Der Bürgermeister, der keinen Alkohol trinkt. Vor vier Jahren fasste der Reinsberger Ortschef Franz Faschingleitner den Entschluss, auf Alkohol zu verzichten. Er möchte mit Vorbildwirkung vorangehen.

Von Anna Faltner. Erstellt am 20. März 2021 (05:11)
Franz Faschingleitner
Anna Faltner

Es war der Faschingsdienstag vor vier Jahren. Da hat Franz Faschingleitner sein letztes Glaserl Wein getrunken. Davor waren es auch schon ein paar. Und die Tage zuvor ebenso. „Da hab‘ ich mir gedacht: So geht das nicht weiter. Ab morgen, also mit Aschermittwoch, höre ich auf. Die Fastenzeit erschien mir da als idealer Zeitpunkt“, sagt der Reinsberger Bürgermeister. Und er hörte auf. Bis heute verzichtet er auf Alkohol – privat und im Beruf.

Dass einem Politiker auf Veranstaltungen, Sitzungen und unterschiedlichsten Treffen schnell einmal ein Bier oder Schnaps angeboten wird, hat Faschingleitner bald nach seinem Bürgermeisterantritt 2013 festgestellt. „Zwar waren das keine Übermengen und auch betrunken war ich nie. Aber für mich war die Häufigkeit das Schlimme. Man hat fast jeden Tag Abendtermine. Und danach trinkt man etwas zusammen. So ist eben unsere Gesellschaft“, erzählt der 52-Jährige.

Zudem brauche es dann am nächsten Tag eine gewisse Regenerationszeit. „Man ist doch müder und weniger leistungsfähig“, ist sich Faschingleitner sicher.

„Wir jammern, wenn die Jugend zu viel trinkt. Und selbst machen wir Fotos, wenn wir mit Bier und Wein anstoßen.“ Franz Faschingleitner, Bürgermeister in Reinsberg

Hinzu kommt das Bewusstsein, als Bürgermeister Vorbild für die Jugend zu sein. „Wir Politiker jammern, wenn die Jugendlichen zu viel trinken. Und selbst machen wir gemütlich Fotos, wenn wir mit Bier und Wein anstoßen. Da üben wir unsere Vorbildfunktion nicht ganz richtig aus“, meint er. Genau diese Runden sind aber verheerend, denn da wird der Wein einfach eingeschenkt. „Das ist schon fast ein gewisser Zwang.“

Besonders spannend waren die Reaktionen auf Faschingleitners Entschluss, keinen Alkohol mehr zu trinken. Vorweg: Die Frage, ob er ein Alkoholproblem hatte, kam oft, konnte er aber gleich verneinen. „Ab und zu habe ich schon gerne ein Achterl Wein getrunken. Das würde mir auch heute noch schmecken. Aber ich finde es nicht notwendig.“

Ebenso gefragt wurde er, ob er krank sei. Denn für manche war die freiwillige Abstinenz nicht zu verstehen. Für Faschingleitner war das zu Beginn auch nicht ganz einfach. Oft wird es schon allein aus Höflichkeit erwartet, „eines mitzutrinken.“ Zum Beispiel, wenn er zu Gratulationen ins Haus kommt. „Die Leute wollen gute Gastgeber sein. Sie stellen dir, ohne zu fragen, ein Bier hin. Für sie ist das unhöflich oder abwertend, wenn man das dann nicht trinkt.“

Einmal wurde ihm sogar nach einer Stunde ein neues Bier hingestellt, weil das „alte“ ja nicht mehr kalt war. Oder eine andere Situation: Nach einer Veranstaltung um Mitternacht an der Schank. Ein Gemeindebürger möchte ein Anliegen mit dem Ortschef bei einem Bier besprechen.

„Das gemeinsame Trinken ist ja auch ein sozialer Aspekt. Da muss man den richtigen Ton finden. Wenn ich sage, ich trinke nichts, dann fühlt sich mein Gegenüber schnell abgeblockt“, schildert Faschingleitner. Und auch einige Bürgermeisterkollegen waren sich anfangs sicher: Als Bürgermeister nichts trinken, das geht nicht.

Nun wird nur noch Apfelsaft eingeschenkt

Mittlerweile hat Faschingleitner gezeigt: Das geht. Und: Nach einem kurzen Gespräch – warum und wieso – waren die Reaktionen eigentlich alle positiv. In seinem Umfeld hat er auch schon ein bewussteres Trinkverhalten bemerkt.

Vor allem die Reinsberger Jugend hat das schnell akzeptiert und dem Ortschef von Beginn an seinen geschätzten Apfelsaft eingeschenkt. Genauso wie die Reinsberger Wirte. „Ich habe auch das Gefühl, dass die Tendenz zum weniger Trinken geht. Und die Brauereien bieten immer mehr alkoholfreie Alternativen an. Das finde ich super.“