Wieselburg-Land: Wo sich die Kois richtig wohlfühlen. Harald Teufl hat mit dem Kauf seines ersten Kois einen Narren gefressen. Nun ist er selbst einer von wenigen Koi-Händlern.

Von Anna Faltner. Erstellt am 12. Juni 2021 (08:11)
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Insgesamt acht Verkaufsbecken mit vielen verschiedenen Koi-Sorten aus Japan und Indonesien stehen im Garten von Familie Teufl in Weinzierl.
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Eine gewisse Begeisterung für Fische hatte Harald Teufl schon als Kind. Damals beobachtete er sie noch im Aquarium, heute nimmt der 45-Jährige regelmäßige Reisen in Kauf, um seine japanischen und indonesischen Kois nach Weinzierl zu holen.

Bauhaus-Koi war der Anfang

Die Leidenschaft für den Kultfisch wurde vor etlichen Jahren durch den Kauf eines Bauhaus-Kois für sein Biotop entfacht. „Zuerst habe ich klein angefangen, vor 14 Jahren habe ich dann den großen Teich gebaut“, erzählt Teufl. Der fasst 45.000 Liter und beheimatet aktuell etwa 30 Fische. Pro Fisch sind 1.000 Liter und eine gute Filteranlage nötig, damit der Fisch sich wohlfühlt und vor allem, damit er wachsen kann.

Das sagt Harald Teufl seinen Kunden, wenn er ihnen ihren Koi übergibt. Die Kois aus dem Teich gehören aber gar nicht alle zu den Verkaufstieren. „Man baut da schon eine richtige Beziehung auf, sie sind auch irgendwie Familienmitglieder geworden“, sagt der Wieselburger. Vor allem die Zahmheit und Zutraulichkeit der Fische hat ihn begeistert. Daher schwimmt so mancher Koi schon seit 14 Jahren im Teich – manchmal sogar gemeinsam mit dem „Herrl“. „Das ist oft gar nicht so einfach, weil sie sofort da sind und denken, jetzt bekommen sie etwas zu fressen“, lacht der 45-Jährige.

„Man baut schon eine richtige Beziehung auf, sie sind auch irgendwie Familienmitglieder geworden.“ Harald Teufl

Diese Begeisterung für Kois ermöglicht Harald Teufl, wie schon erwähnt, aber auch vielen Koifans in Österreich, die mittlerweile schon zu Stammkunden geworden sein. Sein Hobby wurde in den vergangenen Jahren, motiviert durch einen befreundeten Händler in Deutschland, zum Nebenerwerb. Damit ist er einer von nur wenigen Koihändlern in ganz Österreich, vermutlich sogar der einzige, der auch indonesische Kois besitzt. Mit Agenten und deutschen Händlern arbeitet er für die regelmäßigen Importe zusammen.

Wer die Züchter in Japan und Indonesien sind, schaut sich der Wieselburger vor dem Kauf genau an. Der Großteil seiner japanischen Kois kommt aus dem Niigata-Gebiet, das etwa 300 Kilometer nördlich von Tokio entfernt liegt. Wenn die Fische importiert werden, sind sie ein bis zwei Jahre alt. Mit einem Jahr werden sie „Tosai“ genannt, mit zwei Jahren „Nisai“.

Ein- bis zweimal pro Jahr fährt Teufl nach Frankfurt, um sich dort vom Flughafen seine frisch importierten Tiere abzuholen. In Weinzierl angekommen, dürfen die Neuankömmlinge aber nicht gleich mit den bereits dort lebenden Fischen zusammenschwimmen. „Es gibt gewisse Karpfenkrankheiten, die sehr gefährlich sein können. Ich lasse die Tiere von einem sehr guten Tierarzt aus Wien begutachten. Dann schaut sich das der Amtstierarzt an und nach einer Quarantänezeit kommen sie ins normale Verkaufsbecken. Mit dem Verkaufen warte ich dann noch ein paar Monate“, erklärt Teufl.

Kois wachsen unterschiedlich schnell

Wie lange die Kois in seiner Obhut bleiben, ist ganz unterschiedlich. Je größer sie sind, umso länger sind sie vermutlich schon in Österreich. „Wobei es wie bei den Menschen ist. Manche wachsen schneller, andere langsamer. Aber jeder entwickelt sich irgendwie anders.“

Das Wichtigste ist für ihn, dass der Fisch ein gesundes und schönes Leben hat. Und das erfordert auch viel Einsatz. „Man braucht einen starken Filter für das Becken, die Biologie, das Wasser und sehr gutes Futter sind da wichtig. Alles muss zusammenspielen“, betont er.

Drei Mal pro Woche wird per Staberltest die Wasserqualität kontrolliert. Und drei Mal füttert Teufl seine Schützlinge und kontrolliert die Pumpen. Auch die Lebenserwartung hängt natürlich vom Umfeld ab. Für gewöhnlich können die Zierfische etwa 25 bis 35 Jahre alt werden. Die Wassertemperatur sollte immer zwischen acht und 25 Grad liegen. Sonne und UV-Strahlen sind ebenso wichtig für die Entwicklung und Entfaltung der speziellen Farbe.

Wie sich der Fisch entwickelt, zeigt sich ab dem Alter von zwei Jahren („Nisai“) schon sehr deutlich. Ab diesem Alter stellt Teufl auch Einzelfotos der Tiere ins Internet, damit sich die potenziellen Käufer ihren Favoriten bereits im Vorfeld aussuchen können. „Ich bin überzeugt, dass ich für jeden den passenden Fisch habe. Immerhin möchte ich den Leuten eine Freude machen. Bisher ist das, glaube ich, auch ganz gut gelungen“, ist er zufrieden.

„Ich will immer wissen, dass es ihnen gut geht“

Bis zum Verkaufstermin muss alles stimmen. Denn der 45-Jährige verkauft den Fisch nur dann, wenn er gut bei Kräften ist. Dazu muss die Wassertemperatur bei etwa 15 Grad liegen – mit Aufwärtstrend zum warmen Wetter. „Ich will ja auch wissen, dass es ihnen sicher gut geht, wenn sie in ein neues Zuhause kommen.“ Einen Tipp gibt er seinen Kunden auch noch. Nämlich den, dass der Koi sich am wohlsten mit anderen Kois fühlt. „Er ist ein Schwarmfisch. Einen Koi einzeln zu halten, ist nicht gut. Denn er fühlt sich in Gesellschaft wohl.

Also immer mindestens zwei, drei Kois halten. Einige geben ihn mit Goldfischen zusammen, das ist okay. Aber mit dem Stör, zum Beispiel, passt das gar nicht“, informiert der Profi. Beim Preis ist viel Spielraum. Von 45 Euro bis zu 5.000 Euro pro Koi ist zu rechnen. Die Nachfrage nach dem Zierfisch wird laut ihm übrigens immer größer. Seine Kunden kommen extra aus Wien, Oberösterreich oder dem Burgenland angereist. „So extrem wie in Deutschland ist es noch nicht, aber ich denke, dass der Trend immer stärker wird. Vor allem durch die Corona-Krise sind die Leute mehr daheim und eher motiviert, sich Fische anzuschaffen.“