Naturpark Ötscher-Tormäuer: „Sind auf Zukunftsreise“

Nächster Schritt in Richtung Konzept: Intensiver gemeinsamer Workshop aller Arbeitsgruppen in Gaming.

Erstellt am 24. April 2018 | 03:00
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Seit September laufen die Arbeiten für das neue Entwicklungskonzept des Naturparks Ötscher-Tormäuer, das in weiterer Folge auch dessen künftiges Leitbild sein soll. In vier Arbeitsgruppen zu den vier Säulen Schutz, Bildung, Erholung und Regionalentwicklung arbeiteten die Aktivisten aus allen Naturparkgemeinden gemeinsam mit externen Experten über den Winter ihre Schwerpunkte heraus. Am Montag der Vorwoche wurden diese in einem intensiven Tagesworkshop in der Kartause Gaming zusammengeführt.

„Unser Ziel ist es heute, uns auf ein gemeinsames Zukunftsbild und Visionen für den Naturpark zu einigen. Die Maßnahmen, die dafür nötig sind, sollen anschließend erneut in Kleingruppen detailliert inklusive Zeitplan ausgearbeitet werden, sodass wir im Oktober unser gemeinsames Leitbild präsentieren können“, erläuterte Projektleiter Florian Schublach von der Naturpark Ötscher-Tormäuer GmbH und freute sich, dass sich an diesem Montag mehr als 65 Personen aus der Region Zeit nahmen, sich auf diese „Zukunftsreise“ zu begeben und ihre Ideen dazu einzubringen. Dabei waren alle Gruppen vertreten: Gemeindevertreter, Landwirte, Lehrer, Naturschützer, Naturvermittler und natürlich Gastronomen und Touristiker.

Ein Modellprojekt für Naturparke Österreichs

„Das ist ein Zeichen, dass die gesamte Region hinter dem Projekt und in Folge auch hinter dem Konzept steht. Durch diese breite Mischung und die Einbeziehung externer Experten für die einzelnen Säulen ist garantiert, dass alle Sichtweisen berücksichtigt werden und auch inhaltlich hochwertig gearbeitet wird. Damit beschreitet der Naturpark Ötscher-Tormäuer auch österreichweit einen Vorzeigepfad, wie künftig solche Entwicklungskonzepte für die Naturparke in Österreich erarbeitet werden können“, gratulierte auch Franz Handler, der Geschäftsführer der Naturparke Österreich.

1962 wurde in Sparbach bei Mödling der erste Naturpark Österreichs gegründet, womit eine Erfolgsgeschichte begann, die bisher schon über fünf Jahrzehnte andauert. Inzwischen gibt es in Österreich 48 Naturparke in sieben Bundesländern, die eine Gesamtfläche von rund 500.000 Hektar einnehmen. In Vorarlberg ist gerade ein weiterer Naturpark – der erste im Ländle – im Entstehen. Der kleinste Naturpark ist 17 Hektar groß, der größte 73.000 Hektar. Die meisten (22) Naturparke gibt es in Niederösterreich. Insgesamt locken die 48 Naturparke rund 20 Millionen Besucher pro Jahr in die über 200 Naturparkgemeinden. Das ergibt eine Wertschöpfung inklusive Tagestourismus von rund 144 Millionen Euro pro Jahr. Europaweit gibt es 888 Naturparke in 22 Ländern, die eine Fläche von 390.000 km² bedecken.

Titel Naturpark ist eine Auszeichnung für Region

„Wir sollten uns immer bewusst sein, dass der Titel Naturpark eine besondere Auszeichnung für eine Region und die dort lebenden Menschen ist“, betonte Franz Handler und verwies auf die Grunddefinition der Naturparke: Geschützte Landschaften, die vom Menschen durch schonende Landnutzung und Landschaftspflege erhalten werden. Diese beispielgebenden Kulturlandschaften sind durch Verordnung der Landesregierungen mit dem Prädikat „Naturpark“ ausgezeichnet.

Naturpark Workshop Gaming
Grafic Recording. Daniela Waser aus Oberösterreich hielt den Workshop grafisch fest und zeichnete live mit.
Foto: Eplinger

Die vier Säulen

  • Schutz: SWOT-Analyse: Stärken: reichhaltige, traditionelle Kulturlandschaft mit großer Vielfalt an Lebensformen; Natur-Bewusstsein der Bevölkerung. Chancen: übersichtliche Anzahl an Umsetzungspartnern; Natur und Landschaft sind der Bevölkerung sehr wichtig; viele gute Ideen vorhanden. Schwächen: noch keine wirksamen Strategien zum Stopp der Verwaldung im Ortsumfeld; zu intensive Wiesennutzung. Bedrohungen: unumkehrbare Verwandlungsprozesse nehmen zu; Verwaldung bringt Verlust an Lebensqualität. 
  • Projektideen: Quellkataster, Naturpark als Vermittler, artenreiches Heu für das Wild.
  • Bildung: Stärken: engagierte Volksschulen und Kindergärten; viel Landschaft und Natur sind perfekt, um Wissen zu vermitteln. Chancen: Naturvermittlung liegt im weltweiten Trend; Naturparkkindergärten werden seitens der VNÖ stark forciert. Schwächen: fehlende Bildungsmöglichkeiten für höhere Bildungsstufen; fehlendes Bewusstsein für den Naturpark. Bedrohungen: Region kämpft mit Bevölkerungsverlust; politische Rahmenbedingungen; Bildung darf etwas kosten.
  • Projektideen: Freiluft-Klassen, Naturvermittlerprogramm, Wissensdatenbank.
  • Erholung: Stärken: einzigartiger, beeindruckender alpiner Natur- und Erholungsraum; umfassendes Wanderwegenetz. Chancen: Sommerfrische und sanftes Wintererlebnis gewinnen an Bedeutung; Mobilitätsverhalten ändert sich. Schwächen: Wanderwegenetz schwer zu bewirtschaften; kaum Winteraktivitäten; Betrieb im Winter wenig präsent. Bedrohungen: „Druck“ auf Natur steigt; widersprechende Nutzungsinteressen. 
  • Projektideen: Wander-/Spazierwege-Konzept; sanftes Wintererlebnis Naturpark/Skitouren; Erlebnisraum Naturpark-Region.
  • Regionalentwicklung: Stärken: florierende Forstwirtschaft und Jagd; Ötscher-Basis; gute Handwerksbetriebe. Chancen: Trend zu regionalen Produkten; bestehende Marke „Ötscher:Reich“. Schwächen: fehlende gemeinsame Vertriebslinie für landwirtschaftliche Produkte; Lebensmittelhandwerk stirbt aus (Fleischer, Bäcker). Bedrohungen: Wissen über alte Produktionsweisen geht verloren; demografische Entwicklung.
  • Projektideen: Regionale Produkte (Verzeichnisse, Vermarktungsplattformen, Bauernmarkt); altes Handwerk, Wissen, Brauchtum.