„Es werden neue Wege beschritten“. Ein halbes Jahr nach dem Abgang von Astin Malschinger haben sich die Wogen gelegt. Weichen für weitere erfolgreiche Wieselburger Campus-Zukunft sind gestellt.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 13. August 2019 (03:01)
Christian Eplinger
FH-Geschäftsführer Peter Erlacher ist zufrieden mit der jüngsten Entwicklung in Wieselburg. „Der Sturm hat sich gelegt. Die von vielen befürchteten Schreckgespenster sind ausgeblieben. Teamarbeit auf allen Ebenen ist angesagt.“

Sommerferien. Es ist, abgesehen von den Bauarbeiten für das dritte Campus-Gebäude, ruhig am Fachhochschul-Campus Wieselburg der Fachochschule Wiener Neustadt. Nur wenige Studenten, Mitarbeiter und Lehrende sind anzutreffen. Unter ihnen FH-Geschäftsführer Peter Erlacher. Zumindest einmal pro Woche kommt er von Wiener Neustadt nach Wieselburg, um einerseits an den Baubesprechungen teilzunehmen und sich andererseits über die neuesten Entwicklungen am Campus zu informieren.

Nach dem „lauten“ Abgang von Campus-Leiterin Astin Malschinger und ihrer Stellvertreterin Andrea Grimm im Februar war einiges auf neue Beine zu stellen. „Ich glaube, wir haben das ganz gut geschafft. Die Aufregung hat sich gelegt. Die Schreckgespenster und Horrorszenarien, die von einigen über die bösen Wiener Neustädter in Umlauf gesetzt wurden, haben sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil. Die Zusammenarbeit läuft immer besser. Unsere drei Campus Wiener Neustadt, Wieselburg und Tulln wachsen zu einer Einheit zusammen, die Synergien nutzt und sich standortübergreifend in Teams organisiert“, sagt Erlacher.

Krise als Chance genützt und ein Team geworden

So hat etwa Maximilian Kobler von Wieselburg aus die IT-Leitung für die gesamte Fachhochschule Wiener Neustadt übernommen. Und im Bereich der StartUps etwa kommt es schon zu standortübergreifenden Lehrveranstaltungen.

„Ich glaube, wir haben die Krise als Chance genützt“, sagt auch Ernst Ternon, einer der drei Lehrenden, die nach dem Abgang von Malschinger und Grimm interimistisch eine Studiengangsleitung übernommen haben. „Wir sind schnell ein eingeschworenes Team geworden und mit Enthuisiasmus an die Arbeit gegangen. Sachen, die anfänglich, aufgepoppt sind, rückten damit in den Hintergrund. Vieles ist anders geworden – ohne zu werten ob besser oder schlechter. Aber der Austausch mit Wiener Neustadt ist jetzt sicher intensiver. In beide Richtungen und das ist kein Nachteil“, schildert Ternon.

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Voll im Kosten- und Zeitplan ist auch der Neubau des dritten Campus-Gebäudes, dessen Außenansicht zur Bundesstraße dem Projekt den Namen „Post-it“ verpasst hat.

Die Zeit der Interimslösungen ist mittlerweile auch vorbei. Alle drei im Sommersemester noch interimistischen Studiengangsleiter, haben ihre Verträge unterschrieben und werden ab Herbst ihre Studiengänge fix leiten. Auch bei den übrigen fünf Studiengängen ändert sich nichts im Führungsteam. Dazu übernimmt Lorena Meierhofer nun endgültig fix die Koordination für Lehre und Forschung am Campus Wieselburg.

„Bei einem Standort-Strategie-Gipfel im Herbst wollen wir den Bedarf in der Region ausloten.“Peter Erlacher über die künftige weitere Ausrichtung der FH

Eines ist auch gewiss: Der Andrang an Studenten ist am FH-Campus Wieselburg nicht weniger geworden. „Wir haben eigentlich für alle Studiengänge mehr Interessenten als freie Plätze“, weiß Peter Erlacher. 694 genehmigte Studienplätze gibt es für den Campus Wieselburg. Bis zu 800 Studenten bevölkern den Campus, weil es Überschneidungen gibt. Das langfristige Ziel für den Campus Wieselburg bleiben die 1.000 Studenten. Aber da bedarf es einer Entscheidung des Ministeriums. „Der Bund muss neue Studienplätze freigeben. Für diese bewerben sich aber alle Fachhochschulen Österreichs. Je besser vorbereitet ein Studiengang ist und je besserer in die Gesamtbildungsstrategie des Bundes passt, desto höher die Chancen, dass man den Zuschlag bekommt“, weiß Erlacher.

NOEN

In Wieselburg steht ganz oben und interdisziplinär über allen Studiengängen das Thema Nachhaltigkeit. Daneben wird der Ruf nach einem Technik-Studiengang immer lauter. „Nach intensiver Absprache mit den beiden Wieselburger Bürgermeistern wird es im Herbst einen Standortstrategie-Gipfel geben, in dem wir die großen Unternehmen der Region wie etwa ZKW einbinden wollen. Wir wollen ausloten, welcher Bedarf in der Region vorhanden ist, um darauf aufbauend einen entsprechenden passenden Studiengang beim Ministerium einreichen zu können“, erklärt Erlacher.

Ebenfalls in diese Richtung gehen die intensivere Zusammenarbeit mit Bioenergy 2020+, in die sich die FH Wiener Neustadt mit 16 Prozent eingekauft hat, und mit dem Bachelor-Studiengang Agrartechnologie am Francisco Josephinum. Deren Studenten werden künftig auch vermehrt studiengangübergreifende Lehrveranstaltungen am FH-Campus Wieselburg besuchen.