Fusion als Chance gegen Vereinssterben im Mostviertel. Erste Fußballvereine im Unterhaus gehen sportlich gemeinsamen Weg, um Fortbestand zu sichern.

Von Raimund Bauer. Erstellt am 23. Juli 2019 (03:53)
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Das neue Führungstrio. Roswitha Schönbichler (l. Obfrau FC Sarling), Thomas Stadler (r. Obmann SV Neumarkt) gehen mit Neo-Trainer Martin Elser in die zweite Saison der Spielgemeinschaft Neumarkt/Sarling.

Das Wehklagen über immer weniger werdende Nachwuchskicker sowie Funktionäre hallt auch durch die Region Mostviertel. Um von der Auflösung Abstand zu halten, fusionierten sich mehrere Vereine in den letzen Jahren.

2013 gründete sich der FC Sonntagberg (2. Klasse Ybbstal). Dabei fusionierten die beiden Traditionsclubs Böhlerwerk und Rosenau. Beide lagen in der selben Gemeinde. Durch die Zusammenlegung erhofften sich die Vereinsverantwortlichen eine sportliche, wirtschaftliche und organisatorische Neuausrichtung.

Der Sportplatz in Böhlerwerk wurde generalsaniert. Die Nachwuchsspiele steigen auf der Anlage in Rosenau. Der sportliche Aufschwung stellte sich bislang allerdings noch nicht ein. In der vergangenen Saison schaute nur der 10. Platz in der 2. Klasse heraus.

Sarling & Neumarkt und die USG Alpenvorland

Im Bezirk Melk gehen seit einem Jahr die Zweit-Klasse-Verieine Neumarkt und Sarling sowie Kirnberg und Textingtal sportlich einen gemeinsamen Weg.

Die vier Vereine legten den Kampfmannschafts- und Reservebetrieb auf zwei Vereine zusammen. Während bei Kirnberg/Texingtal die Gemeinsamkeit mit „USG Alpenvorland“ bereits in einem neuen Vereinsnamen gipfelte, bleiben Neumarkt und Sarling zwei eigenständig geführte Vereine.

„Wir mussten den Schritt vor einem Jahr machen, sonst hätten wir nicht mehr spielen können“Roswitha Schönbichler

„Wir mussten den Schritt vor einem Jahr machen, sonst hätten wir nicht mehr spielen können“, erinnert sich Sarling-Obfrau Roswitha Schönbichler.

Anders die Lage bei Kirnberg/Texingtal. Die beiden Nachbarorte erhoffen sich durch die Zusammenlegung eine Bündelung der Kräfte.

„Es bestand noch keine Gefahr, dass wir keine Mannschaft stellen konnten. Doch nach einem langen Prozess haben wir uns dazu entschlossen, und die Zusammenarbeit wird immer besser“, erklärte USG-Alpenvorland-Sektionsleiter Josef Weber.

In der 2. Klasse Alpenvorland kämpfte Kirnberg/Texingtal lange Zeit um den Meistertitel mit. Am Ende blieb Platz zwei.

 Mit einem echten Funktionärsproblem kämpfte man ein Jahr in Neumarkt. Wie ein Damoklesschwert hing die Obmannfrage über den Köpfen der Funktionäre.

 
Obmannfrage führte fast zur Auflösung

Michael Schadenhofer, der den gemeinsamen Schritt mit Sarling noch eingeleitet hatte, hatte seinen Rücktritt im Dezember bekanntgegeben. Bis Juni stand ein neuer Obmann noch immer nicht fest.

Schwarzmaler sahen schon die Vereinsauflösung als fix an. Auch die weitere Meldung einer gemeinsamen Kampfmannschaft mit Sarling für den Meisterschaftsbetrieb hing auf einem seidenen Faden.

Nach mehreren Sitzungen und Gesprächen fand sich der bisherige Nachwuchsleiter der Neumarkter, Thomas Stadler, und übernahm den Posten, wobei der Vorstand noch breiter aufgestellt wurde. „Das war meine Bedingung. Wir sollen uns die Arbeit auf mehrere Schultern aufteilen“, sagt Stadler.

Wieselburg: Ringen um die Damenmannschaft

Schauplatzwechsel ins Erlauftal: Bei den Damenteams sah es in der vergangenen Saison beim SC Wieselburg fast nach einer Auflösung auf. Doch im letzten Moment gingen die Braustädterinnen eine Klasse tiefer in die Frauengruppe West.

„Da wir dort auch 13-Jährige einsetzen dürfen, ist der Kader wieder groß genug. In der Gebietsliga Mostviertel wäre es schwierig für uns geworden“, sagt Trainer Thomas Wagner. Der freiwillige Abstieg half den Wieselburgerinnen somit, die vollkommene Auflösung zu verhindern.

„Wir haben alles versucht, um die Damenmannschaft weiter in unserem Verein zu haben. Das war die beste Lösung. Die große Anzahl an Spielerinnen ist noch nicht gegeben.“, sagt Wieselburg-Obmann Robert Gnant abschließend.

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