Herbert Haslinger: „Rettung war mein Traumberuf“

Der Gaminger Herbert („Hasi“) Haslinger über sein 34-jähriges Berufsleben beim Roten Kreuz, seinen letzten Arbeitstag und worauf er sich in seinem Ruhestand besonders freut.

Erstellt am 04. Januar 2021 | 03:08
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Foto: Rotes Kreuz/Hürner

NÖN: Nach 34 Jahren als Hauptberuflicher beim Roten Kreuz gehen Sie nun in den Ruhestand, mit welchem Gefühl?
Herbert Haslinger: Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Mit einem lachenden, weil ich mich auf die gewonnene Freizeit richtig freue, mit einem weinenden, weil es bis zuletzt mein Traumberuf war. Ganz nach meinem Lebensmotto: Wähle den Beruf, den du liebst und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.

Wie emotional war der letzte Arbeitstag für Sie?
Sehr emotional, da ich diesen mit meinem Abteilungskommandanten und Freund Dr. Alexander Egger verbringen durfte und ich von unglaublich vielen Glückwünschen für meine Pension überhäuft wurde.

Was werden Sie besonders vermissen?
Die Kolleginnen und Kollegen, die gute Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die Zivildiener die mich trendmäßig immer am neuesten Stand hielten, die entstandenen Freundschaften und netten Gespräche auf der Dienststelle Gaming.

Wenn Sie an Ihre Anfänge zurückblicken. Wie hat ihre erfolgreiche berufliche Laufbahn beim Roten Kreuz begonnen?
Mit 18 Jahren begann ich 1978 meine Tätigkeit als ehrenamtlicher Mitarbeiter in Gaming, nach zehn Jahren wurde für die Dienststelle Gaming zum ersten Mal ein hauptberuflicher Mitarbeiter gesucht. Diese Chance konnte ich nutzen und somit wurde ich am 1. Jänner 1987 als hauptberuflicher Rettungssanitäter eingestellt. Auch das Kriseninterventionsteam durfte ich im Bezirk einführen und aufbauen. Viele Menschen haben mich in dieser langen Zeit begleitet, besonders hervorheben möchte ich Horst Pallwein – mein langjähriger Ortsstellenleiter, Johann Eßletzbichler – mein langjähriger Abteilungskommandant und meine Bezirksstellenleiter Hofrat Berthold Panzenböck, Ing. Alois Hackl und Primarius Dr. Kurt Schlögl.

Wie hat sich im Laufe all dieser Jahre die Arbeitsweise beim Rettungsdienst verändert?
Besonders verändert hat sich die Ausbildung. Ich startete meine ehrenamtliche Tätigkeit als Sanitäter mit einem 16-stündigen Erste Hilfe Kurs. Daran ist heute nicht mehr zu denken. Verändert haben sich auch die Ausstattung der Rettungsfahrzeuge und vor allem die Größe der Autos sowie die Weiterbildungen. Ich selbst war lange als Notfallsanitäter am Notarztwagen in Scheibbs und am Notarzthubschrauber „Christophorus 15“ tätig.

Welche Einsätze werden Ihnen ein Leben lang besonders in Erinnerung bleiben?
Besondere Einsätze waren es vor allem dann, wenn mich Patienten, die in einem äußerst kritischen Zustand waren, einige Monate später auf der Dienststelle besuchten. Froh war ich aber immer, wenn die gesamte Mannschaft wieder gesund auf die Dienststelle zurückgekommen ist, und der Patient oder die Patientin bestmöglich versorgt wurde. Durch die gute Ausbildung und Weiterbildung beim Roten Kreuz und die Erfahrungen, die ich in meinen Diensten sammeln konnte, konnte ich auch im Privaten schon vielen Menschen helfen, ganz oft denke ich an einen Skiunfall zurück, als ich einem kleinen Mädchen das Leben retten konnte. Eine Geburt im Rettungswagen, was viele als wirklich besonderes Erlebnis schildern, habe ich in den 34 Jahren nicht erlebt.

Besondere Einsätze waren es vor allem dann, wenn mich Patienten, die in einem äußerst kritischen Zustand waren, einige Monate später auf der Dienststelle besuchten

Wie werden Sie die nun freie Zeit im Ruhestand nutzen?
Viel Zeit davon werde ich meinen Enkelkindern Emilia und Paul widmen, dem Sport, und natürlich sind einige Reisen mit meiner Frau geplant.

Und jetzt ist mit dem Dienst beim Roten Kreuz endgültig Schluss, oder bleiben Sie als ehrenamtlicher Mitarbeiter erhalten ?
Ja, jetzt gönne ich mir erstmals eine kurze Auszeit, aber dann bleibe ich als ehrenamtlicher Mitarbeiter im Rettungsdienst dabei.