Bezirk Scheibbs: Nicht alle fiebern der EM entgegen. Am 11. Juni beginnt die Euro 2021. Das Fußball-Fieber hält sich bei manchen Fans in Grenzen – nicht nur wegen Corona.

Von Karin Katona. Erstellt am 26. Mai 2021 (04:32)
 Beate Griessler in Purgstall Pickerl
Die Panini-Pickerl-Fans, die bei Beate Griessler in Purgstall ihre Pickerl kaufen, sind nicht nur kleine Buben. „Erwachsene sind genauso begeistert wie die Kleinen.“ Einziges Problem: Verzögerungen beim Nachbestellen.
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Karin Katona

Sie sind wieder da, die bunten Alben für die Pickerl, es wird eifrig gesammelt und getauscht – nichts symbolisiert die Vorfreude auf eine Fußball-Europameisterschaft so sehr wie die Panini-Pickerl. Nicht nur die kleinen Fans sind von der Sammelleidenschaft ergriffen, weiß Beate Griessler, Besitzerin des Tabakfachgeschäfts Griessler in der Purgstaller Kirchenstraße. „Die Pickerl-Sammler sind zu mindestens 50 Prozent Erwachsene. Ob die dann die Pickerl, die sie kaufen, den Kindern weitergeben, weiß ich natürlich nicht. Aber viele fasziniert das weit über das Kindesalter hinaus.“

Nachfrage nach Pickerl wie immer

Die Nachfrage nach den Pickerln in ihrem Geschäft unterscheide sich kaum von der einer „normalen“ Europameisterschaft vor der Corona-Pandemie. Der Unterschied, sagt Griessler, seien nur die Probleme beim Nachbestellen der begehrten Pickerl: „Die Lieferzeiten sind oft sehr lang. Das hat es früher in diesem Ausmaß nicht gegeben. Die Gründe dafür kenne ich aber nicht.“

Der Wieselburger Wolfgang Babinger bezeichnet sich selbst als „Fußball-Fan durch und durch“. Und hat dabei auch seinen 13-jährigen Sohn Moritz auf seiner Seite. Vater und Sohn sammeln auch gemeinsam Panini-Pickerl: „Das gehört einfach dazu. Und dabei kommt dann automatisch Vorfreude auf die Euro auf.“ Babinger, der sowohl beruflich für den Raiffeisen Club der Raiffeisen Bank Mittleres Mostviertel als auch privat Sportreisen organisiert, musste im vergangenen Jahr mehrere Euro-Reisen mit Freunden und Familie absagen: „Wir hatten schon im Dezember Tickets, Flüge und Übernachtungen für eine viertägige Fußballreise nach Budapest und Rom gebucht. Leider wurde daraus nichts“, bedauert der Fußball-Fan.

Heuer wird es bei ihm keine Fußballreisen irgendwelcher Art geben. Babinger tröstet sich mit Fußball-Schauen im privaten Kreis: „Ich freue mich auf Grillabende mit Freunden mit gemeinsamem Match-Schauen. Natürlich fehlt das Hobby, aber der soziale Aspekt ist beim Fußball der wichtigste. Und den kann man auch bei kleineren Partys im Freundeskreis genießen.“

Auch Fußballbegeisterte sind nicht in EM-Stimmung

Armin Grasberger aus Gresten, ehemaliger Sportchef der NÖN Erlauftal, arbeitet in Wien als freier Journalist, unter anderem für das Fußballmagazin „ballesterer“. Von einer Vorfreude auf die Euro 2021, sagt Grasberger, könne weder bei ihm selbst noch bei Kollegen oder Freunden die Rede sein.

Die Gründe seien vielfältig: „Die Leistungen des Nationalteams waren zuletzt überhaupt nicht gut. Das allein dämpft schon einmal die Vorfreude. Der Kader an sich ist zwar stark, aber Teamchef Franco Foda holt nicht das aus der Mannschaft heraus, wozu sie eigentlich fähig wäre.“ Mit mehr Mut zum Risiko seitens des Trainers und einem zur Mannschaft passenden System, findet Grasberger, könnten die Spieler ihr Potenzial besser entfalten: „Man kann sagen, er ist der falsche Trainer für die richtige Mannschaft.“

Doch auch die Rahmenbedingungen der Euro, sagt Grasberger, nehmen den Fans die Vorfreude: „Der Großteil der Teams spielt an zwei weit voneinander entfernten Orten. Österreich in Bukarest und Amsterdam. Das Herumreisen freut unter den heutigen Bedingungen kaum jemanden.“

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