Gablitzer in Lunz: Die Lage vor 233 Millionen Jahren. Forschungen des Paläontologen Alexander Lukeneder in Lunz am See geben Aufschluss über drastische Klimaänderungen vor 233 Millionen Jahren.

Von Melanie Baumgartner. Erstellt am 08. Mai 2021 (04:09)
Lunz Forschung Vor 233 Millionen Jahren
Der in der Gegend rund um Lunz am See entdeckte Fisch stammt aus der Triaszeit und ist bereits rund 230 Millionen Jahre alt (links). Paläontologe Alexander Lukeneder (Bild) erforscht eine der größten Umweltkatastrophen. Fotos: Lisa Marie Lukeneder/NHM/Alexander Lukeneder
Lisa Marie Lukeneder/NHM/Alexander Lukeneder

Vor 233 Millionen Jahren kam es zu einer der größten Umweltkatastrophen der Erdgeschichte. Der Klimawandel führte damals zu einem gigantischen Massensterben. Diese Phase, die auch unter „Karnische Krise“ bekannt ist, konnte bei Lunz am See beobachtet werden und wird in den kommenden zwei Jahren vom Gablitzer Paläontologen Alexander Lukeneder mit einem internationalen Team erforscht werden.

Finanzielle Unterstützung erhalten die Wissenschafter dabei vom Land Niederösterreich sowie von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. „Diese legendäre Fundstelle wurde bereits um 1880 entdeckt. Damals wurden in dem Gebiet Stollen für die Kohlegewinnung geschaffen. Dabei stieß man aber auch auf Fossilien“, erklärt Lukeneder im NÖN-Gespräch.

Es wurden tausende Fossilien, wie Ammoniten, Tintenfische, Muscheln, Schnecken und Krebse gefunden, die die Grundlage für die heutigen Forschungen bilden. „Die fantastische Erhaltung der Fossilien ermöglicht es uns, neue Erkenntnisse zum Klima der Triaszeit zu gewinnen“, sagt Lukeneder.

Immer wieder war die Fundstelle zwar im Gespräch, eine wissenschaftliche Bearbeitung gab es bisher aber nie. „Wir haben uns bereits Schicht für Schicht angeschaut. Dabei untersuchen wir die Profile und die darin enthaltenen Fossilien genau. Die Geochemie der Sedimente erlaubt uns Rückschlüsse auf Sauerstoffgehalt, Wasserchemie und Meerestemperatur, was uns eine Rekonstruktion der ehemaligen Lebensräume ermöglicht“, erklärt der Gablitzer.

Rund zwei Millionen Jahre dauerte die globale Karnische Krise an. Während dieser Zeit kam es zum Zusammenbruch ganzer Ökosysteme. Gewaltiger Vulkanismus in Kanada und den USA führte zu einem Anstieg von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre, was in der späten Triaszeit eine starke Klimaerwärmung mit wesentlich feuchterem Klima zur Folge hatte. Zudem spülten weltweit die monsunartigen Regenfälle Sediment in die Meere.

„So dokumentieren die Gesteine um Lunz am See das dramatische Absterben von Korallenriffen, das Entstehen von sauerstoffarmen Meereswüsten und das Erblühen von dichten Sumpfwäldern als Folge einer drastischen Klimaänderung“, fasst Lukeneder die Entdeckungen rund um Lunz am See zusammen.