Purgstall-Obmann Plank: „Der Lohn eines Funktionärs ist der Erfolg“

Erstellt am 05. Juli 2022 | 20:00
Lesezeit: 4 Min
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Purgstall bejubelt den Gewinn des NÖ-Meistercups. Jener Erfolg wie Ende Juni gibt Gerhard Plank (3. von links) als Obmann der SVg Purgstall Ansporn für sein Engagement.
Foto: Raimund Bauer
Es wird schwieriger, Personen zu finden, die eine aktive Rolle in Vereinen annehmen wollen. Ansprüche haben sich geändert.
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Der Fußballsport verbindet, der Fußballsport polarisiert. Eine Mischung, die in der heutigen Gesellschaft immer wieder für Zündstoff sorgt und Stammtische wöchentlich sehr viel widersprüchlichen Gesprächsstoff liefert. Nicht selten stehen dabei die Vereinsfunktionäre im Mittelpunkt der Diskussionen und in der Kritik. Vor allem die Funktionäre an vorderster Stelle, wie Obmänner und Sportliche Leiter, müssen sich nicht nur am Fußballplatz, sondern auch im öffentlichen Beisammensein, auf der Straße, beim Einkaufen, in Gasthäusern oder bei Gemeindeveranstaltungen einiges anhören und gefallen lassen, speziell dann, wenn der sportliche Erfolg einmal nicht so gegeben ist.

Ein Fußballfunktionär, der sich in seiner bisherigen 42-jährigen Tätigkeit eine äußerst dicke Haut zugelegt hat, ist Purgstalls Obmann Gerhard Plank. Seine Beweggründe, nach seiner aktiven Karriere eine Funktionärslaufbahn einzuschlagen, sind heute wie damals sinngebend: „Ich wollte Teil des Ganzen sein, mich einbringen und mitgestalten. In Ernst Kramml hatte ich einen wichtigen Förderer, der mich zu diesem Schritt bewogen und mich stets unterstützt hat. Fußball als Mannschaftssport ist prädestiniert dafür, die gewaltige Kraft eines gemeinsamen Miteinanders zu spüren. In Summe kann man als Teil dieses Kollektivs sehr viel fürs Leben lernen.“

Positive Stimmung als entscheidendes Kriterium

Im Fußballgeschäft werden speziell die Obmänner als Gesicht des Vereins nach außen wie auch Trainer immer am Erfolg gemessen. Für die Seele des Purgstaller Fußballklubs steht hierbei fest: „Der Lohn eines jeden ehrenamtlich tätigen Funktionärs ist der sportliche Erfolg. Für diesen muss man sich aber Zeit nehmen, sonst geht man mit der Zeit.“ Für Plank ist daneben noch eines äußerst wichtig: „Ein Klub lebt von der positiven Stimmung im Inneren. Es ist unabdingbar, diese Stimmung hochzuhalten. Das zählt sicherlich zu den größten Herausforderungen, weil dies oft auch fremdbestimmt wird.“

Die Veränderung der Gesellschaft macht es in den Augen des SVg-Obmanns noch fordernder: „Die Zeiten haben sich geändert. Die Toleranzbreite im Fußball ist geringer, die Emotionalität und Aggressivität jedoch größer geworden. Der Blick auf das große Ganze, auf das Positive und das Schöne geht oftmals zu schnell verloren. Es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, wie schön der Fußballsport ist, wie schön dieses Wir-Gefühl ist. Dies ist besonders bei der Suche nach jungen Funktionären das Um und Auf. Die Ansprüche der jüngeren Gesellschaftsschicht haben sich in den Jahren verändert und darauf darf nicht vergessen werden.“

Nachfolgesuche will gut überlegt sein

Davon kann der langjährige Obmann des SC Gresten-Reinsberg, Johann Wolmersdorfer, der mit 1. Februar 2022 sein Amt in jüngere Hände übergeben hatte, ein Lied singen: „Als für mich klar war, dass ich mich zurückziehen werde, war es für mich das oberste Gebot, einen Nachfolger zu finden, von dem ich überzeugt war, dass er mit den aktuell herausfordernden Zeiten zurechtkommt. Deshalb war es für mich sinnvoll, dass viele Positionen im Vorstand mit neuen, jüngeren Kräften besetzt werden, die alle an einem Strang ziehen und eine jüngere Sichtweise verfolgen. Alles andere hätte nicht funktioniert.“

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Johann Wolmersdorfer war Jahrzehnte beim SC Gresten-Reinsberg tätig.
Foto: Hans Karner

Wolmersdorfer war seit 1983 in vielen Positionen im Verein tätig. Nach der Beendigung seiner Tätigkeit ist für ihn eine große Last von den Schultern gefallen, wie er gesteht: „Speziell die vergangenen, von Corona geprägten Jahre waren sehr herausfordernd. Ich als Obmann hatte hier eine große Verantwortung zu schultern, und diese hat mir nicht nur eine schlaflose Nacht bereitet.“

Er kann deshalb verstehen, warum es immer schwieriger wird, junge Funktionäre davon zu überzeugen, Ämter bei Vereinen zu übernehmen: „Die heutige Generation von Fußballern, die kurzfristig an Spieltagen aus privaten Gründen absagen, hat es früher nicht gegeben. In meiner aktiven Zeit wäre es mir nie eingefallen, zum Saisonauftakt in den Urlaub zu fahren oder an einer privaten Geburtstagsfeier teilzunehmen. Diese Dinge zehren einfach an den Kräften und Nerven von Funktionären. Da hinterfragt man sich selbst nicht nur einmal.“

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