Bezirk Scheibbs: Erst testen, dann geht‘s in den Salon. Sowohl Kunden als auch Dienstleister brauchen negative Corona-Tests. Eine große Herausforderung für alle.

Von Karin Katona und Anna Faltner. Erstellt am 10. Februar 2021 (05:38)
Fußpflegerin Irmi Zoufal (rechts) mit einer Kundin. Weil sie zu ihren Kunden ins Haus kommt, muss sie sich darauf verlassen, dass diese vor ihrem Besuch gut durchlüften: „Ich lege es den Kunden ans Herz, kontrollieren kann ich es nicht.“
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Wie die meisten Dienstleister freut sich Friseurmeisterin Bianca Stöckl darauf, wieder Kunden in ihrem Salon in Purgstall zu begrüßen. In die Freude mischt sich aber auch Unmut über die neuen Vorschriften – besonders jene, bei den Kunden Corona-Tests kontrollieren zu müssen. „Es ist unglaublich, wie man mit Menschen umgeht. Nicht nur, dass wir selbst kontrolliert werden, wir werden gezwungen, uns gegenseitig zu kontrollieren.“

Sie halte sämtliche Hygieneregeln ein, wolle aber nicht die Verantwortung dafür tragen müssen, dass ihre Kunden sich testen lassen. „Hundertprozentig sicher sind die Tests auch nicht. Und ich bin kein Arzt, der Testergebnisse kontrolliert und sagt, wer herein darf und wer nicht. Ich gehe davon aus, dass jemand, der sich nicht gesund fühlt, ohnehin keinen Friseurtermin ausmachen wird.“

Auch der Verpflichtung zum Tragen der FFP2-Masken steht die Friseurmeisterin skeptisch gegenüber: „Es ist für mich nicht erwiesen, dass diese Masken tatsächlich besser vor Viren schützen. Tatsache ist aber, dass ich nach einigen Stunden im Geschäft mit dieser Maske das Gefühl habe, keine Luft mehr zu bekommen. Das kann für die Lunge nicht gut sein.“ Bianca Stöckl hat ihre Meinung vergangene Woche auch in einem Video auf Facebook geäußert: „Ich wollte meinen Frust kundtun. Mir geht es um Eigenverantwortung und Selbstbestimmung statt Kontrolle.“

„Ich werde mich strikt daran halten, in meinem eigenen Interesse und in dem meiner Kunden.“ Irmi Zoufal, Fußpflegerin in Wieselburg

Die aktuelle Situation stellt eine große Herausforderung für die Branche der „körpernahen Dienstleister“ dar. Dennoch ist die Scheibbser „Intercoiffeur Top Hair“-Inhaberin Kirstin Eßletzbichler der Meinung, dass man gerade jetzt zeigen sollte, wie es funktionieren kann. „Wenn man diszipliniert ist, dann funktioniert es auch. Ich nehme das Ganze sehr ernst, auch privat. Und meine Kunden schätzen das auch“, ist die Frisörin dankbar.

Und genau diese Kunden haben sich ab der Verkündung der Regierung, dass Frisöre wieder öffnen dürfen, gleich bei Eßletzbichler gemeldet. „Ich freue mich wirklich sehr darüber, dass wir wieder aufsperren können. Das ist wirklich wichtig für uns. Und ich glaube, wir werden das schaffen. Je disziplinierter wir damit umgehen, umso besser ist es für alle“, ist sie überzeugt.

Und so gelten auch bei ihr die FFP2-Maskenpflicht sowie die Pflicht, ein höchstens 48 Stunden altes negatives Testergebnis vorzuweisen. Eßletzbichler geht davon aus, dass der Großteil ihrer Kunden freiwillig gleich bei der Anmeldung das negative Testergebnis vorweist. „Wer das nicht macht, den werde ich darauf hinweisen.“

Bekannt ist, dass stichprobenartige Kontrollen gemacht werden – durch die Polizei oder die Gesundheitsbehörde. Eßletzbichler ist auch Vertrauensperson des Bezirks Scheibbs bei der Friseurinnung. „In der Innung sind wir guter Dinge, dass sich das Ganze in den nächsten Wochen schon einspielt und die Kunden mit den neuen Maßnahmen klarkommen.“, sagt sie. Größere Probleme, dass Kunden aufgrund der Vorschriften nicht kommen wollen, hat die Friseurin zum Glück nicht.

Froh, wieder arbeiten zu können, aber noch unsicher, wie dies unter den neuen Bedingungen funktionieren wird, ist die mobile Fußpflegerin Irmi Zoufal aus Wieselburg-Land. Auch sie wird sich von ihren Kunden negative Corona-Testergebnisse vorlegen lassen und wird jeden zweiten Tag selbst morgens vor der Arbeit testen gehen. „Spontan Termine machen wie früher geht jetzt nicht mehr“, bedauert die Fußpflegerin.

Was im Moment doppelt schade ist, denn der Kundenansturm ist groß. „Ich habe noch nicht einmal den Rückstand vom vorletzten Lockdown aufgearbeitet“, sagt Zoufal. „Für die kommenden Wochen werde ich rund um die Uhr im Einsatz sein. Ich kann nur hoffen, dass meine Kunden dafür Verständnis haben, wenn sie auf einen Termin warten müssen.“

Als mobile Dienstleisterin ist die Fußpflegerin darauf angewiesen, dass auch ihre Kunden die vorgeschriebenen Corona-Hygieneregeln einhalten. Sprich: Bevor sie kommt, müssen Personen, die nicht getestet sind, den Raum verlassen haben, der Raum muss gut durchgelüftet sein. „Ich kann das den Kunden nur ans Herz legen, verlangen oder kontrollieren kann ich es nicht“, sagt Zoufal.

Trotz der Herausforderungen, die auf sie zukommen, unterstützt sie die Corona-Regelungen: „Ich werde mich strikt an die Hygienevorschriften halten, in meinem eigenen Interesse und in dem meiner Kunden. Viele von ihnen sind betagte Menschen. Ich würde mir große Vorwürfe machen, wenn ich jemanden anstecke.“

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