch geworfen und siehe da: Jetzt geht‘s.“
Astin Malschinger

„Wiener Neustadt ist nicht das Böse, das gegen die Außenstandorte wie Wieselburg vorgeht.“
Peter Erlacher

„Seit 29. Jänner bin ich für dieses Projekt verantwortlich. Ich kann nicht sagen, was vorher wer mit wem gesprochen oder versprochen hat, will und kann das daher auch nicht kommentieren.“
Peter Erlacher

„Andere gehen mit meinem Alter in Pension. Ich will hier helfen, den Spirit zu erhalten. Ersetzbar sind Astin und Andrea ohnehin nie. Ich mache das weder wegen des Geldes noch wegen der Show. Daher biete ich mich auch als Mediator an.“
Ernst Ternon

„Ist das der Stil, den die Fachhochschule Wiener Neustadt künftig pflegt. Man ignoriert die Wünsche der Studierenden und schadet dem Ruf der Absolventen. Wir sind die Stakeholder. Aber auf die legt man scheinbar keinen Wert.“
Student Patrick Pranger

Der Facebook-Livestream von der Veranstaltung ist über die FB-Seite von #AMUpower2019 abrufbar.